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IHS: Bedeutung des Christusmonogramms

Drei Buchstaben im Strahlenkranz: woher das IHS wirklich kommt, warum „Iesus Hominum Salvator“ eine spätere Deutung ist und wie Bernhardin von Siena und die Jesuiten das Zeichen verbreiteten.

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Drei Buchstaben in einem Strahlenkranz, darüber oft ein Kreuz: Das IHS findet sich auf Medaillen, an Rosenkränzen und, nach einem alten Rat, über der Haustür. Für die Bedeutung von IHS sind mehrere Deutungen im Umlauf, und die meisten davon nennt die Catholic Encyclopedia von 1910 falsch. Dieser Ratgeber erklärt, woher die Buchstaben kommen, warum der heilige Bernhardin von Siena sie auf einer Holztafel zeigte, wie sie zum Zeichen der Jesuiten wurden und wann die Kirche das Fest des heiligsten Namens Jesu feiert.

Das Wichtigste in Kürze
  • IHS ist ein Monogramm des Namens Jesus. Nach der Catholic Encyclopedia stammen die Buchstaben aus der griechischen Schreibweise Iesous; eine zweite Erklärung liest die ersten und letzten Buchstaben des mittelalterlichen IHESUS.
  • Die Lesarten „Iesus Hominum Salvator“ und „In Hoc Signo“ sind nach der Catholic Encyclopedia von 1910 spätere Fehldeutungen.
  • Der heilige Bernhardin von Siena (1380 bis 1444) zeigte das IHS am Ende seiner Predigten auf einer Holztafel; der heilige Ignatius von Loyola nahm es 1541 in sein Siegel auf.
  • Das Fest des heiligsten Namens Jesu fällt im Kalender von 1962 auf den Sonntag zwischen dem 2. und 5. Januar, sonst auf den 2. Januar.

Was bedeutet IHS?

IHS bedeutet Jesus. Die drei Buchstaben sind ein Monogramm des heiligsten Namens Jesu. Nach der älteren Erklärung sind sie die Anfangsbuchstaben der griechischen Schreibweise ΙΗΣΟΥΣ, das H steht dann ursprünglich für das griechische Eta. Wer IHS liest, liest also den Namen des Herrn.

Die Catholic Encyclopedia von 1910 beschreibt IHS als „ein Monogramm des Namens Jesu Christi“. In der Kunst steht es oft in einem Strahlenkranz; manchmal erscheint über dem H ein Kreuz und darunter drei Nägel. Gegen Ende des Mittelalters wurde das IHS zu einem Sinnbild, so wie das Chi-Rho in der Zeit Konstantins.

Verehrt wird dabei nicht die Buchstabenfolge. Die Catholic Encyclopedia sagt es deutlich: Die Kirche ehrt den Namen Jesu nicht, weil in seinen Buchstaben eine verborgene Kraft läge, sondern weil er an alle Wohltaten erinnert, die wir durch den Erlöser empfangen, so wie wir das Leiden Christi ehren, indem wir sein Kreuz ehren.

Woher kommen die Buchstaben IHS?

Die Buchstaben IHS kommen aus den frühchristlichen Inschriften. Dort wurden die heiligen Namen, die nomina sacra, durch Zusammenziehung abgekürzt: IC und XC oder IHS und XPS für Iesous Christos. Diese griechischen Abkürzungen schrieb man im Mittelalter auch in lateinischen Texten weiter.

Mit der Zeit ging der richtige Sinn verloren, und eine falsche Deutung des IHS führte zur Schreibweise „Jhesus“ (Catholic Encyclopedia, Artikel IHS, 1910). Der Artikel über den heiligsten Namen Jesu aus demselben Jahr erklärt die Buchstaben etwas anders: Im Mittelalter habe man IHESUS geschrieben, und das Monogramm enthalte dessen erste und letzte Buchstaben. Beide Erklärungen führen auf den Namen Jesus.

Die Enzyklopädie nennt auch einen frühen Beleg: eine Goldmünze des 8. Jahrhunderts mit der Umschrift DN IHS CHS REX REGNANTIUM, „Der Herr Jesus Christus, König der Könige“. Beliebter wurde das Monogramm nach dem 12. Jahrhundert, als der heilige Bernhard von Clairvaux die Andacht zum Namen Jesu predigte.

„… daß in dem Namen Jesu sich beugen alle Kniee derer, die im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sind …“

Philipper 2, 10, nach Joseph Franz von Allioli, Die heilige Schrift, Band 6, 4. Auflage, Landshut 1859

Heißt IHS „Iesus Hominum Salvator“?

„Iesus Hominum Salvator“, Jesus, Erlöser der Menschen, ist eine spätere Deutung der Buchstaben IHS, nicht ihre Herkunft. Die Catholic Encyclopedia von 1910 nennt sie ausdrücklich irrig, ebenso die Lesart „Hierosolymae Salvator“, Erlöser Jerusalems. Ursprünglich sind die Buchstaben der Anfang des griechischen Namens Jesus.

Der Inhalt dieser Deutung ist richtig, nur die Buchstaben meinen es nicht. Dass unser Herr Jesus Christus der Erlöser des Menschengeschlechts ist, betet die Kirche am Fest seines Namens selbst: constituisti humani generis Salvatorem, „du hast ihn zum Erlöser des Menschengeschlechtes bestellt“.

Eine zweite Fehldeutung verbindet IHS mit dem Wort Konstantins. Als die Jesuiten unter das H drei Nägel setzten, kam die Erklärung auf, die Nägel seien ursprünglich ein V gewesen und das Monogramm bedeute In Hoc Signo Vinces, „In diesem Zeichen wirst du siegen“. Die Catholic Encyclopedia nennt auch das eine erfundene Erklärung. Mit dem Chi-Rho des Kaisers hat das IHS nur gemeinsam, dass beide den Namen des Herrn abkürzen.

Was hat der heilige Bernhardin von Siena mit IHS zu tun?

Der heilige Bernhardin von Siena machte das IHS im frühen 15. Jahrhundert in Italien bekannt. Der Franziskaner trug das Monogramm im Strahlenkranz auf eine Holztafel gemalt mit sich, zeigte es am Ende seiner Predigten und riet, es über Stadttore und Haustüren zu setzen.

Bernhardin wurde am 8. September 1380 in Massa im Gebiet von Siena geboren und starb am 20. Mai 1444 in Aquila. Seine neue Art, den Namen Jesu zu verkünden, brachte ihm 1427 eine Anklage vor Papst Martin V. ein: Er führe eine neue Andacht ein, die das Volk der Gefahr des Götzendienstes aussetze. Der heilige Johannes Capistran verteidigte ihn in Sankt Peter. Der Papst sprach Bernhardin frei, ermunterte ihn, in Rom zu predigen, und ging nach dem Bericht der Catholic Encyclopedia selbst in einer Prozession mit, in der das Monogramm getragen wurde. Die Tafel wird in Santa Maria in Aracoeli in Rom verehrt.

Nikolaus V. sprach Bernhardin am 24. Mai 1450 heilig. Sein Fest steht im Kalender von 1962 am 20. Mai. Das Tagesgebet der heiligen Messe nennt seine Liebe zum Namen Jesu: Domine Iesu, qui beato Bernardino Confessori tuo eximium sancti nominis tui amorem tribuisti, „Herr Jesus, du hast deinem heiligen Bekenner Bernhardin eine herausragende Liebe zu deinem heiligen Namen geschenkt“.

Warum tragen die Jesuiten das IHS?

Die Jesuiten tragen das IHS, weil der heilige Ignatius von Loyola das Monogramm 1541 als Generaloberer in sein Siegel aufnahm. So wurde es zum Zeichen der Gesellschaft Jesu. Nach der Catholic Encyclopedia setzten die Jesuiten ein Kreuz über das H und drei Nägel darunter.

Papst Paul III. hatte die Gesellschaft Jesu mit der Bulle Regimini militantis ecclesiae am 27. September 1540 bestätigt. Ihr Wahlspruch lautet Ad maiorem Dei gloriam, „zur größeren Ehre Gottes“, abgekürzt A.M.D.G. Auch das Tagesgebet am Fest des heiligen Ignatius, im Kalender von 1962 am 31. Juli, spricht von der „größeren Ehre“ des göttlichen Namens: ad maiorem tui nominis gloriam propagandam. Die Antiphon zum Introitus dieser Messe ist dieselbe wie am Fest des Namens Jesu: In nomine Iesu omne genu flectatur.

Ob Kreuz und Nägel erst von den Jesuiten stammen, sagen die Quellen nicht einheitlich. Der Artikel über den Namen Jesu schreibt beides den Jesuiten zu, der Artikel über das Christusmonogramm nur das Kreuz über dem mittleren Buchstaben. Der Artikel über das IHS beschreibt die Form mit Kreuz, Nägeln und Strahlen, ohne sie den Jesuiten zuzuschreiben. Bernhardins Tafel zeigte das Monogramm im Strahlenkranz.

Wann ist das Fest des heiligsten Namens Jesu?

Am Sonntag zwischen dem 2. und dem 5. Januar feiert die Kirche nach dem Kalender von 1962 das Fest des heiligsten Namens Jesu. Fällt in diese Tage kein Sonntag, wird es am 2. Januar begangen. Es ist ein Fest zweiter Klasse und erinnert daran, dass das Kind bei der Beschneidung den Namen Jesus erhielt.

Das Evangelium der Festmesse ist Lukas 2, 21: Als nach acht Tagen das Kind beschnitten werden sollte, erhielt es den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, ehe es empfangen wurde. Die Lesung aus der Apostelgeschichte (4, 8 bis 12) schließt mit dem Satz des heiligen Petrus: Nec enim aliud nomen est sub caelo datum hominibus, in quo oporteat nos salvos fieri, „Denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollen“.

Deus, qui unigenitum Filium tuum constituisti humani generis Salvatorem, et Iesum vocari iussisti: concede propitius; ut, cuius sanctum nomen veneramur in terris, eius quoque aspectu perfruamur in caelis. Per eundem Dominum.

O Gott, du hast deinen eingeborenen Sohn zum Erlöser des Menschengeschlechtes bestellt und ihn Jesus nennen lassen; verleihe gnädig, dass wir, die wir seinen heiligen Namen auf Erden verehren, uns auch seines Anblicks im Himmel erfreuen dürfen. Durch denselben Herrn.

Tagesgebet am Fest des heiligsten Namens Jesu, Missale Romanum 1962; deutsche Übertragung von uns

Wer den heiligsten Namen Jesu andächtig anruft, gewinnt nach der Sammlung Preces et pia opera von 1952 (Nr. 113) einen Ablass von 300 Tagen. Wer die Anrufung einen Monat lang täglich spricht, gewinnt unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass: Beichte, Kommunion, Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums und Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters. Gleich danach steht dort die Litanei vom heiligsten Namen Jesu (Nr. 114).

Aus der Werkstatt

Das IHS sitzt bei uns auf der Rückseite des silbernen Mittelstücks am Antlitz-Christi-Rosenkranz. Es steht im Strahlenkranz, umrahmt von den Worten Mane nobiscum Domine, „Bleib bei uns, Herr“, und der Abkürzung A.M.D.G. Auf der Vorderseite des Mittelstücks ist das Antlitz Christi zu sehen.

Geknüpft wird der Rosenkranz an schwarzer Kordel, mit grau marmorierten Jaspisperlen von 8 mm und blauen Glasschliffperlen für das Vater unser.

Rosenkranz mit grau marmorierten Jaspisperlen, blauen Glasperlen und silbernem Mittelstück mit dem Antlitz Christi Im Artikel erwähnt Antlitz Christi Rosenkranz Jaspisperlen an schwarzer Kordel, Mittelstück mit dem Antlitz Christi und dem IHS auf der Rückseite. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zur Bedeutung von IHS

Was bedeuten das Kreuz und die drei Nägel beim IHS?

Kreuz und drei Nägel beim IHS verweisen auf die Kreuzigung des Herrn: das Kreuz steht über dem H, die Nägel darunter. Die Catholic Encyclopedia von 1910 beschreibt diese Form und schreibt sie im Artikel über den Namen Jesu den Jesuiten zu. Bei vielen Darstellungen fehlen sie.

Ist IHS dasselbe wie INRI?

IHS und INRI sind verschiedene Inschriften. IHS kürzt den Namen Jesus ab. INRI steht für Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, die Kreuzesinschrift, die Pilatus nach Johannes 19, 19 über dem Kreuz anbringen ließ. Sie steht deshalb über dem Korpus vieler Kruzifixe. Wand- und Stehkreuze finden Sie in unserer Kollektion der Kreuze.

Was bedeutet A.M.D.G. neben dem IHS?

A.M.D.G. bedeutet Ad maiorem Dei gloriam, „zur größeren Ehre Gottes“. Es ist der Wahlspruch der Gesellschaft Jesu und steht deshalb oft neben dem IHS, dem Zeichen des Ordens.

Wo bringt man das IHS im Haus an?

Über der Haustür hat das IHS eine alte Geschichte: Der heilige Bernhardin von Siena und der heilige Johannes Capistran empfahlen, das Monogramm über die Tore der Städte und die Türen der Häuser zu setzen, als Bekenntnis zum Namen des Herrn. Am Rosenkranz begleitet es das Gebet, das Sie mit unserem Gebetsbegleiter zum Rosenkranz Schritt für Schritt beten können.

Quellen
  1. Maere, René: IHS. The Catholic Encyclopedia, Band 7, New York 1910. newadvent.org
  2. Holweck, Frederick: Holy Name of Jesus. The Catholic Encyclopedia, Band 7, New York 1910. newadvent.org
  3. Robinson, Paschal: Saint Bernardine of Siena. The Catholic Encyclopedia, Band 2, New York 1907. newadvent.org
  4. Pollen, John Hungerford: The Society of Jesus. The Catholic Encyclopedia, Band 14, New York 1912. newadvent.org
  5. Hassett, Maurice: Monogram of Christ. The Catholic Encyclopedia, Band 10, New York 1911. newadvent.org
  6. Missale Romanum 1962: Ssmi Nominis Iesu (Rubriken Nr. 17 und Proprium), S. Bernardini Senensis (20. Mai), S. Ignatii (31. Juli). Deutsche Übertragungen von uns.
  7. Die heilige Schrift, übersetzt von Joseph Franz von Allioli, Band 6, 4. Auflage, Landshut 1859: Philipper 2, 10. archive.org
  8. Biblia Sacra Vulgatae editionis: Johannes 19, 19. drbo.org
  9. Preces et pia opera in favorem omnium christifidelium vel quorumdam coetuum personarum indulgentiis ditata et opportune recognita, Editio altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1952, Nr. 113 und 114.

Zuletzt geprüft am 26. Oktober 2026.

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