Wundertätige Medaille: Geschichte, Bedeutung und Gebet
Eine kleine Medaille mit der Jahreszahl 1830: was die heilige Katharina Labouré in der Rue du Bac sah, was jedes Zeichen bedeutet und welches Gebet auf ihr steht.
Auf vielen Rosenkränzen sitzt zwischen den Perlen eine kleine ovale Medaille: die allerseligste Jungfrau mit ausgebreiteten Händen, darunter die Jahreszahl 1830. Die Wundertätige Medaille, oft auch wunderbare Medaille genannt, geht auf eine junge Ordensschwester in Paris zurück, der die Muttergottes in der Kapelle ihres Mutterhauses in der Rue du Bac erschien. Dieser Ratgeber erzählt die Geschichte, erklärt Vorder- und Rückseite, nennt das Gebet der Medaille mit seiner Quelle und beantwortet die Frage, die viele zuerst stellen: Wirkt die Medaille von selbst?
- Die Wundertätige Medaille ist eine Marienmedaille nach dem Bild, das die heilige Katharina Labouré am 27. November 1830 in Paris schaute. Geweiht zählt sie zu den Sakramentalien der Kirche.
- Ihre Umschrift ist ein Gebet: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“
- Mit Erlaubnis des Erzbischofs von Paris wurden am 30. Juni 1832 die ersten Medaillen geprägt. Papst Leo XIII. setzte 1894 für die Lazaristen ein eigenes Fest am 27. November ein.
- Den Beinamen „wundertätig“ gab ihr das gläubige Volk. Die Medaille wirkt nicht aus sich selbst; mit ihr bittet man um die Fürsprache der Muttergottes.
Was ist die Wundertätige Medaille?
Die Wundertätige Medaille ist eine Marienmedaille, deren Bild die allerseligste Jungfrau 1830 der heiligen Katharina Labouré in Paris zeigte. Vorn steht die Muttergottes mit Strahlen aus den Händen, hinten das Monogramm M mit Kreuz und zwei Herzen. Geweiht gehört sie zu den Sakramentalien der Kirche.
Das Rituale Romanum nennt sie Sacrum Numisma B. M. V. Immaculatae, die heilige Medaille der Unbefleckten Jungfrau, und fügt hinzu: vulgo Médaille miraculeuse, im Volk die wundertätige Medaille. Sakramentalien sind nach dem Kirchenrecht von 1917 Dinge oder Handlungen, deren sich die Kirche in einer gewissen Nachahmung der Sakramente bedient, um durch ihre Fürbitte Wirkungen vor allem geistlicher Art zu erlangen (can. 1144). Getragen wird die Medaille an einer Kette um den Hals oder als Mittelstück am Rosenkranz, so bei unseren Rosenkränzen mit Glasperlen.
Was geschah 1830 in der Rue du Bac?
In der Rue du Bac in Paris liegt das Mutterhaus der Töchter der christlichen Liebe des heiligen Vinzenz von Paul. In seiner Kapelle erschien die Muttergottes 1830 der Novizin Katharina Labouré mehrmals, zuerst am 18. Juli, dann am 27. November, und trug ihr auf, eine Medaille prägen zu lassen.
Katharina hat die Erscheinung vom 27. November selbst aufgeschrieben. Es war ein Samstag, der Vorabend des ersten Adventssonntags, um halb sechs am Abend, während der Betrachtung. Sie sah die allerseligste Jungfrau auf einer Halbkugel stehen, an den Fingern Ringe mit Edelsteinen, aus denen Strahlen fielen. Dazu hörte sie: „Das ist das Sinnbild der Gnaden, die ich über die Menschen ausgieße, die mich darum bitten.“ Um das Bild bildete sich ein ovaler Rahmen mit goldenen Buchstaben.
„Lass, lass nach diesem Vorbild eine Medaille prägen. Die Menschen, die sie mit Ablass versehen tragen, werden große Gnaden empfangen, besonders wenn sie sie um den Hals tragen; reich werden die Gnaden für die sein, die Vertrauen haben.“
Bericht der heiligen Katharina Labouré, nach Aladel, La médaille miraculeuse, Paris 1878
Ihr Beichtvater, der Lazaristenpriester Jean-Marie Aladel, nahm die Berichte zunächst mit Misstrauen auf. Erst mit ausdrücklicher Erlaubnis des Erzbischofs de Quélen ließ er die Medaille prägen; die ersten Stücke entstanden am 30. Juni 1832. 1836 ordnete der Erzbischof eine kirchliche Untersuchung über ihren Ursprung an.
Wer war die heilige Katharina Labouré?
Katharina Labouré war eine Tochter der christlichen Liebe, geboren 1806 als Zoé Labouré in Fain-les-Moutiers an der Côte-d’Or, gestorben am 31. Dezember 1876. Papst Pius XII. sprach sie am 27. Juli 1947 heilig und bestimmte ihren Todestag, den 31. Dezember, als Gedenktag; im allgemeinen Kalender von 1962 steht sie nicht.
Im Januar 1831 erhielt sie das Ordenskleid und kam in das Hospiz d’Enghien in der Pariser Vorstadt Saint-Antoine. Sie arbeitete dort zuerst in Küche und Wäschekammer und betreute dann fast vierzig Jahre lang die alten Leute; nach Pius XII. tat sie auch den Dienst an der Pforte.
Außer ihrem Beichtvater wusste bis kurz vor ihrem Tod niemand, dass sie die Seherin der Medaille war; erst im letzten Lebensjahr vertraute sie sich ihrer Oberin an. Pius XII. fasste ihr Leben einen Tag nach der Heiligsprechung in zwei Worte aus der Nachfolge Christi: Ama nesciri, „Liebe es, unbekannt zu sein“. Sechsundvierzig Jahre lang, so der Papst, sei der Schleier ihrer Verborgenheit nicht einen Augenblick gelüftet worden. In der Predigt der Heiligsprechung erinnerte er daran, dass sie die Medaille noch mit zitternden Händen an die Umstehenden verteilte, bevor sie starb.
Was zeigen Vorder- und Rückseite der Wundertätigen Medaille?
Die Vorderseite der Wundertätigen Medaille zeigt die Muttergottes auf der Weltkugel, mit Strahlen aus den Händen, umgeben von der Umschrift des Gebetes. Die Rückseite zeigt den Buchstaben M unter einem Kreuz, das auf einem Querbalken steht, darunter die Herzen Jesu und Mariä.
| Zeichen | Was es zeigt |
|---|---|
| Kugel | Die Muttergottes steht auf der Kugel; sie stellt nach den Worten der Erscheinung die ganze Welt dar und jeden einzelnen Menschen. |
| Strahlen | aus den Händen der Muttergottes: Sinnbild der Gnaden für alle, die darum bitten, nach Katharinas Bericht |
| Umschrift | „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“ |
| 1830 | das Jahr der Erscheinungen |
| M und Kreuz | das Monogramm Mariens, über ihm das Kreuz auf einem Querbalken |
| Herz mit Dornen | das heiligste Herz Jesu |
| Herz mit Schwert | das Herz Mariä, nach Lk 2, 35 |
| Sterne | zwölf Sterne um das M und die beiden Herzen |
Die zwölf Sterne lassen an die Frau der Geheimen Offenbarung denken, die eine Krone von zwölf Sternen trägt (Apk 12, 1). Diese Stelle liest das Messbuch von 1962 am Fest der Medaille als Lesung. Auf den Medaillen mit lateinischer Schrift an unseren Rosenkränzen steht statt der französischen Umschrift Regina sine labe originali concepta, ora pro nobis: „Königin, ohne Erbsünde empfangen, bitte für uns“. Dieselben Worte stehen im Rituale Romanum als Versikel und Antwort bei der Weihe der Medaille.
Welches Gebet gehört zur Wundertätigen Medaille?
Zur Wundertätigen Medaille gehört das Stoßgebet, das auf ihr steht: „O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“ Katharina Labouré sah es 1830 in goldenen Buchstaben um das Bild der Muttergottes.
O Marie, conçue sans péché, priez pour nous qui avons recours à vous.
O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.
Französisch nach Aladel, La médaille miraculeuse, Paris 1878; deutsch nach dem Gebetsbegleiter des MarcellusOnlineShop
Die Kirche hat das Gebet mit Ablässen versehen. Die römische Ablasssammlung Preces et pia opera von 1952 führt es unter Nr. 357 in italienischer Sprache mit einem Ablass von 300 Tagen und einem vollkommenen Ablass unter den gewöhnlichen Bedingungen, wenn man es einen Monat lang täglich andächtig betet. Die gewöhnlichen Bedingungen sind die heilige Beichte, die heilige Kommunion, der Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums und ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters. In einer anderen Sprache gilt der Ablass, wenn die Treue der Übersetzung kirchlich bestätigt ist (CIC 1917, can. 934 § 2).
Viele beten das Stoßgebet nach dem Rosenkranz; wie die Gesätze aufgebaut sind, zeigt unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz.
Wirkt die Wundertätige Medaille von selbst?
Die Wundertätige Medaille wirkt nicht von selbst und ist kein Amulett. Den Namen „wundertätig“ gab ihr nach Pius XII. die Stimme des Volkes, wegen der vielen Bekehrungen und Gnaden. Wer sie andächtig trägt und ihr Stoßgebet spricht, bittet die Muttergottes um ihre Fürsprache bei Gott.
Der heilige Thomas von Aquin zieht die Grenze genau: Heilige Worte und Zeichen bei sich zu tragen, ist erlaubt, wenn man dabei allein auf die Ehrfurcht vor Gott schaut, von dem man die Wirkung erwartet. Abergläubisch wird es, wenn man die Hoffnung auf die Art des Schreibens oder Umbindens setzt (Summa theologiae II-II, q. 96, a. 4 co. und ad 1). Auch die Worte der Erscheinung binden die Gnaden an das Vertrauen: reich werden sie für die sein, „die Vertrauen haben“.
Die Kirche hat die Erscheinungen geprüft: 1836 ließ der Erzbischof von Paris eine kirchliche Untersuchung anstellen, und Leo XIII. setzte das Fest der Medaille 1894 nach sorgfältiger Untersuchung aller Tatsachen durch die Ritenkongregation ein.
Die Catholic Encyclopedia von 1911 berichtet von Alphonse Ratisbonne aus Straßburg, der die Medaille widerstrebend trug und in der römischen Kirche Sant’Andrea delle Fratte die Muttergottes so sah, wie sie auf der Medaille dargestellt ist; nach Aladel geschah das 1842. Seine Bekehrung folgte bald, und die Kirche hat das Ereignis bestätigt und im Offizium des Festes vermerkt.
Wie wird die Wundertätige Medaille geweiht und getragen?
Die Wundertätige Medaille lässt man von einem Priester weihen. Das Rituale Romanum enthält dafür eine eigene Segens- und Überreichungsformel, 1895 von der Ritenkongregation gebilligt. Getragen wird die Medaille vor allem um den Hals, wie es im Bericht der Erscheinung heißt, oder am Rosenkranz.
Diese Formel ist der Kongregation der Mission, den Lazaristen, eigen und steht unter den Segnungen für Priester mit apostolischer Vollmacht. Segnungen erteilen kann sonst jeder Priester, ausgenommen die vorbehaltenen (CIC 1917, can. 1147 § 2); fragen Sie Ihren Priester, welche Form er gebraucht. Ein Priester, der die Vollmacht für diese Formel hat, spricht bei der Überreichung:
Accipe sanctum Numisma, gesta fideliter, et digna veneratione prosequere: ut piissima et immaculata caelorum Domina te protegat atque defendat; et pietatis suae prodigia renovans, quae a Deo suppliciter postulaveris, tibi misericorditer impetret, ut vivens ac moriens in materno ejus amplexu feliciter requiescas. Amen.
Empfange die heilige Medaille, trage sie treu und ehre sie mit gebührender Verehrung, damit die gütigste und unbefleckte Herrin des Himmels dich beschütze und verteidige, die Wunder ihrer Güte erneuere und dir von Gott gnädig erflehe, worum du ihn demütig bittest, damit du im Leben und im Sterben in ihrer mütterlichen Umarmung selig ruhest. Amen.
Rituale Romanum, Benedictio et impositio sacri Numismatis B. M. V. Immaculatae, Ausgabe Regensburg 1937, S. 550
Die Wundertätige Medaille sitzt an vielen unserer Rosenkränze als Mittelstück, meist mit lateinischer Schrift. Beim Rosenkranz mit pfirsichfarbenen Glasschliffperlen sitzt sie silbern an weißer Kordel, zwischen Ave-Maria-Perlen von 8 mm, mit Pardonkruzifix. Auf der Medaille steht die lateinische Umschrift Regina sine labe originali concepta, abgekürzt mit O. P. N. für ora pro nobis, und die Jahreszahl 1830.
Mittelstücke und Kreuze lassen sich frei kombinieren. Wer die Medaille an einem anderen Rosenkranz möchte, schreibt den Wunsch beim Bestellen ins Bemerkungsfeld. Unsere Devotionalien versenden wir grundsätzlich ungeweiht; lassen Sie die Medaille vor dem Gebrauch von einem Priester weihen.
Im Artikel erwähnt
Rosenkranz Glasschliffperlen pfirsich
Handgefertigt an weißer Kordel, mit Glasschliffperlen von 8 mm, silberner Wundertätiger Medaille und Pardonkruzifix.
Zum Rosenkranz
Häufige Fragen zur Wundertätigen Medaille
Wann ist das Fest der Wundertätigen Medaille?
Das Fest der Wundertätigen Medaille ist der 27. November. Leo XIII. setzte es am 23. Juli 1894 für die Lazaristen ein, für Bistümer und Ordensgemeinschaften auf Antrag. Im Messbuch von 1962 steht es unter den Messen für einige Orte: B. Mariae Virg. Immaculatae a sacro Numismate, die Unbefleckte Jungfrau Maria von der heiligen Medaille.
Ist die wunderbare Medaille dieselbe wie die Wundertätige Medaille?
Wunderbare Medaille und Wundertätige Medaille sind zwei deutsche Namen für dieselbe Medaille von 1830, im Französischen médaille miraculeuse. Gemeint ist immer die Marienmedaille nach der Erscheinung in der Rue du Bac.
Was mache ich mit einer zerbrochenen geweihten Medaille?
Eine zerbrochene geweihte Medaille gehört nicht in den Hausmüll. Geweihte Dinge sind ehrfürchtig zu behandeln und nicht zu profanem Gebrauch zu verwenden, auch wenn sie Privatbesitz sind (CIC 1917, can. 1150). Fragen Sie Ihren Pfarrer, wie sie würdig beseitigt wird. Eine neue Medaille finden Sie an vielen unserer handgefertigten Rosenkränze.
- Jean-Marie Aladel: La médaille miraculeuse. Origine, histoire, diffusion, résultats. Paris 1878 (überarbeitete Ausgabe nach Aladels Tod; Bericht der Schwester Katharina über die Erscheinung vom 27. November 1830 nach ihren eigenhändigen Aufzeichnungen von 1856 und 1876). archive.org; englische Ausgabe Philadelphia 1880. archive.org
- Pius XII.: Predigt zur Heiligsprechung der seligen Katharina Labouré, 27. Juli 1947, vatican.va; Ansprache an die Pilger, 28. Juli 1947. vatican.va
- Rituale Romanum, Regensburg 1937, Appendix, Benedictiones propriae, Nr. 30: Benedictio et impositio sacri Numismatis B. M. V. Immaculatae (gebilligt am 19. April 1895), S. 550.
- Missale Romanum 1962, Missae pro aliquibus locis, 27. November: B. Mariae Virg. Immaculatae a sacro Numismate.
- Preces et pia opera indulgentiis ditata, Rom 1952, Nr. 357 und Praenotanda 4.
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 934, 1144, 1147 und 1150. codex-iuris-canonici.de
- Thomas von Aquin: Summa theologiae II-II, q. 96, a. 4. corpusthomisticum.org
- Die Heilige Schrift nach der Vulgata: Lk 2, 35; Apk 12, 1.
- Gebetsbegleiter zum Rosenkranz des MarcellusOnlineShop (deutscher Wortlaut des Stoßgebets). marcellusonlineshop.de
- Joseph Glass: Miraculous Medal. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10, New York 1911. newadvent.org
Zuletzt geprüft am 26. Oktober 2026.
Die Werkstatt des MarcellusOnlineShop
Wir knüpfen Rosenkränze von Hand in unserer Werkstatt in Deutschland und schreiben im Ratgeber über Gebete, Devotionalien und den überlieferten katholischen Glauben.


