Gebet

Tischgebet: katholische Gebete vor und nach dem Essen, lateinisch und deutsch

Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben: wie das katholische Tischgebet lateinisch und deutsch lautet, woher es stammt und wie eine Familie es vor und nach dem Essen betet.

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Der Tisch ist gedeckt, die Suppe dampft, und bevor jemand zum Löffel greift, macht der Vater das Kreuzzeichen. So beginnt in katholischen Häusern seit Jahrhunderten das Tischgebet. Viele kennen noch den Anfang „Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben“, wissen aber nicht mehr, wie es weitergeht und was man nach dem Essen betet. Dieser Ratgeber gibt Ihnen beide Gebete im Wortlaut, lateinisch und deutsch, zeigt ihre Herkunft aus dem Römischen Brevier und erklärt, wie eine Familie sie an Werktagen und an Weihnachten betet.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Tischgebet ist ein kurzes Gebet vor und nach der Mahlzeit, mit dem man Gott um den Segen für die Speise bittet und ihm danach für seine Gaben dankt.
  • Das katholische Tischgebet vor dem Essen lautet lateinisch Benedic, Domine, nos et haec tua dona, auf Deutsch „Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben“.
  • Nach dem Essen betet man Agimus tibi gratias: „Wir danken Dir, allmächtiger Gott, für alle Deine Wohlthaten“.
  • Beide Gebete stehen in der Benedictio mensae des Römischen Breviers, die vor und nach dem Essen mit Versen aus Psalm 144 beginnt. Der Brauch beruft sich auf das Wort des Apostels: „Darum möget ihr essen oder trinken, oder etwas Anderes thun; so thut Alles zur Ehre Gottes“ (1 Kor 10, 31).

Was ist ein Tischgebet?

Ein Tischgebet ist ein kurzes Gebet vor und nach dem Essen. Vor der Mahlzeit bitten die Gläubigen Gott um seinen Segen für sich und die Speisen, nach der Mahlzeit danken sie ihm für alle Wohltaten. Die Kirche kennt es seit ihren Anfängen.

Die Heilige Schrift begründet den Brauch. Psalm 144 sagt, worauf jede Mahlzeit beruht: „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen Speise zu rechter Zeit. Du thust auf deine Hand, und sättigst alles Lebendige mit Segen“ (Ps 144, 15 f. nach Allioli). Der heilige Paulus schreibt, dass alles, was Gott geschaffen hat, gut ist und nichts verwerflich, was mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt per verbum Dei, et orationem, „durch das Wort Gottes und das Gebet“ (1 Tim 4, 4 f.).

Schon die ersten Christen hielten es so. Die Catholic Encyclopedia von 1909 nennt Tertullian, der zu Beginn des dritten Jahrhunderts in seiner Verteidigungsschrift berichtet, dass sich die Christen bei ihren gemeinsamen Mahlzeiten, dem Liebesmahl, nicht zu Tisch legten, bevor sie zu Gott gebetet hatten, und dass das Gebet auch das Mahl beschloss.

„Darum möget ihr essen oder trinken, oder etwas Anderes thun; so thut Alles zur Ehre Gottes.“

1 Kor 10, 31, nach Allioli, Bd. 6, Landshut 1859, S. 117

Wie lautet das katholische Tischgebet vor dem Essen?

Vor dem Essen lautet das katholische Tischgebet: „Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben, die wir von Deiner Güte empfangen werden. Durch Christum unsern Herrn.“ Lateinisch heißt es Benedic, Domine, nos et haec tua dona, so wie es im Römischen Brevier steht.

Benedic, Domine, nos et haec tua dona, quae de tua largitate sumus sumpturi. Per Christum Dominum nostrum. Amen.

Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben, die wir von Deiner Güte empfangen werden. Durch Christum unsern Herrn.

Latein: Horae diurnae Breviarii Romani, Benedictio mensae, Regensburg 1898. Deutsch: Mutter-Liebe, Gebetbuch für christliche Mütter, Regensburg 1893, S. 15.

Wörtlich heißt der lateinische Satz: „Segne, Herr, uns und diese Deine Gaben, die wir aus Deiner Freigebigkeit empfangen werden.“ Das alte deutsche Gebetbuch sagt statt „Freigebigkeit“ schlicht „Güte“. Ein Regensburger Gebetbuch von 1875 überliefert eine zweite Fassung: „Segne, o Herr, uns und diese deine Gaben, die wir durch deine Güte zu uns nehmen werden; durch Christus, unsern Herrn. Amen.“ Beide meinen dasselbe. Vor diesem Segensgebet stehen im Brevier das Benedicite, der Psalmvers Oculi omnium mit dem Ehre sei dem Vater, Kyrie eleison, Christe eleison, Kyrie eleison, das Vater unser und der Versikel Et ne nos inducas in tentationem.

Wie lautet das Tischgebet nach dem Essen?

Nach dem Essen betet man das Dankgebet: „Wir danken Dir, allmächtiger Gott, für alle Deine Wohlthaten. Der Du lebst und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“ Lateinisch lautet es Agimus tibi gratias, omnipotens Deus, pro universis beneficiis tuis. Danach gedenkt man der Verstorbenen.

Agimus tibi gratias, omnipotens Deus, pro universis beneficiis tuis: Qui vivis et regnas in saecula saeculorum. Amen.
Fidelium animae per misericordiam Dei requiescant in pace. Amen.

Wir danken Dir, allmächtiger Gott, für alle Deine Wohlthaten. Der Du lebst und regierest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Die Seelen der abgestorbenen Christgläubigen mögen durch Gottes Barmherzigkeit ruhen im Frieden. Amen.

Latein: Preces et pia opera, Rom 1952, Nr. 683, und Horae diurnae Breviarii Romani, Regensburg 1898. Deutsch: Mutter-Liebe, Regensburg 1893, S. 15.

Im Brevier folgt auf den Dank eine Bitte für die Wohltäter: Retribuere dignare, Domine, omnibus nobis bona facientibus propter nomen tuum vitam aeternam. Dasselbe Gebetbuch von 1875 gibt sie so wieder: „Wir bitten dich, o Herr, du wollest allen denen, die uns um deines heiligen Namens willen Gutes thun, zur Belohnung das ewige Leben geben. Amen.“ Die Catholic Encyclopedia erklärt dieses Gedenken der Wohltäter mit der klösterlichen Herkunft des Gebets.

Welche kurzen Tischgebete gibt es?

Kurze Tischgebete bestehen aus dem Kreuzzeichen und einem einzigen Satz. Vor dem Essen genügt „Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben“, nach dem Essen „Wir danken Dir, allmächtiger Gott, für alle Deine Wohlthaten“. Kinder lernen diese zwei Sätze schnell auswendig.

Wer mehr Zeit hat, fügt ein Vater unser und ein Ave Maria hinzu. Die Wortlaute dieser Grundgebete finden Sie in unserer Anleitung zum Rosenkranz mit allen Gebeten. Ein drittes kurzes Gebet ist der Psalmvers, mit dem das Brevier die Mahlzeit eröffnet:

Oculi omnium in te sperant, Domine: et tu das escam illorum in tempore opportuno. Aperis tu manum tuam: et imples omne animal benedictione.

Aller Augen warten, o Herr, auf Dich, und Du giebst ihnen zu rechter Zeit ihre Speise; Du öffnest Deine Hand und erfüllest Alles, was da lebt, mit Segen.

Ps 144, 15 f. Latein: Vulgata und Horae diurnae, Regensburg 1898. Deutsch: Mutter-Liebe, Regensburg 1893, S. 14 f.

Wie betet man das Tischgebet in der Familie?

In der Familie beginnt einer das Tischgebet mit dem Kreuzzeichen, die anderen beten gemeinsam mit. Das katholische Gebetbuch „Mutter-Liebe“ von 1893 ordnet das Gebet vor dem Essen und das Gebet nach dem Essen in je sechs kurze Teile, vom Kreuzzeichen bis zum Ehre sei dem Vater.

So lautet die Ordnung vor dem Essen im Gebetbuch „Mutter-Liebe“:

  1. Kreuzzeichen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heil. Geistes. Amen.“
  2. Psalmvers „Aller Augen warten, o Herr, auf Dich …“
  3. „Herr, erbarme Dich unser. Christe, erbarme Dich unser. Herr, erbarme Dich unser.“
  4. Ein Vater unser und ein Ave Maria.
  5. „Segne, o Herr, uns und diese Deine Gaben …“
  6. Ehre sei dem Vater.

Nach dem Essen folgen Kreuzzeichen, „Wir danken Dir, allmächtiger Gott …“, wieder „Herr, erbarme Dich unser“, „Christe, erbarme Dich unser“, „Herr, erbarme Dich unser“, Vater unser und Ave Maria, das Gebet für die Verstorbenen und das Ehre sei dem Vater. In geistlichen Gemeinschaften beginnt der Priester mit Benedicite, „Segnet“, und die anderen wiederholen es. In der Familie kann reihum auch ein Kind vorbeten. Ein Kreuz an der Wand des Esszimmers gibt dem gemeinsamen Gebet einen festen Blickpunkt.

Gibt es ein besonderes Tischgebet für Weihnachten?

Für Weihnachten kennt das Römische Brevier ein eigenes Tischgebet. Vom Weihnachtstag bis zum Mittagessen des 5. Januar ersetzt der Vers „Das Wort ist Fleisch geworden, alleluja“ den Psalmvers. Nach dem Essen betet man „Der Herr hat kund gethan sein Heil, alleluja“.

Die Rubrik des Breviers lautet: In Nativitate Domini usque ad cenam Vigiliae Epiphaniae exclusive. Vor dem Essen heißt es dann: Verbum caro factum est, alleluja. Et habitavit in nobis, alleluja, nach Johannes 1, 14: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (so im Regensburger Gebetbuch von 1875). Nach dem Essen folgt Notum fecit Dominus, alleluja. Salutare suum, alleluja aus Psalm 97, 2, bei Allioli: „Der Herr hat kund gethan sein Heil“.

Segensgebet und Dankgebet bleiben gleich. Ähnliche Verse hat das Brevier für Ostern und andere hohe Feste. Wer am Heiligen Abend und am ersten Feiertag mit der ganzen Familie am Tisch sitzt, kann diese Verse lateinisch oder deutsch dem gewohnten Gebet voranstellen.

Woher stammt das Tischgebet, und gibt es dafür einen Ablass?

Seinen Ursprung hat das katholische Tischgebet in der Benedictio mensae, der Tischsegnung des Römischen Breviers, die aus dem Klosterleben kommt. Für das Dankgebet Agimus tibi gratias gewährte die Apostolische Pönitentiarie 1934 einen Ablass von dreihundert Tagen.

Die Tischsegnung ist aus Psalmversen gebaut: Oculi omnium stammt aus Psalm 144, die Verse nach dem Essen wie Benedicam Dominum in omni tempore aus Psalm 33. Die Catholic Encyclopedia von 1909 nennt die Herkunft dieser Ordnung klösterlich. Die Ausgabe der Horae diurnae von 1898 enthält die vollständige Ordnung, auch die Bitte des Lektors um den Segen vor der Tischlesung und den Segen des Priesters: Mensae caelestis participes faciat nos Rex aeternae gloriae, in eigener Übersetzung „Des himmlischen Tisches lasse uns teilhaftig werden der König der ewigen Herrlichkeit“. So weist schon das Tischgebet über das tägliche Brot hinaus auf das ewige Gastmahl.

Die amtliche Ablasssammlung Preces et pia opera von 1952 führt das Gebet Agimus tibi gratias unter Nr. 683 bei den Dankgebeten: Indulgentia trecentorum dierum, verliehen von der Apostolischen Pönitentiarie am 14. Dezember 1934.

Wer einen Ablass gewinnen will, muss nach dem Kirchenrecht von 1917 getauft und nicht exkommuniziert sein, wenigstens am Ende des vorgeschriebenen Werkes im Stand der Gnade stehen, wenigstens die allgemeine Absicht haben, ihn zu gewinnen, und das vorgeschriebene Werk zur rechten Zeit und in rechter Weise verrichten (CIC 1917, can. 925).

Ist ein bestimmtes Gebet vorgeschrieben, gilt der Ablass in jeder Sprache, wenn die Übersetzung kirchlich als treu bestätigt ist; durch jeden Zusatz, jede Auslassung oder Einfügung geht er verloren (can. 934 § 2). Wer sicher gehen will, betet das Agimus tibi gratias lateinisch. Die heilige Beichte, die heilige Kommunion, den Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums und ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters verlangt die Kirche als übliche Bedingungen für vollkommene Ablässe (Preces 1952, Vorbemerkung Nr. 4).

Aus der Werkstatt

Das Bild oben zeigt unseren Rosenkranz aus Olivenholzperlen. Die Ave-Perlen sind 8 mm große Olivenholzperlen, die Vaterunser-Perlen bernsteinfarbene Glasschliffperlen von 12 mm, dazwischen sitzen goldfarbene Zwischenperlen. Mittelstück ist die Wundertätige Medaille, der Rosenkranz ist etwa 48 cm lang und auf weißer Kordel von Hand gefertigt.

Olivenholz ist hart und langlebig. Wer nach dem Tischgebet noch ein Gesätz des Rosenkranzes anschließt, hat mit Vater unser und Ave Maria die Gebete schon auf den Lippen. Mittelstück und Kreuz lassen sich beim Bestellen frei wählen.

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Häufige Fragen zum Tischgebet

Muss man als Katholik vor jedem Essen beten?

Ein Katholik soll das Tischgebet nicht ohne Grund auslassen. Der Gewissensspiegel für Kinder im Gebetbuch „Mutter-Liebe“ (Regensburg 1893, S. 482) rechnet es zum ersten Gebot, „daß es seine Morgen-, Abend- und Tischgebete nicht unterlasse und sie immer andächtig verrichte“. Wo lautes Beten nicht passt, etwa unter Fremden, kann man das Kreuzzeichen machen und still beten.

Betet man das Tischgebet im Stehen oder im Sitzen?

Für das Tischgebet in der Familie nennen die hier benutzten Quellen keine Vorschrift über Stehen oder Sitzen. Das Gebetbuch „Mutter-Liebe“ verlangt von Kindern beim Gebet vor allem, dass sie andächtig beten und die Hände falten (S. 482). Mit kleinen Kindern betet man ebenso andächtig im Sitzen mit gefalteten Händen.

Darf man ein Tischgebet auf Latein beten?

Ein Tischgebet auf Latein ist der ursprüngliche Wortlaut der Kirche. Benedic, Domine, nos et haec tua dona ist kurz genug, um es auswendig zu lernen. Wer auch das Vater unser und das Ave Maria lateinisch beten möchte, findet sie im Römischen Brevier; zum Rosenkranz passende Modelle zeigt unsere Kollektion handgefertigter Rosenkränze.

Quellen
  1. Horae diurnae Breviarii Romani, editio septima post typicam, Regensburg: Pustet 1898, Benedictio mensae (Ante prandium, Post prandium, In Nativitate Domini). archive.org
  2. Preces et pia opera indulgentiis ditata, Rom: Typis Polyglottis Vaticanis 1952, Nr. 683. archive.org
  3. Codex Iuris Canonici von 1917, can. 925 und 934. codex-iuris-canonici.de
  4. Mutter-Liebe. Ein Gebet- und Lehrbuch für christliche Mütter, von einem Priester des Kapuziner-Ordens, Regensburg: Pustet 1893, S. 14 f. (Tischgebete) und S. 482. archive.org
  5. Jesus, meine Liebe! Katholisches Gebetbuch von einem katholischen Priester (nach dem Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek Joseph Mohr), Regensburg: Coppenrath 1875, S. 15 f. (Gebete vor und nach dem Essen) und S. 63. archive.org
  6. Biblia Sacra Vulgatae Editionis (Clementina), Ps 144; 1 Kor 10, 31; 1 Tim 4, 4 f. drbo.org
  7. Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, Bd. 3, 4. Auflage, Landshut 1839, Ps 144 (S. 279) und Ps 97, 2 (S. 223), und Bd. 6, 4. Auflage, Landshut 1859, 1 Kor 10, 31 (S. 117). archive.org (Bd. 3), archive.org (Bd. 6)
  8. H. Leclercq: Grace at Meals. The Catholic Encyclopedia, Bd. 6, New York 1909. newadvent.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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