Gegrüßet seist du Maria: Wortlaut, Herkunft und Sinn jedes Wortes
Wortlaut auf Deutsch und Latein, die zwei Verse aus dem Lukasevangelium und wie der Englische Gruß 1568 seine heutige Form erhielt: das Ave Maria, Wort für Wort erklärt.
Zehnmal in jedem Gesätz des Rosenkranzes, also in jedem Zehnerabschnitt aus einem Vater unser und zehn Ave, kehrt dasselbe Gebet wieder. Das „Gegrüßet seist du Maria“, lateinisch Ave Maria, zählt auf Deutsch nur 42 Wörter. Der größere Teil steht wörtlich im Lukasevangelium, den Schluss hat die Kirche hinzugefügt. Dieser Ratgeber gibt Ihnen den Wortlaut auf Deutsch und Latein, zeigt die beiden Bibelverse, erzählt, wie das Gebet bis 1568 seine heutige Form erhielt, und erklärt, was jedes Wort bedeutet.
- Das „Gegrüßet seist du Maria“ ist das Gebet, mit dem die Gläubigen die allerseligste Jungfrau mit den Worten des Erzengels Gabriel grüßen. Der Römische Katechismus nennt es den englischen Gruß, den Gruß des Engels.
- Die ersten beiden Teile stammen aus dem Lukasevangelium: aus dem Gruß Gabriels (Lk 1, 28) und dem Lobpreis der heiligen Elisabeth (Lk 1, 42).
- Die Bitte „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder“ hat die Kirche angefügt. Vollständig und amtlich steht das Gebet im Breviarium Romanum, das der heilige Papst Pius V. mit der Bulle Quod a nobis vom 9. Juli 1568 einführte.
- Ein Rosenkranz mit fünf Gesätzen enthält 53 Ave Maria (5 × 10 + 3). Der überlieferte vollständige Psalter mit 15 Gesätzen zählt 150, mit den drei Eingangs-Ave 153.
Wie lautet das „Gegrüßet seist du Maria“?
Auf Deutsch beginnt das Gebet mit „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir“ und endet mit „jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen“. Lateinisch heißt es Ave Maria. Es hat drei Teile: den Gruß des Engels, den Gruß Elisabeths mit dem Namen Jesu und die Bitte der Kirche.
Ave Maria, gratia plena; Dominus tecum: benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae. Amen.Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Latein nach dem Breviarium Romanum, Rom 1568. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Der deutsche Wortlaut ist derselbe wie in unserer Anleitung zum Rosenkranz mit allen Gebeten. Die katholische Bibelübersetzung von Joseph Franz Allioli, mit Approbation des Apostolischen Stuhles, schreibt in der vierten Auflage von 1839 an denselben Stellen „voll der Gnaden“ und „unter den Weibern“. Der Sinn ist derselbe, nur die Sprache ist älter.
Wo steht das Ave Maria in der Bibel?
Die ersten beiden Teile des Ave Maria stehen im ersten Kapitel des Lukasevangeliums. Mit Ave gratia plena, Dominus tecum, benedicta tu in mulieribus grüßt der Erzengel Gabriel die Jungfrau in Nazareth (Lk 1, 28). Elisabeth ruft bei der Heimsuchung: Benedicta tu inter mulieres, et benedictus fructus ventris tui (Lk 1, 42).
| Stelle | Vulgata | Allioli, 1839 |
|---|---|---|
| Lk 1, 28 | Ave gratia plena: Dominus tecum: benedicta tu in mulieribus. | Gegrüßt seyst du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern! |
| Lk 1, 42 | Benedicta tu inter mulieres, et benedictus fructus ventris tui. | Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes! |
In seinem Gruß (Lk 1, 28) nennt der Engel den Namen Maria nicht, die Kirche hat ihn in das Gebet eingesetzt. Weil „gebenedeit bist du unter den Frauen“ in beiden Versen steht, fügten sich die Grüße Gabriels und Elisabeths umso natürlicher zusammen, bemerkt die Catholic Encyclopedia von 1910.
Allioli erklärt das Wort Ave in seiner Anmerkung zur Stelle: Nach dem heiligen Augustinus enthalte es eine Anspielung auf den Namen der Eva, der Mutter des sündigen Geschlechts, an deren Stelle die allerseligste Jungfrau als Mutter des neuen Geschlechts trat. Deshalb, so Allioli, singt die Kirche: „Aus des Gabriel Munde nahmst du jenes Ave, ändernd Evas Namen …“
Seit wann beten die Gläubigen das Ave Maria?
Als eigenes Gebet der Gläubigen ist das Ave Maria seit etwa 1050 bezeugt. Nach allem, was man weiß, ging es aus Versen des kleinen Marienoffiziums der Klöster hervor. Die Worte des Engels standen schon früher in der Liturgie. Um 1200 verlangten Bischöfe, dass die Gläubigen den Gruß neben Credo und Vater unser kennen.
Herbert Thurston nennt in der Catholic Encyclopedia frühere Spuren der Worte: einen syrischen Ritus, der Severus von Antiochien um 513 zugeschrieben wird, den heiligen Andreas von Kreta, den heiligen Johannes von Damaskus und das Antiphonar, das auf den heiligen Gregor den Großen zurückgeführt wird. Dort steht der Engelsgruß als Offertorium der Messe am vierten Adventssonntag. Ein selbständiges Gebet war er damals noch nicht.
Um 1196 schrieb Bischof Odo von Sully in Paris vor, die Gläubigen sollten den Gruß der seligen Jungfrau so gut kennen wie das Glaubensbekenntnis und das Vater unser; die Synode von Durham folgte 1217. Zur Zeit des heiligen Königs Ludwig endete das Ave mit benedictus fructus ventris tui. Den Namen Jesu soll Papst Urban IV. um 1261 angefügt haben, doch Thurston hält das nicht für sicher belegt. Die Bitte um Fürsprache sprachen viele im 14. und 15. Jahrhundert privat und in wechselnden Worten. Fast wörtlich wie heute, nur ohne nostrae, ist das ganze Ave in einem Druck von 1495 überliefert.
Was legte Papst Pius V. 1568 für das Ave Maria fest?
Mit der Bulle Quod a nobis vom 9. Juli 1568 führte der heilige Papst Pius V. das erneuerte Breviarium Romanum ein. In ihm steht das Ave Maria vollständig, mit Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae. Seitdem hat das Gebet amtlich seine heutige Form.
Die Bulle beginnt mit den Worten Quod a nobis postulat ratio pastoralis officii, „was die Pflicht des Hirtenamtes von uns verlangt“, und ist datiert septimo Idus Iulii 1568, auf den 9. Juli. Im Psalterium des Breviers folgt das Ave Maria vor der Matutin unmittelbar auf das Vater unser. Bis dahin hatte das Ave im Chorgebet in der Regel mit dem Namen Jesu und dem Amen geendet.
Begründet hatte den Zusatz schon der Römische Katechismus, den Pius V. nach dem Beschluss des Konzils von Trient herausgeben ließ. Er stellt fest, dass die Kirche selbst dem Gruß die Bitte angefügt hat:
„Mit Recht aber hat die heilige Kirche Gottes zu dieser Danksagung auch Gebete und eine Anrufung der heiligsten Mutter Gottes gefügt, wodurch wir frommen Sinnes und demütig zu ihr unsere Zuflucht nehmen, dass sie durch ihre Fürbitte uns Sündern Gott geneigt mache …“
Römischer Katechismus, IV. Teil, Vom Gebet. Deutsche Ausgabe, Passau 1853
Was bedeuten die Worte des Ave Maria?
Jedes Wort des Ave Maria hat seinen eigenen Sinn. „Ave“ ist ein Gruß, „voll der Gnade“ bezeichnet die Fülle der heiligmachenden Gnade, „gebenedeit“ heißt gesegnet. Mit „Mutter Gottes“ bekennt der Beter, wer die allerseligste Jungfrau ist, und bittet sie um ihre Fürsprache für sein Leben und seine Todesstunde.
| Wort | Bedeutung |
|---|---|
| Ave | Gruß. Allioli führt es auf das hebräische Chave zurück, „lebe!“. |
| Gratia plena | Voll der Gnade: „die du mehr als alle Gerechte mit der heiligmachenden Gnade ausgestattet bist“ (Allioli, Anm. 32). |
| Dominus tecum | Der Herr ist mit ihr in der Fülle seiner Gnade und nimmt bald von ihr sein Fleisch an (Allioli, Anm. 33). |
| Benedicta | Gebenedeit, also gesegnet: „die Gesegnetste, die Glücklichste unter allen Weibern“ (Allioli, Anm. 34). |
| Fructus ventris | Die Frucht ihres Leibes, das Kind, das sie trägt: unser Herr Jesus Christus. |
| Mater Dei | Mutter Gottes. Hier beginnt die Bitte, die die Kirche angefügt hat. |
| In hora mortis | In der Stunde unseres Todes. Die Bitte reicht bis zum letzten Augenblick des Lebens. |
Papst Leo XIII. hat in seinen Rundschreiben über den Rosenkranz erklärt, was der oft wiederholte Gruß bewirkt. Jedes Ave ruft die Würde der allerseligsten Jungfrau und das Werk der Erlösung in Erinnerung:
„Wenn wir sie mit dem Lobpreis des Engels als die Gnadenvolle grüßen und dieses wiederholte Lob zu Kränzen binden, […] so oft wird in uns gleichsam die Erinnerung geweckt an ihre erhabene Würde und an die Erlösung des Menschengeschlechts, die Gott durch sie begonnen hat.“
Leo XIII., Magnae Dei Matris, 1892. Eigene Übersetzung
Betet man im Ave Maria die Muttergottes an?
Im Ave Maria wird die Muttergottes nicht angebetet. Die Anbetung gebührt Gott allein. Das Gebet grüßt die allerseligste Jungfrau mit Worten der Heiligen Schrift und bittet sie, für uns Sünder bei Gott einzutreten. Der Römische Katechismus unterscheidet genau: Zu Gott sagt man „Erbarme dich unser“, zu einem Heiligen „Bitte für uns“.
Der Katechismus begründet den Unterschied so: Gott bitten wir, dass er selbst uns das Gute verleihe oder vom Übel befreie. Die Heiligen bitten wir, weil sie bei Gott in Gnaden stehen, dass sie für uns Fürsprache einlegen. Darum schließt das Ave nicht mit „gib uns“, sondern mit „bitte für uns“.
Leo XIII. schreibt 1894 im Rundschreiben Iucunda semper expectatione, man wiederhole den Gruß so oft, damit „unser mangelhaftes und schwaches Gebet“ vom nötigen Vertrauen getragen werde. Man bitte die Muttergottes, Gott „für uns, gleichsam in unserem Namen“ anzuflehen. Das Ave führt also über die Mutter zum Sohn und zum Vater, nicht an Gott vorbei.
Wie oft betet man das Ave Maria im Rosenkranz?
Im Rosenkranz mit fünf Gesätzen betet man das Ave Maria 53 Mal: zehnmal in jedem Gesätz und dreimal am Anfang, also 5 × 10 + 3. Der vollständige Psalter mit allen 15 Geheimnissen zählt 150 Ave in den Gesätzen, mit den drei Eingangs-Ave 153.
Das Römische Brevier beschreibt den Rosenkranz in der vierten Lesung zum Rosenkranzfest als certa precandi formula: eine feste Gebetsform, in der man fünfzehn Zehner von Englischen Grüßen betet, jeweils durch das Gebet des Herrn getrennt, und dabei ebenso viele Geheimnisse unserer Erlösung betrachtet. Gemeint sind die freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse.
Die Zahl 150 hat einen Grund. Die 150 Psalmen in Fünfzigern zu beten, war im Mittelalter die liebste Andacht der Ordensleute und Gelehrten; einfache Gläubige ahmten sie nach, indem sie 50, 100 oder 150 Ave sprachen. Vom heiligen Aybert berichtet man, er habe im 12. Jahrhundert täglich 150 Ave gebetet, 100 davon mit einer Kniebeuge. Die drei Ave am Anfang sind Brauch; in unserem Gebetsbegleiter zum Rosenkranz erbitten sie Glaube, Hoffnung und Liebe.
Kein Gebet geht beim Rosenkranz so oft durch die Finger wie das Ave Maria, deshalb gehören ihm fast alle Perlen. Am Regina-caeli-Rosenkranz sind die Ave-Perlen matte Steinperlen von 8 mm, die Vaterunser-Perlen Glasschliffperlen von 12 mm. Am weißen Fatima-Rosenkranz aus 550er Paracord sind es Edelstahlperlen von 10 mm neben gemusterten Metallperlen von 12 mm.
Beim Fatima-Rosenkranz sind die Perlenabstände so geknüpft, dass der Daumen bequem zwischen zwei Perlen passt. Wenn Sie es enger oder weiter möchten, schreiben Sie das ins Bemerkungsfeld Ihrer Bestellung. Mittelstücke und Kreuze lassen sich frei kombinieren.
Im Artikel erwähnt
Regina caeli Rosenkranz smaragdgrün
Handgefertigt an schwarzer Kordel, mit Ave-Perlen aus mattem Stein, grünen Glasschliffperlen und einem filigranen Marienmittelstück.
Zum Rosenkranz
Für die Muttergottes
Stella Maris Rosenkranz
Blaue Steinperlen für die Ave Maria, die Wundertätige Medaille als Mittelstück und ein Pardon-Kruzifix, im Leinenbeutel.
Zum Rosenkranz
Weitere Stücke finden Sie unter handgefertigte Rosenkränze aus unserer Werkstatt. Für den Hausaltar führen wir Statuen der Muttergottes und Wandbilder der Schmerzensmutter.
Häufige Fragen zum Ave Maria
Ist das „Gegrüßet seist du Maria“ dasselbe wie das Ave Maria?
„Gegrüßet seist du Maria“ und Ave Maria sind dasselbe Gebet, einmal deutsch, einmal lateinisch. Beide Namen sind die Anfangsworte. Im Rosenkranz kann man es in jeder der beiden Sprachen beten.
Warum heißt das Ave Maria „Englischer Gruß“?
Englischer Gruß bedeutet Gruß des Engels und hat mit England nichts zu tun. Der Römische Katechismus spricht vom „englischen Gruß“, das Römische Brevier und Leo XIII. lateinisch von der salutatio angelica.
Was bedeutet „Frucht deines Leibes“?
„Frucht deines Leibes“ meint das Kind, das die allerseligste Jungfrau unter dem Herzen trägt: unseren Herrn Jesus Christus. Elisabeth spricht die Worte bei der Heimsuchung (Lk 1, 42). Deshalb folgt im Gebet unmittelbar der Name Jesu.
Braucht man für das Ave Maria einen geweihten Rosenkranz?
Einen geweihten Rosenkranz braucht das Ave Maria nicht, man kann es jederzeit beten. Einen neuen Rosenkranz lässt man üblicherweise von einem Priester weihen; jeder Priester kann ihn segnen, sofern die Segnung nicht vorbehalten ist (CIC 1917, can. 1147 § 2). Geweihte Dinge sind Sakramentalien, deren sich die Kirche bedient, um durch ihre Fürbitte Wirkungen vor allem geistlicher Art zu erlangen (can. 1144).
- Biblia Sacra Vulgatae Editionis (Clementina), Lk 1, 28 und Lk 1, 42. drbo.org
- Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, Bd. 5, 4. Auflage, Landshut 1839, Lk 1 mit Anm. 31 bis 34. archive.org
- Breviarium Romanum, Rom 1568, mit der Bulle Quod a nobis Pius' V. vom 9. Juli 1568 und dem Ave Maria im Psalterium. archive.org
- Breviarium Romanum, Pars autumnalis, Neapel 1854, Rosenkranzfest, II. Nokturn, 4. Lesung. archive.org
- Römischer Katechismus nach dem Beschlusse des Conciliums von Trient, deutsch, Passau 1853, IV. Teil, Vom Gebet. archive.org
- Leo XIII.: Rundschreiben Magnae Dei Matris vom 8. September 1892 und Iucunda semper expectatione vom 8. September 1894. vatican.va (1892), vatican.va (1894)
- Herbert Thurston: Hail Mary, The Catholic Encyclopedia, Bd. 7, New York 1910; Herbert Thurston und Andrew Shipman: The Rosary, Bd. 13, 1912. newadvent.org
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 1144 und 1147. codex-iuris-canonici.de
Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.
Die Werkstatt des MarcellusOnlineShop
Wir knüpfen Rosenkränze von Hand in unserer Werkstatt in Deutschland und schreiben im Ratgeber über Gebete, Devotionalien und den überlieferten katholischen Glauben.


