Vater unser: der katholische Wortlaut, die Bibelstelle und die sieben Bitten
Der katholische Wortlaut des Vater unser auf Deutsch und Latein, die beiden Bibelstellen bei Matthäus und Lukas und was jede der sieben Bitten nach dem Römischen Katechismus bedeutet.
Das Vater unser ist das Gebet, das unser Herr Jesus Christus selbst gelehrt hat. Der Priester betet es in jeder heiligen Messe nach dem Kanon, bei der Taufe spricht er es mit den Paten, und am Rosenkranz gehört ihm jede große Perle. Dieser Ratgeber gibt Ihnen den katholischen Wortlaut auf Deutsch und Latein, zeigt die beiden Bibelstellen bei Matthäus und Lukas nach der Übersetzung von Joseph Franz Allioli und erklärt die sieben Bitten so, wie der Römische Katechismus sie auslegt.
- Das Vater unser ist das Gebet, das unser Herr seine Jünger gelehrt hat. Deshalb heißt es auch Gebet des Herrn, lateinisch oratio dominica.
- Die Bibel überliefert es zweimal: in der Bergpredigt bei Matthäus (6, 9 bis 13) und bei Lukas (11, 2 bis 4). Die Kirche betet die Fassung nach Matthäus mit sieben Bitten.
- Der katholische Wortlaut schließt mit „sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.“ So steht es in der Vulgata bei Matthäus, dem lateinischen Bibeltext der Kirche.
- Nach dem heiligen Augustinus gehen die drei ersten Bitten auf die Ehre Gottes, die vier letzten auf das eigene Heil und das des Nächsten.
Wie lautet das Vater unser katholisch?
Im katholischen Wortlaut beginnt das Vater unser mit „Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name“ und schließt mit „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.“ Es umfasst sieben Bitten, wie sie das Matthäusevangelium überliefert.
Pater noster, qui es in caelis, sanctificetur nomen tuum: adveniat regnum tuum: fiat voluntas tua, sicut in caelo et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie: et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris: et ne nos inducas in tentationem: sed libera nos a malo. Amen.
Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Zu uns komme Dein Reich. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.
Latein nach dem Breviarium Romanum. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.
Der deutsche Text ist derselbe wie in unserer Anleitung zum Rosenkranz mit allen Gebeten. Er folgt dem Latein Satz für Satz: debita nostra ist „unsere Schuld“, a malo „von dem Übel“. Die katholische Bibelübersetzung von Allioli, deren vierte Auflage 1839 in Landshut mit Approbation des Apostolischen Stuhles erschien, schreibt an denselben Stellen „Geheiliget werde dein Name“, „Zukomme uns dein Reich“ und „Gib uns heute unser tägliches Brod“. Der Sinn ist derselbe, nur die Sprache ist älter.
Wo steht das Vater unser in der Bibel?
In der Bibel steht das Vater unser zweimal: bei Matthäus im sechsten Kapitel, Vers 9 bis 13, mitten in der Bergpredigt, und bei Lukas im elften Kapitel, Vers 2 bis 4, nachdem ein Jünger gebeten hatte: „Herr, lehre uns beten.“ Lukas überliefert eine kürzere Fassung mit fünf Bitten.
| Stelle | Vulgata | Allioli, 1839 |
|---|---|---|
| Mt 6, 9 | Sic ergo vos orabitis: Pater noster, qui es in caelis, sanctificetur nomen tuum. | Ihr sollt daher also beten: Vater unser, der du bist im Himmel! Geheiliget werde dein Name! |
| Mt 6, 10 | Adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in caelo et in terra. | Zukomme uns dein Reich! Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden! |
| Mt 6, 11 | Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie, | Gib uns heute unser tägliches Brod. |
| Mt 6, 12 | et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris. | Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. |
| Mt 6, 13 | Et ne nos inducas in tentationem, sed libera nos a malo. Amen. | Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Uebel. Amen. |
| Lk 11, 2 | Cum oratis, dicite: Pater, sanctificetur nomen tuum. Adveniat regnum tuum. | Wenn ihr betet, so sprechet: Vater, geheiliget werde dein Name! Zukomme uns dein Reich! |
| Lk 11, 3 | Panem nostrum quotidianum da nobis hodie. | Gib uns heute unser tägliches Brod! |
| Lk 11, 4 | Et dimitte nobis peccata nostra, siquidem et ipsi dimittimus omni debenti nobis. Et ne nos inducas in tentationem. | Und vergib uns unsere Sünden, wie auch wir vergeben allen unsern Schuldigern! Und führe uns nicht in Versuchung! |
Ein Wort fällt im Latein auf. Wo die Kirche „tägliches Brot“ betet, steht in der Vulgata bei Matthäus supersubstantialem, bei Lukas quotidianum. Nach der Catholic Encyclopedia von 1910 hat der heilige Hieronymus bei Matthäus das ältere quotidianum durch supersubstantialem ersetzt und bei Lukas stehen lassen. Allioli übersetzt beide Male „tägliches Brod“ und gibt in der Anmerkung als wörtliche Übersetzung „unser zur Wesenheit (Nothdurft) gehöriges Brod“ an.
Warum hat das Vater unser sieben Bitten?
Sieben Bitten hat das Vater unser: nach dem heiligen Augustinus drei für die Ehre Gottes und vier für das eigene Heil und das des Nächsten. Wer recht betet, kann nach Augustinus nichts erbitten, was nicht in diesem Gebet steht. Die Reihenfolge zeigt, was zuerst zu erbitten ist.
Allioli nennt das Vater unser in seiner Anmerkung zu Mt 6, 9 „ein Muster eines Gebethes, das ohne viele Worte die rechte Gesinnung enthält“. Der heilige Thomas von Aquin geht einen Schritt weiter. Für ihn ist das Gebet des Herrn das vollkommenste Gebet, weil es nicht nur um das Rechte bittet, sondern auch in der rechten Ordnung.
„Im Gebet des Herrn wird nicht nur um alles gebeten, was wir recht begehren können, sondern auch in der Ordnung, in der es zu begehren ist. So lehrt dieses Gebet nicht nur das Bitten, sondern formt auch unser ganzes Verlangen.“
Thomas von Aquin: Summa theologiae II-II, q. 83, a. 9. Aus dem Lateinischen übersetzt.
Der Römische Katechismus, auf Befehl des heiligen Papstes Pius V. nach dem Konzil von Trient herausgegeben, begründet die Reihenfolge ebenso: Zuerst kommt Gottes Ehre, die allem Geschaffenen vorzuziehen ist. Die vierte und die folgenden Bitten um das, was Leib und Seele brauchen, sind den ersten untergeordnet, so wie die Güter des irdischen Lebens auf die göttlichen hingeordnet sind. Nach demselben Katechismus gehört der Zusatz „wie im Himmel, also auch auf Erden“ nicht nur zur dritten Bitte, sondern zu allen drei ersten.
Was bedeuten die sieben Bitten des Vater unser?
Die sieben Bitten des Vater unser erflehen die Heiligung des Namens Gottes, das Kommen seines Reiches, die Erfüllung seines Willens, das tägliche Brot, die Vergebung unserer Schuld, die Bewahrung in der Versuchung und die Erlösung von dem Übel. Vorangestellt ist die Anrede an den Vater im Himmel.
| Bitte | Sinn nach Allioli (1839) und dem Römischen Katechismus |
|---|---|
| Anrede: Vater unser, der Du bist im Himmel | „flößt dem Betenden das wahre kindliche Vertrauen ein, da es ihn Gott, seinen gütigen Vater erkennen lehrt“ (Allioli, Anm. 11). |
| 1. Geheiligt werde Dein Name | „Mache, Herr, daß alle Menschen dich als den Heiligen erkennen, ehren und lieben!“ Der Name steht für Gott selbst (Anm. 12). |
| 2. Zu uns komme Dein Reich | Die Kirche soll sich über die Erde ausbreiten und die Gnade in allen Gemütern herrschen (Anm. 13). Der Katechismus unterscheidet das Reich der Gnade in den Gläubigen und das Reich der Herrlichkeit. |
| 3. Dein Wille geschehe | Gottes Wille soll von den Menschen „so aufrichtig, rein und hurtig“ getan werden „wie von den heiligen Engeln im Himmel“ (Anm. 14). |
| 4. Unser tägliches Brot gib uns heute | Alles, was Seele und Leib nötig haben: „das göttliche Wort, der Leib des Herrn, die tägliche, nothdürftige Nahrung“ (Anm. 15). |
| 5. Und vergib uns unsere Schuld | „Denn nur das vergebende Gemüth ist der göttlichen Sündenvergebung fähig“ (Anm. 18 zu Mt 6, 14). |
| 6. Und führe uns nicht in Versuchung | Gott möge uns nicht in Umstände kommen lassen, „die uns bei unserer Gebrechlichkeit zur Sünde verleiten könnten“ (Anm. 16). |
| 7. Sondern erlöse uns von dem Übel | Von der Sünde, „welche der Ursprung aller übrigen Uebel ist“ (Anm. 17), und nach dem Katechismus vom bösen Feind. |
Zur vierten Bitte bemerkt der Römische Katechismus zwei Dinge. Wir sagen „gib uns“ und nicht „gib mir“, weil die christliche Liebe nicht nur für sich selbst sorgt, sondern auch für den Nächsten. Und mit dem Brot ist auch das heiligste Altarsakrament gemeint. Täglich heißt es, weil es im heiligen Messopfer täglich dargebracht wird und weil man so leben soll, dass man es täglich würdig empfangen könnte. Der Katechismus führt dazu den heiligen Ambrosius an: „Wenn es tägliches Brot ist, warum empfängst du es nur jährlich?“
Führt Gott uns in Versuchung?
Gott führt niemanden in Versuchung, um ihn zur Sünde zu bringen. Mit der sechsten Bitte des Vater unser bittet der Beter, dass Gott ihn der Versuchung nicht unterliegen lässt und ihm mit seiner Gnade beisteht, wenn er versucht wird.
Der Apostel Jakobus schreibt in der Vulgata: Deus enim intentator malorum est: ipse autem neminem tentat, Gott versucht nicht zum Bösen, er selbst versucht niemanden (Jak 1, 13). Der Römische Katechismus erklärt das Wort „führen“ deshalb genau. In der deutschen Ausgabe von 1853 heißt es: „Man sagt von uns, wir werden in Versuchung geführt, wenn wir den Versuchungen unterliegen.“ Zum Bösen anzureizen, sei „das eigentliche Geschäft des Teufels“.
Gott lässt nach dem Katechismus zu, dass auch die Guten und Frommen versucht werden. Er unterstützt sie aber mit seiner Gnade und verlässt sie nicht. Die sechste Bitte ist also kein Vorwurf an Gott, sondern ein Bekenntnis der eigenen Schwäche. Allioli fasst sie so: Gott möge uns nicht in Umstände, Verhältnisse und Gelegenheiten kommen lassen, die uns bei unserer Gebrechlichkeit zur Sünde verleiten könnten.
Was bedeutet „erlöse uns von dem Übel“?
Mit „erlöse uns von dem Übel“, der siebten und letzten Bitte des Vater unser, bittet der Beter um Befreiung von der Sünde, die nach Allioli der Ursprung aller übrigen Übel ist, und vom Teufel, den der Römische Katechismus an dieser Stelle ausdrücklich den Bösen nennt.
Der Katechismus nennt mehrere Gründe, warum der Teufel hier „der Böse“ heißt. Unter anderem hat er den Menschen zur Sünde verführt, und er führt unaufhörlich Krieg gegen uns, obwohl wir ihm nichts getan haben. Auffällig ist die Einzahl. Wir sagen „von dem Übel“ und nicht „von den Übeln“, weil wir das Unrecht, das uns andere antun, dem Satan als seinem Anstifter zuschreiben. Daraus folgt eine praktische Regel: Wer von einem Nächsten gekränkt wurde, soll nicht nur um Befreiung von diesem Unrecht beten, sondern auch darum, dass Gott den Nächsten selbst aus der Hand des Teufels befreie.
Werden wir nicht sogleich erhört, so mahnt der Katechismus zur Geduld: Es gefällt Gott, dass wir Bedrängnisse in Geduld tragen.
Wann betet die Kirche das Vater unser?
Die Kirche betet das Vater unser in jeder heiligen Messe, im Brevier, bei der Taufe und im Rosenkranz. In der stillen Messe spricht es der Priester nach dem Kanon mit ausgebreiteten Händen, die letzte Bitte, „Sed libera nos a malo“, spricht der Ministrant als Antwort, und der Priester schließt leise mit „Amen“.
So schreibt es der Ritus servandus im Messbuch von 1962 vor. Eingeleitet wird das Gebet mit den Worten Praeceptis salutaribus moniti, et divina institutione formati, audemus dicere: „Durch heilsame Gebote ermahnt und durch göttliche Unterweisung angeleitet, wagen wir zu sprechen.“ Wortgleich stehen sie im Messbuch von 1962 auch in der Liturgie des Karfreitags, an dem alle Anwesenden das Vater unser mit dem Priester lateinisch beten (Nr. 959 f.).
Seinen Platz unmittelbar nach dem Kanon hat ihm nach der Catholic Encyclopedia der heilige Papst Gregor der Große gegeben. Dass gerade der Priester das „Amen“ spricht, erklärt der Römische Katechismus so: Als Mittelsperson zwischen Gott und den Menschen antwortet er, dass Gott die Bitten seines Volkes erhört hat.
Bei der Taufe eines Kindes betet der Priester nach dem Rituale Romanum, wenn alle die Kirche betreten haben und zum Taufbrunnen gehen, das Glaubensbekenntnis und das Vater unser laut gemeinsam mit den Paten. Im Rosenkranz liegt das Vater unser auf jeder großen Perle, wie unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz Schritt für Schritt zeigt.
An manchen unserer Rosenkränze unterscheiden sich die Vaterunser-Perlen in Größe oder Material von den Ave-Perlen. Am Rosenkranz mit Lavasteinperlen sind die Ave-Perlen echte Lavasteinperlen von 8 mm, die Vaterunser-Perlen matte Obsidianperlen von 10 mm. Am Rosenkranz mit schwarzen Steinperlen sind es 8 mm für das Ave und blaue Glasschliffperlen von 12 mm für das Vater unser.
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Im Artikel erwähnt
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Zum Rosenkranz
Häufige Fragen zum Vater unser
Warum heißt das Vater unser „Gebet des Herrn“?
Gebet des Herrn heißt das Vater unser, weil unser Herr Jesus Christus es seine Jünger gelehrt hat. Nach der Catholic Encyclopedia von 1910 heißt es nicht deshalb so, weil er es selbst gebetet hätte. Die Bitte um Vergebung der Sünden hätte bei ihm eine Schuld vorausgesetzt, die er nicht hatte.
Sind Pater noster und Vater unser dasselbe Gebet?
Pater noster und Vater unser sind dasselbe Gebet. Pater noster sind seine ersten beiden Worte auf Latein. Nach der Catholic Encyclopedia beteten es im Mittelalter auch die Ungebildeten lateinisch, und so wurde Pater noster sein gebräuchlicher Name. Den lateinischen Wortlaut finden Sie oben neben dem deutschen.
Wie oft betet man das Vater unser im Rosenkranz?
Im Rosenkranz mit fünf Gesätzen, also fünf Abschnitten aus je einem Vater unser, zehn Ave Maria und einem Ehre sei dem Vater, betet man das Vater unser sechsmal: einmal auf der ersten einzelnen Perle nach dem Kreuz und einmal zu Beginn jedes Gesätzes.
Was bedeutet das „Amen“ am Ende?
„Amen“ heißt nach Allioli „Es geschehe!“. Der Römische Katechismus versteht es im Vater unser als Antwort, dass Gott die Bitten erhört hat. Darum spricht es in der heiligen Messe der Priester und nicht der Ministrant.
- Biblia Sacra Vulgatae Editionis (Clementina), Mt 6, 9 bis 13; Lk 11, 1 bis 4; Jak 1, 13. drbo.org (Mt 6), drbo.org (Lk 11)
- Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, Bd. 5, 4. Auflage, Landshut 1839, Mt 6, 9 bis 14 mit Anm. 10 bis 18 (S. 34 f.) und Lk 11, 1 bis 4. archive.org
- Römischer Katechismus nach dem Beschlusse des Conciliums von Trient, deutsch, Passau 1853, IV. Teil, Vom Gebet. archive.org; englisch: Catechism of the Council of Trent, übersetzt von Jeremias Donovan, Teil IV, Kap. 10 bis 17. archive.org
- Thomas von Aquin: Summa theologiae II-II, q. 83, a. 9. corpusthomisticum.org
- Missale Romanum, Ausgabe 1962: Ritus servandus in celebratione Missae, Kap. X, De oratione dominica. archive.org
- Breviarium Romanum, lateinischer Text des Pater noster nach der Textausgabe Divinum Officium. github.com
- Rituale Romanum, Regensburg 1937, Tit. II, Kap. 2, Ordo Baptismi parvulorum, Nr. 11. librinostri.catholica.cz
- The Lord's Prayer. The Catholic Encyclopedia, Bd. 9, New York 1910. newadvent.org
Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.
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