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INRI: Bedeutung der Inschrift am Kreuz Christi

Vier Buchstaben über dem Haupt des Gekreuzigten: was INRI heißt, warum Pilatus die Inschrift in drei Sprachen schreiben ließ und wo die Kreuzestafel heute verehrt wird.

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Über fast jedem Kruzifix sitzt eine kleine Tafel mit vier Buchstaben: INRI. Man sieht sie am Rosenkranz, am Wandkreuz und auf dem Altar, und doch wissen viele nicht genau, was INRI bedeutet. Die Antwort steht im Johannesevangelium, Wort für Wort, und sie ist älter als jedes Kruzifix. Dieser Ratgeber erklärt die vier Buchstaben, die Bibelstelle nach der Vulgata, die drei Sprachen der Inschrift, die Antwort des Pilatus und die Reliquie, die in Rom als Kreuzesinschrift verehrt wird.

Das Wichtigste in Kürze
  • INRI ist die Abkürzung der lateinischen Kreuzesinschrift Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum: „Jesus von Nazareth, König der Juden“.
  • Pontius Pilatus ließ die Inschrift nach Joh 19, 19 bis 20 über dem Kreuz anbringen, in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache.
  • Als die Hohenpriester eine Änderung verlangten, antwortete Pilatus: Quod scripsi, scripsi, „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Joh 19, 22).
  • In der Basilika Santa Croce in Gerusalemme in Rom wird nach der Überlieferung die Kreuzesinschrift bewahrt (Catholic Encyclopedia, 1912).

Was bedeutet INRI?

INRI bedeutet Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, auf Deutsch „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Die vier Buchstaben kürzen die lateinische Fassung der Inschrift ab, die Pontius Pilatus über dem Kreuz unseres Herrn Jesus Christus anbringen ließ.

Buchstabe Lateinisch Deutsch
I Iesus Jesus
N Nazarenus von Nazareth, wörtlich „der Nazarener“
R Rex König
I Iudaeorum der Juden

Genau in dieser Schreibung steht der Satz im Missale Romanum von 1962: Am Karfreitag wird dort die Leidensgeschichte nach Johannes gesungen, und mitten darin heißt es Erat autem scriptum: Iesus Nazarenus, Rex Iudaeorum. Das Lateinische schrieb den Anlaut dieser Wörter ursprünglich mit I; so steht es auch im Missale von 1962, und so lautet die Abkürzung INRI und nicht INRJ. Der Bibelübersetzer Joseph Franz Allioli gibt die Worte als „Jesus von Nazareth, der König der Juden“ wieder.

Wo steht INRI in der Bibel?

Die Inschrift INRI geht auf das Johannesevangelium zurück, Kapitel 19, Vers 19. Alle vier Evangelien berichten von der Inschrift am Kreuz, doch nur Johannes nennt den Namen Nazarenus. Aus seiner lateinischen Fassung stammen die vier Buchstaben.

Die Vulgata sagt: Scripsit autem et titulum Pilatus, et posuit super crucem. Erat autem scriptum: Jesus Nazarenus, Rex Judaeorum. Allioli übersetzt (Bd. 5, 4. Auflage, Landshut 1839): „Pilatus aber hatte eine Überschrift geschrieben, und auf das Kreuz gesetzt. Es war nämlich geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.“ Das lateinische Wort titulus meint eine Tafel mit Aufschrift. Allioli erklärt in seiner Anmerkung zu Mt 27, 37 den Brauch bei Hinrichtungen: Ein Soldat trug bei der Hinrichtung eine weiße Tafel mit dem Namen und dem Vergehen des Verurteilten, die dann ans Kreuz genagelt wurde.

Stelle Vulgata Allioli
Mt 27, 37 Hic est Jesus rex Judaeorum Dieser ist Jesus, der König der Juden
Mk 15, 26 Rex Judaeorum Der König der Juden
Lk 23, 38 Hic est rex Judaeorum Dieser ist der König der Juden
Joh 19, 19 Jesus Nazarenus, Rex Judaeorum Jesus von Nazareth, der König der Juden

Die Catholic Encyclopedia von 1908 stellt die vier Fassungen ebenso nebeneinander und nennt Johannes dabei einen Augenzeugen. Nach Joh 19, 26 stand der Jünger, den der Herr liebte, mit der allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Kreuz; die Überlieferung sieht in ihm den Evangelisten Johannes.

Warum stand die Inschrift in drei Sprachen?

Die Kreuzesinschrift stand nach Joh 19, 20 in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache, nach der Erklärung Alliolis, damit alle sie lesen konnten. Hebräisch war die Sprache des Landes, Latein die der römischen Herrscher und Griechisch die der Juden aus der Fremde, die zum Fest in Jerusalem waren.

So erklärt es Allioli in seiner Anmerkung zur Stelle. Johannes fügt hinzu, dass „Viele von den Juden“ die Tafel lasen, weil der Ort der Kreuzigung nahe bei der Stadt lag. Lukas nennt die drei Schriften in anderer Reihenfolge: litteris graecis, et latinis, et hebraicis (Lk 23, 38).

Der heilige Augustinus deutet die drei Sprachen in seinem 117. Traktat über das Johannesevangelium: Hebräisch für die Juden, die sich des Gesetzes Gottes rühmten, Griechisch für die Weisen unter den Heiden, Latein für die Römer, die damals über fast alle Länder herrschten. Allioli fügt hinzu, in diesen drei Sprachen seien alle übrigen Völker mitverstanden.

„Die heiligen Väter glauben, daß damit angedeutet werden sollte, Christus sei für Alle gestorben, und rufe alle Völker zu seinem Glauben.“

Joseph Franz Allioli, Anmerkung zu Joh 19, 20 (Bd. 5, Landshut 1839), Schreibung angeglichen

Hat Pilatus INRI als Spott gemeint?

Pilatus meinte die Inschrift INRI als Angabe der Schuld: Der Verurteilte habe sich als König der Juden ausgegeben. Nach Allioli drückte Pilatus es aber auf göttliche Zulassung hin so aus, dass er gerade damit die wahre Würde unseres Herrn und den wahren Grund seines Todes aufschrieb.

Die Hohenpriester merkten, was auf der Tafel stand, und verlangten eine Änderung: „Schreibe nicht: der König der Juden, sondern, daß er gesagt habe: Ich bin der König der Juden.“ Pilatus lehnte ab: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben“ (Joh 19, 21 bis 22, nach Allioli). In der Vulgata sind es nur drei Wörter: Quod scripsi, scripsi.

Augustinus sieht darin eine Fügung. Was Pilatus geschrieben hatte, blieb geschrieben, weil der Herr gesagt hatte, was er gesagt hatte. Christus sei zudem nicht nur König der Juden, sondern auch der Heiden. Die Kirche singt diese Wahrheit im Hymnus Vexilla Regis aus dem Brevier: Regnavit a ligno Deus, „Gott hat vom Holze her geherrscht“.

Impleta sunt quae concinit
David fideli carmine,
Dicendo nationibus:
Regnavit a ligno Deus.

Erfüllt ist, was David sang
in treuem Lied,
als er den Völkern sagte:
Gott hat vom Holze her geherrscht.

Hymnus Vexilla Regis, dritte Strophe, nach Preces et pia opera (1952), Nr. 193. Deutsch: eigene Übersetzung

Wo ist die Kreuzesinschrift heute?

Die Kreuzesinschrift wird nach der Überlieferung in der Basilika Santa Croce in Gerusalemme in Rom verehrt. Die Catholic Encyclopedia von 1912 nennt unter den dort bewahrten Reliquien Teile vom Holz des Kreuzes, die Kreuzesinschrift und einen Dorn aus der Dornenkrone.

Gegründet wurde die Kirche nach derselben Quelle, wie es heißt, von der heiligen Helena an einem Ort namens Sessorium. Bezeugt ist die Verehrung der Kreuzestafel schon im 4. Jahrhundert in Jerusalem. Um das Jahr 380 beschreibt die Pilgerin Egeria den Karfreitag in Jerusalem: Vor dem Bischof wurde das heilige Holz des Kreuzes mit der Inschrift auf einen Tisch gelegt, und die Gläubigen berührten Kreuz und Tafel mit Stirn und Augen, nicht aber mit den Händen (nach der Catholic Encyclopedia von 1908).

Ob das Stück in Rom tatsächlich von der Tafel des Pilatus stammt, ist eine Frage der Überlieferung, kein Glaubenssatz. Für die Liturgie des Karfreitags nennt das Missale von 1962 Santa Croce als Stationskirche, Statio ad S. Crucem in Ierusalem, ebenso für den vierten Fastensonntag Laetare.

Warum steht INRI auf dem Kruzifix?

INRI steht auf dem Kruzifix, weil die Evangelien die Inschrift genau dort bezeugen: über dem Haupt des Gekreuzigten. Matthäus berichtet, man habe die Ursache seines Todes „oben über seinem Haupte“ angeheftet. Die kleine Tafel gibt dem Kruzifix diesen biblischen Ort zurück.

Die Catholic Encyclopedia von 1908 schließt aus Mt 27, 37, dass der Längsbalken des Kreuzes Christi über den Querbalken hinausragte, denn sonst hätte die Tafel nicht über dem Haupt stehen können. Schon die frühesten Kirchenväter, die vom Kreuz sprechen, beschreiben es nach derselben Quelle in dieser Form.

Eine Vorschrift für die Inschrift gibt es nicht. Das Missale von 1962 verlangt für den Altar nur ein hinreichend großes Kreuz mit dem Gekreuzigten (Rubricae generales, Nr. 527). Was das Kruzifix als Ganzes bedeutet und worin es sich vom schlichten Kreuz unterscheidet, erklärt unser Ratgeber Kruzifix: Bedeutung, Unterschied zum Kreuz und Platz im Haus. Wer ein Kruzifix für das eigene Haus sucht, findet in unserer Kollektion Kreuze Wand- und Stehkreuze, darunter handgeschnitzte. Wie man am Kreuz des Rosenkranzes das Gebet beginnt, zeigt unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz.

Metallkruzifix eines Paracord-Rosenkranzes mit INRI-Tafel oben, Alpha und Omega an den Seiten und Chi-Rho unten
Oben die Tafel mit INRI, links und rechts Alpha und Omega, unten das Chi-Rho: das Kreuz unseres Deus-Vult-Rosenkranzes Gladius.
Aus der Werkstatt

Das 8 cm große Metallkreuz unseres Deus-Vult-Rosenkranzes Gladius haben wir selbst entworfen. Oben trägt es die Tafel mit INRI, links und rechts die griechischen Buchstaben Alpha und Omega, unten das Christusmonogramm Chi-Rho, dazu das Jerusalemer Kreuz. Auf der Rückseite steht der Templerspruch Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam, „Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre“.

Geknüpft wird der Gladius von Hand aus 4 mm starkem 550er Paracord, mit Kreuz ist er etwa 54 cm lang. Für den Rosenkranz Grab Christi verwenden wir dagegen ein 12-Apostel-Kruzifix aus Metall mit antiker Patina, über dem Gekreuzigten das INRI-Schild.

Handgeknüpfter Deus-Vult-Rosenkranz Gladius aus silbergrauem Paracord mit Metallperlen und Kreuz Im Artikel erwähnt DEUS VULT Gladius-Rosenkranz Silbergraues 550er Paracord, Metallperlen und unser eigenes Kreuz mit INRI, Alpha und Omega und Chi-Rho. Zum Rosenkranz Rosenkranz Grab Christi aus schwarzem Paracord mit braunen Steinperlen und 12-Apostel-Kruzifix Im Artikel erwähnt Grab Christi Paracord-Rosenkranz Schwarzes 550er Paracord, Steinperlen und ein 12-Apostel-Kruzifix mit INRI-Schild. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zu INRI

Was heißt INRI auf Deutsch?

INRI heißt auf Deutsch „Jesus von Nazareth, der König der Juden“. So übersetzt Allioli die lateinischen Worte Iesus Nazarenus, Rex Iudaeorum aus Joh 19, 19.

Warum schreibt man INRI und nicht INRJ?

INRI wird mit I geschrieben, weil das Lateinische den Anlaut von Iesus und Iudaeorum ursprünglich mit I schrieb; so steht es auch im Missale Romanum von 1962. Manche Bibelausgaben setzen in denselben Wörtern ein J, etwa Jesus Nazarenus, Rex Judaeorum; gemeint ist dasselbe.

Wann hört man die Worte der Kreuzesinschrift in der Liturgie?

Den Wortlaut der Kreuzesinschrift nach Johannes, Iesus Nazarenus, Rex Iudaeorum, hört man am Karfreitag. Das Missale von 1962 sieht für die feierliche Liturgie dieses Tages, an dem keine heilige Messe gefeiert wird, die Leidensgeschichte nach Johannes vor, Kapitel 18 und 19.

Muss auf einem Kruzifix INRI stehen?

Auf einem Kruzifix muss INRI nicht stehen. Die Rubrik des Missale verlangt für den Altar ein Kreuz mit dem Gekreuzigten, eine Inschrift schreibt sie nicht vor. Die Tafel ist ein alter Brauch, der dem Bericht der Evangelien folgt.

Quellen
  1. Biblia Sacra Vulgata: Mt 27, 37; Mk 15, 26; Lk 23, 38; Joh 19, 17 bis 22. drbo.org
  2. Die Heilige Schrift, übersetzt von Joseph Franz Allioli, Bd. 5, 4. Auflage (Landshut 1839): Mt 27, 37 mit Anm. 39 und 40; Mk 15, 26; Lk 23, 38; Joh 19, 19 bis 22 mit Anm. 15. archive.org
  3. Missale Romanum, Editio typica 1962: Rubricae generales, Nr. 527; Dominica IV in Quadragesima; Feria VI in Passione et Morte Domini (Statio; Passio secundum Ioannem). archive.org
  4. Augustinus: In Iohannis Evangelium Tractatus 117 (zu Joh 19, 17 bis 22). newadvent.org
  5. Preces et pia opera, Ausgabe 1952, Nr. 193: Hymnus Vexilla Regis. archive.org
  6. Catholic Encyclopedia: Archaeology of the Cross and Crucifix (1908); The True Cross (1908); Rome, Abschnitt über die Basiliken (1912). newadvent.org

Zuletzt geprüft am 26. Oktober 2026.

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