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Die Tempelritter: Geschichte des Templerordens von Jerusalem bis Vienne

Neun Ritter in Jerusalem, ein Orden mit Burgen in ganz Europa und ein Ende auf dem Scheiterhaufen: die Geschichte der Templer nach den Quellen, von der Gründung bis zur Aufhebung 1312.

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In einem Seitenflügel des Königspalastes von Jerusalem, gleich neben dem Tempel des Herrn, wohnten bald nach 1118 neun Ritter ohne eigenes Haus und ohne eigene Kirche. Aus dieser kleinen Gemeinschaft wurden die Tempelritter, der erste geistliche Ritterorden der Kirche. Knapp zweihundert Jahre später besaß der Templerorden Burgen im Heiligen Land und Ordenshäuser in ganz Europa, und dann war er plötzlich verschwunden. Dieser Ratgeber erzählt die Geschichte der Templer nach den Quellen: Gründung, Regel, das Lob des heiligen Bernhard, der Prozess, das Ende des letzten Großmeisters und das, was an den Legenden nicht stimmt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Tempelritter waren ein geistlicher Ritterorden: Männer, die wie Mönche Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobten und zugleich als Ritter die Pilgerwege im Heiligen Land sicherten.
  • Hugo von Payns gründete die Gemeinschaft 1118, nach heutiger Forschung meist 1119 oder 1120, in Jerusalem. Auf dem Konzil von Troyes (1128, nach heutiger Zählung meist 1129) erhielt sie Regel und weißen Mantel.
  • Der heilige Bernhard von Clairvaux schrieb für sie die Lobschrift De laude novae militiae, „Vom Lob der neuen Ritterschaft“.
  • Papst Clemens V. hob den Orden am 22. März 1312 auf, ausdrücklich nicht durch ein Urteil. Der letzte Großmeister Jacques de Molay starb am 18. März 1314 auf dem Scheiterhaufen.

Wer waren die Tempelritter?

Die Tempelritter waren Mitglieder des Templerordens, des ersten geistlichen Ritterordens der Kirche. Sie lebten nach einer klösterlichen Regel mit den Gelübden der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams und verteidigten als Ritter die Pilger und das Königreich Jerusalem.

Ihr voller Name lautete Pauperes commilitones Christi Templique Salomonici, die armen Mitstreiter Christi und des Tempels Salomons. Die Catholic Encyclopedia von 1912 nennt sie die frühesten Gründer der Ritterorden und das Vorbild, nach dem sich alle späteren Ritterorden formten. Der Orden kannte vier Stände: die Ritter als schwere Reiterei, die Sergeanten als leichte Reiterei, dazu Brüder für die Verwaltung der Güter und die Kapläne, die als Einzige Priester waren. Die Zeichen der Kreuzfahrer tragen heute die Rosenkränze unserer Deus-Vult-Serie: Jerusalemer Kreuz, Schildperlen und den Psalmvers Non nobis, Domine.

Wann und wo wurde der Templerorden gegründet?

Der Templerorden wurde in Jerusalem gegründet, kurz nach dem Ersten Kreuzzug. Wilhelm von Tyrus ordnet die Gründung dem Jahr 1118 zu, die heutige Forschung nennt meist 1119 oder 1120. Gründer war der Ritter Hugo von Payns aus der Champagne mit Gottfried von Saint-Omer.

Wilhelm, Erzbischof von Tyrus, schrieb um 1170 die Geschichte des Königreichs Jerusalem. Nach seinem Bericht legten die ersten Ritter ihr Gelübde in die Hände des Patriarchen von Jerusalem ab. Weil sie weder Kirche noch festes Haus hatten, überließ ihnen König Balduin II. einen Teil seines Palastes, der südlich am Tempel des Herrn lag.

Davon kommt der Name: Man nannte sie fratres militiae Templi, die Brüder der Ritterschaft vom Tempel. Ihre erste Aufgabe gaben ihnen der Patriarch und die übrigen Bischöfe zur Vergebung der Sünden: die Wege und Straßen gegen Räuber zu sichern, vor allem zum Heil der Pilger. Neun Jahre lang trugen sie weltliche Kleider, die ihnen das Volk schenkte, und neun Jahre lang blieben sie nur neun Mann.

Welche Regel hatten die Templer?

Die Templer erhielten ihre Regel auf dem Konzil von Troyes, das die Catholic Encyclopedia auf 1128 datiert. Die Regel folgte der Lebensweise der Zisterzienser und band die Ritter an Chorgebet, gemeinsamen Tisch und gemeinsamen Schlafsaal. Dazu kam der weiße Mantel, auf dem bald das rote Kreuz stand.

Nach Wilhelm von Tyrus waren in Troyes die Erzbischöfe von Reims und Sens, der Bischof von Albano als päpstlicher Legat und die Äbte von Cîteaux, Clairvaux und Pontigny versammelt, im Auftrag von Papst Honorius II. und dem Patriarchen Stephan von Jerusalem. Der heilige Bernhard von Clairvaux war nach der Catholic Encyclopedia die treibende Kraft. Den lateinischen Text schrieb nach eigener Angabe ein Johannes Michaelensis „auf Geheiß des Konzils und des ehrwürdigen Abtes von Clairvaux“ nieder.

Nach der Einleitung der lateinischen Werkausgabe Bernhards zählte die Regel 72 Kapitel und übernahm vieles wörtlich aus der Regel des heiligen Benedikt. Wann das rote Kreuz dazukam, sagen die Quellen verschieden: Die Catholic Encyclopedia nennt es schon für Troyes, Wilhelm von Tyrus schreibt, man sage, es sei unter Papst Eugen III. aufgenäht worden.

Was schrieb Bernhard von Clairvaux über die Tempelritter?

Bernhard von Clairvaux schrieb für die Tempelritter das Büchlein De laude novae militiae, „Vom Lob der neuen Ritterschaft“, gewidmet dem Meister Hugo von Payns. Darin stellt er die Templer als neue Art von Rittern vor, die zugleich gegen sichtbare Feinde und gegen die Mächte des Bösen kämpfen.

Wann die Schrift entstand, ist nicht sicher. Die Einleitung der lateinischen Werkausgabe setzt sie zwischen etwa 1132 und 1136, also nach Troyes und bevor Robert Burgundio um 1136 auf Hugo als Meister folgte. Bernhard beginnt mit dem Satz Novum militiae genus ortum nuper auditur in terris: Man hört, dass unlängst auf Erden eine neue Art von Ritterschaft entstanden ist.

Er tadelt die weltlichen Ritter für ihre Eitelkeit und lobt an den Templern das Gegenteil: Sie rüsten sich „innen mit Glauben, außen mit Eisen, nicht mit Gold“ (intus fide, foris ferro, non auro). Zugleich hält Bernhard fest, auch die Heiden dürfe man nicht töten, wenn sich ihre Angriffe auf die Gläubigen auf andere Weise abwehren ließen.

„Sie erscheinen sanfter als Lämmer und wilder als Löwen, sodass ich beinahe zweifle, ob ich sie eher Mönche oder Ritter nennen soll.“

Bernhard von Clairvaux, De laude novae militiae, Kap. IV, Nr. 8

Wie reich und mächtig waren die Tempelritter?

Die Tempelritter wurden binnen weniger Jahrzehnte reich und mächtig. Die Päpste stellten den Orden unmittelbar unter ihren Schutz und befreiten ihn von Zehnten und bischöflicher Gerichtsbarkeit. Er besaß Burgen im Heiligen Land, Ordenshäuser in ganz Europa und verwahrte in Paris sogar den königlichen Schatz.

Als grundlegendes Privileg gilt die Bulle Omne datum optimum von Papst Innozenz II. aus dem Jahr 1139. Ihr Titel zitiert Jak 1, 17 nach der Vulgata: „Jede beste Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben.“ In Frankreich zählte der Orden nach der Catholic Encyclopedia elf Balleien mit mehr als 42 Kommenden, insgesamt sollen es 9.000 Güter gewesen sein.

Im Osten bauten die Templer Burgen wie Safed (1140) und das Château Pèlerin an der Küste (1217). Wilhelm von Tyrus zählte um 1170 rund 300 Ritter im Konvent, die Brüder ungezählt. Der Preis war hoch: In weniger als zwei Jahrhunderten sollen fast 20.000 Templer im Kampf gefallen sein. Bei der Belagerung von Safed, die die Catholic Encyclopedia auf 1264 datiert, gerieten achtzig Templer in Gefangenschaft und starben, weil sie Christus nicht verleugnen wollten.

Warum wurde der Templerorden aufgelöst?

Der Templerorden wurde aufgelöst, weil König Philipp IV. von Frankreich ihn der Ketzerei bezichtigte und Papst Clemens V. unter Druck setzte. Am 22. März 1312 hob Clemens den Orden während des Konzils von Vienne auf, ausdrücklich nicht durch ein Urteil, sondern durch apostolische Verfügung.

Im Oktober 1307 ließ Philipp alle Templer in Frankreich am selben Tag verhaften. Unter der Folter gestanden viele, das Kreuz bespuckt und Christus verleugnet zu haben. Clemens V. protestierte, erklärte das königliche Verfahren für nichtig und ließ den Orden in ganz Europa untersuchen. In Portugal, Spanien, Deutschland und auf Zypern wurden die Templer für unschuldig befunden. In Frankreich dagegen wurden am 12. Mai 1310 vierundfünfzig Templer verbrannt, die ihre Geständnisse widerrufen hatten.

Auf dem Konzil von Vienne sprach sich im Herbst 1311 die Mehrheit für den Fortbestand des Ordens aus. Der Papst wählte einen Mittelweg: Die Bulle Vox in excelso hebt den Orden non per modum diffinitivae sententiae sed per modum provisionis seu ordinationis apostolicae auf, „nicht in der Weise eines endgültigen Urteils, sondern auf dem Weg apostolischer Vorsorge oder Anordnung“. Mit der Bulle Ad providam vom 2. Mai 1312 gingen die Güter an den Johanniterorden.

Wie starb Jacques de Molay, der letzte Großmeister?

Jacques de Molay, der letzte Großmeister der Tempelritter, starb am 18. März 1314 in Paris auf dem Scheiterhaufen. Bei der öffentlichen Verlesung seines Urteils widerrief er sein Geständnis und erklärte den Orden für unschuldig. Noch am selben Tag ließ ihn König Philipp verbrennen.

Clemens V. hatte sich das Urteil über den Großmeister und drei weitere Würdenträger vorbehalten. Vor Notre-Dame sollten sie ihre Schuld feierlich bekennen und mit der Kirche versöhnt werden. Molay und Geoffroy de Charnay, der Präzeptor der Normandie, nahmen ihre früheren Aussagen zurück. Als rückfällige Ketzer wurden beide noch am 18. März 1314 vor dem Königspalast verbrannt. Ihr Tod beeindruckte das Volk tief. Weil Papst Clemens V. am 20. April und König Philipp IV. am 29. November desselben Jahres starben, entstand die Legende, Molay habe beide aus den Flammen vor das Gericht Gottes geladen. Die Catholic Encyclopedia nennt sie ausdrücklich eine Legende.

Gab es einen Schatz der Tempelritter?

Einen verborgenen Schatz der Tempelritter belegen die Quellen nicht. Der Reichtum des Ordens bestand aus Landgütern, Burgen und Geldeinlagen in den Ordenshäusern von Paris und London. Mit der Bulle Ad providam gingen die Güter 1312 an den Johanniterorden, in Portugal und Aragon später an zwei neue Ritterorden.

Den Anfang der Legenden machten die geheimen Aufnahmefeiern: Weil die Kapitel hinter verschlossenen Türen stattfanden, konnten die Gegner des Ordens alles Mögliche hineinlesen. Die Catholic Encyclopedia hält fest, dass dem Orden als Ganzem weder eine Irrlehre noch eine geheime zweite Regel nachgewiesen wurde.

Romane und Computerspiele erzählen trotzdem gern von verborgenem Gold, vom Heiligen Gral und von geheimem Wissen. In der Spielreihe Assassin’s Creed, seit 2007 erschienen, sind die Templer eine bis in die Gegenwart reichende Geheimorganisation. Das ist Erfindung. Die Johanniter, die den größten Teil erbten, kennt man später als Malteserorden.

Mittelstück mit der Aufschrift Deus Vult, Vaterunser-Perlen in Schildform mit Jerusalemer Kreuz und Kruzifix an olivgrüner Paracord-Kordel
Mittelstück, Schildperlen mit dem Jerusalemer Kreuz und Kreuz unseres Deus-Vult-Militia-Rosenkranzes, eigener Entwurf der Werkstatt.
Aus der Werkstatt

Unsere Deus-Vult-Rosenkränze tragen Zeichen aus der Welt der Kreuzfahrer und Ritterorden. Mittelstück, Kreuz und Vaterunser-Perlen haben wir selbst entworfen und eigens fertigen lassen: Die Vaterunser-Perlen haben die Form eines Schildes mit dem Jerusalemer Kreuz, das Mittelstück trägt vorn „Deus Vult“ und hinten das Jerusalemer Kreuz.

Auf der Rückseite des 8 cm großen Metallkreuzes steht der Psalmvers Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam: „Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre“ (Ps 113, 9 nach der Vulgata). Geknüpft wird aus 4 mm starkem 550er Paracord, die Ave-Perlen messen 10 mm, der ganze Rosenkranz mit Kreuz etwa 54 cm.

Deus-Vult-Templer-Rosenkranz aus rotem Paracord mit Edelstahlperlen, Schildperlen und Metallkreuz Im Artikel erwähnt DEUS VULT Templer-Rosenkranz Handgeknüpft aus rotem 550er Paracord, mit Edelstahlperlen, Jerusalemer Kreuz und dem Templerspruch auf dem Kreuz. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zu den Tempelrittern

Gibt es heute noch Tempelritter?

Tempelritter im Sinn des mittelalterlichen Ordens gibt es seit 1312 nicht mehr. Clemens V. verbot in Vox in excelso unter der Strafe der Exkommunikation, dem Orden beizutreten, sein Gewand zu tragen oder sich als Templer auszugeben. Vereinigungen, die sich heute so nennen, setzen den aufgehobenen Orden nicht fort.

Warum trugen die Templer ein rotes Kreuz?

Das rote Kreuz der Templer kam nach Wilhelm von Tyrus unter Papst Eugen III. auf den weißen Mantel, „damit sie unter den anderen besser zu erkennen seien“. Ritter und dienende Brüder nähten es aus rotem Tuch auf. Verwandte Zeichen der Kreuzfahrer finden Sie bei unseren Patches mit dem Jerusalemer Kreuz.

Waren die Tempelritter Mönche?

Die Tempelritter waren Ordensleute mit den drei Gelübden, aber keine Priester. Geweiht waren nur die Kapläne des Ordens. Bernhard von Clairvaux nannte sie beides zugleich, Mönche und Ritter, weil ihnen weder die Sanftmut des Mönchs noch die Tapferkeit des Ritters fehle.

Was ist der Unterschied zwischen Tempelrittern und Kreuzrittern?

Kreuzritter war jeder Ritter, der das Kreuz nahm und auf einen Kreuzzug zog, oft für eine begrenzte Zeit. Tempelritter banden sich dagegen mit lebenslangen Ordensgelübden an eine Gemeinschaft. Für Kinder ab etwa sieben Jahren erzählt unser Buch Gottfried von Bouillon von Gottfried, der als junger Herzog nach Jerusalem zieht.

Quellen
  1. Wilhelm von Tyrus: Historia rerum in partibus transmarinis gestarum, Buch XII, Kap. 7 (Patrologia Latina 201). thelatinlibrary.com; englisch bei Fordham Medieval Sourcebook
  2. Bernhard von Clairvaux: Liber ad milites Templi de laude novae militiae, mit der lateinischen Einleitung (Admonitio) der Werkausgabe. thelatinlibrary.com
  3. Clemens V.: Bullen Vox in excelso (22. März 1312) und Ad providam (2. Mai 1312), Konzil von Vienne. ldysinger.com
  4. Catholic Encyclopedia, Bd. 14 (1912): The Knights Templars. newadvent.org
  5. Catholic Encyclopedia, Bd. 4 (1908): Pope Clement V; Bd. 15 (1912): Council of Vienne. newadvent.org
  6. Biblia Sacra Vulgata: Ps 113, 9; Jak 1, 17. drbo.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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