Gebet

Katholische Gebete: die Grundgebete im Wortlaut

Vom Kreuzzeichen bis zum Gebet zum heiligen Michael: die Gebete, die jeder Katholik auswendig kennen soll, im überlieferten Wortlaut, lateinisch und deutsch, mit ihrer Herkunft.

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Die katholischen Gebete, die man ein Leben lang behält, lernt man meist als Kind: das Kreuzzeichen vor dem Essen, das Vater unser am Abend, das Ave Maria Perle für Perle am Rosenkranz. Diese wenigen Texte tragen das ganze Gebetsleben der Kirche. Sie stehen im Messbuch und im Brevier, und der Bischof legt sie bei der Firmung den Paten ans Herz. Dieser Ratgeber stellt die Grundgebete im überlieferten Wortlaut zusammen, lateinisch und deutsch, mit ihrer Herkunft und dem Ort, an dem die Kirche sie betet.

Das Wichtigste in Kürze
  • Katholische Grundgebete sind die kurzen Gebete, die das ganze Gebetsleben der Kirche tragen: Kreuzzeichen, Vater unser, Ave Maria, Ehre sei dem Vater und das Apostolische Glaubensbekenntnis.
  • Bei der Firmung trägt der Bischof den Paten auf, ihre Firmlinge Credo, Pater noster und Ave Maria zu lehren, „quoniam ad hoc sunt obligati“, denn dazu seien sie verpflichtet (Ritus der Firmung aus dem Pontificale Romanum).
  • Der Römische Katechismus gliedert die ganze Glaubenslehre in vier Hauptstücke. Zwei davon sind Gebetstexte: das apostolische Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn.
  • Das Salve Regina und das Gebet zum heiligen Erzengel Michael betet der Priester nach dem Messbuch von Schott (1894) auf Anordnung Papst Leos XIII. nach jeder stillen heiligen Messe gemeinsam mit dem Volk.

Welche Gebete sollte jeder Katholik kennen?

Jeder Katholik sollte das Kreuzzeichen, das Vater unser, das Ave Maria, das Ehre sei dem Vater und das Apostolische Glaubensbekenntnis kennen. Credo, Vater unser und Ave Maria verlangt die Kirche ausdrücklich. Zu diesen fünf Grundgebeten kommen im täglichen Gebet das Salve Regina, der Engel des Herrn und das Gebet zum heiligen Erzengel Michael.

Wie ernst die Kirche das nimmt, zeigt der Ritus der Firmung. Nach der Spendung ermahnt der Bischof die Paten, ihre Firmlinge zu guten Sitten anzuhalten und sie das Credo in Deum, das Pater noster und das Ave Maria zu lehren. Der Römische Katechismus, auf Befehl Papst Pius' V. nach dem Konzil von Trient herausgegeben, teilt die ganze Lehre in vier Hauptstücke: das apostolische Glaubensbekenntnis, die Sakramente, die zehn Gebote und das Gebet des Herrn. Wer die Grundgebete kennt, trägt also schon zwei dieser vier Hauptstücke im Gedächtnis. Auch der Rosenkranz ist aus ihnen gebaut, wie unsere Anleitung zum Rosenkranz mit allen Gebeten Perle für Perle zeigt.

Gebet Herkunft Wann es gebetet wird
Kreuzzeichen seit dem 2. Jahrhundert bezeugt zu Beginn jedes Gebets, zu Beginn der heiligen Messe
Vater unser Mt 6, 9 bis 13; Lk 11, 2 bis 4 in der Messe, im Brevier, im Rosenkranz
Ave Maria Lk 1, 28 und 1, 42, Bitte der Kirche im Rosenkranz, im Engel des Herrn
Ehre sei dem Vater Lobpreis der Dreifaltigkeit am Ende der Psalmen, nach jedem Gesätz (Zehnerabschnitt) des Rosenkranzes
Glaubensbekenntnis Bekenntnis der Apostel, zwölf Artikel am Anfang des Rosenkranzes
Salve Regina Antiphon des Mittelalters nach dem Rosenkranz, im Brevier
Engel des Herrn Gebetsläuten seit dem Mittelalter morgens, mittags und abends
Michaelsgebet auf Anordnung Papst Leos XIII. nach der stillen heiligen Messe

Wie macht man das Kreuzzeichen richtig?

Beim Kreuzzeichen berührt man mit der rechten Hand die Stirn und spricht „Im Namen des Vaters“, dann die Brust bei „und des Sohnes“, dann die linke und die rechte Schulter bei „und des Heiligen Geistes“. Zum „Amen“ legt man die Hände wieder zusammen.

In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Latein nach dem Missale Romanum von 1962, Beginn der heiligen Messe. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Mit diesem großen Kreuz von der Stirn zur Brust und von Schulter zu Schulter beginnt der Priester die heilige Messe am Fuß des Altares. Älter noch ist das kleine Kreuz, das die Christen mit dem Daumen oder einem Finger auf die Stirn zeichneten. Nach der Catholic Encyclopedia von 1912 war dieser Brauch schon im zweiten Jahrhundert vertraut. Tertullian beschreibt ihn so selbstverständlich, als gehöre er zu jedem Handgriff des Tages.

„Bei jedem Schritt und Fortgang, bei jedem Eintreten und Hinausgehen, beim Ankleiden und Beschuhen, beim Bad, bei Tisch, beim Anzünden der Lichter, beim Schlafengehen und beim Niedersitzen, bei welcher Verrichtung auch immer, bezeichnen wir unsere Stirn mit dem Zeichen.“

Tertullian: De corona militis, Kapitel 3. Aus dem Lateinischen übersetzt.

Wie lautet das Vater unser?

Im Vater unser beten Katholiken das Gebet, das unser Herr Jesus Christus selbst gelehrt hat. Es beginnt mit „Vater unser, der Du bist im Himmel“, steht bei Matthäus (6, 9 bis 13) und Lukas (11, 2 bis 4) und enthält in der Fassung bei Matthäus sieben Bitten. Deshalb heißt es auch Gebet des Herrn.

Pater noster, qui es in caelis, sanctificetur nomen tuum: adveniat regnum tuum: fiat voluntas tua, sicut in caelo et in terra. Panem nostrum cotidianum da nobis hodie: et dimitte nobis debita nostra, sicut et nos dimittimus debitoribus nostris: et ne nos inducas in tentationem: sed libera nos a malo. Amen.

Vater unser, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Zu uns komme Dein Reich. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.

Latein nach dem Breviarium Romanum. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Bei Matthäus leitet der Heiland das Gebet mit den Worten ein: „Ihr sollt daher also beten“ (Mt 6, 9 nach Allioli). Joseph Franz Allioli erklärt in der Ausgabe seiner Bibelübersetzung von 1839 den Aufbau mit dem heiligen Augustinus: Die drei ersten Bitten gehen auf die Ehre Gottes, die vier letzten auf das eigene Heil und das des Nächsten. Darum gilt das Vater unser als Maßstab für jedes andere Gebet.

„Wenn wir recht und geziemend beten, können wir nichts anderes sagen, als was in diesem Gebet des Herrn steht.“

Augustinus, Brief an Proba, angeführt bei Thomas von Aquin, Summa theologiae II-II, q. 83, a. 9. Aus dem Lateinischen übersetzt.

Wie lautet das Ave Maria?

Im Ave Maria grüßt man die Muttergottes mit den Worten des Engels Gabriel (Lk 1, 28) und Elisabeths (Lk 1, 42) und bittet sie dann um ihre Fürbitte für uns Sünder, jetzt und in der Todesstunde. In dieser vollständigen Form steht es im Brevier, das Papst Pius V. 1568 herausgab.

Ave Maria, gratia plena; Dominus tecum: benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui Jesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae. Amen.

Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus,
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

Latein nach dem Breviarium Romanum. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Der erste Teil ist Wort der Heiligen Schrift. Die Bitte „Heilige Maria, Mutter Gottes“ hat die Kirche hinzugefügt. Nach der Catholic Encyclopedia von 1910 endete das Ave Maria im liturgischen Gebrauch bis zum Jahr 1568 mit „Jesus. Amen“. Im Rosenkranz betet man das Ave Maria zehnmal in jedem Gesätz, also in jedem der fünf Abschnitte, die je einem Geheimnis aus dem Leben unseres Herrn und der allerseligsten Jungfrau gewidmet sind. Im Engel des Herrn folgt es auf jeden der drei Verse.

Wie lautet das Apostolische Glaubensbekenntnis?

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis, lateinisch Credo, fasst die Kirche ihren Glauben in zwölf Sätzen zusammen, den zwölf Glaubensartikeln. Nach dem Römischen Katechismus haben die Apostel selbst diese Form des Glaubens überliefert. Man betet das Credo zu Beginn des Rosenkranzes am Kreuz.

Credo in Deum, Patrem omnipotentem, Creatorem caeli et terrae. Et in Jesum Christum, Filium ejus unicum, Dominum nostrum: qui conceptus est de Spiritu Sancto, natus ex Maria Virgine, passus sub Pontio Pilato, crucifixus, mortuus, et sepultus: descendit ad inferos; tertia die resurrexit a mortuis; ascendit ad caelos; sedet ad dexteram Dei Patris omnipotentis: inde venturus est judicare vivos et mortuos. Credo in Spiritum Sanctum, sanctam Ecclesiam catholicam, Sanctorum communionem, remissionem peccatorum, carnis resurrectionem, vitam aeternam. Amen.

Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, Seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geiste, geboren aus Maria, der Jungfrau, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, sitzet zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Nachlaß der Sünden, Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben. Amen.

Latein nach dem Breviarium Romanum. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Das Wort Symbolum, Erkennungszeichen, erklärt der Römische Katechismus so: An diesem Bekenntnis sollten die Gläubigen einander erkennen und von falschen Brüdern unterscheiden können. Das Brevier des heiligen Pius V. ließ das Credo still zu Beginn der Matutin und der Prim und am Ende der Komplet beten. Die Einteilung in zwölf Artikel nutzt der Katechismus als Gliederung: Der neunte Artikel handelt von der heiligen katholischen Kirche und der Gemeinschaft der Heiligen, der zwölfte vom ewigen Leben.

Wann betet man das Salve Regina?

Im Brevier ist das Salve Regina eine der vier marianischen Antiphonen: Die Kirche betet es von der ersten Vesper des Dreifaltigkeitssonntags bis zur Non am Samstag vor dem ersten Advent. Viele Gläubige beschließen damit den Rosenkranz, so auch unser Gebetsbegleiter.

Salve, Regina, mater misericordiae; vita, dulcedo et spes nostra, salve. Ad te clamamus exsules filii Hevae. Ad te suspiramus gementes et flentes in hac lacrimarum valle. Eja ergo, advocata nostra, illos tuos misericordes oculos ad nos converte. Et Jesum, benedictum fructum ventris tui, nobis post hoc exsilium ostende. O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung sei gegrüßt. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas, zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen zu uns, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Latein nach dem Breviarium Romanum. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Als Verfasser gilt nach der Catholic Encyclopedia Hermann von Reichenau (1013 bis 1054), ein von Geburt an gelähmter Mönch und Gelehrter am Bodensee, den man darum Contractus, den Gelähmten, nannte. Die Legende, der heilige Bernhard habe das dreifache „O gütige, o milde, o süße“ angefügt, kam nach der Catholic Encyclopedia wohl erst im 16. Jahrhundert auf. Das Generalkapitel der Zisterzienser schrieb 1218 vor, das Salve Regina täglich zu singen. Die Dominikaner begannen um 1221, es nach der Komplet zu singen, und von ihnen aus verbreitete sich dieser Brauch.

Wie betet man den Engel des Herrn?

Den Engel des Herrn, lateinisch Angelus, betet man dreimal am Tag, morgens, mittags und abends beim Läuten der Glocke: drei kurze Verse über die Menschwerdung, nach jedem Vers ein Ave Maria, zum Schluss in der Regel ein Versikel und ein Gebet. In der Osterzeit tritt das Regina caeli an seine Stelle.

V. Angelus Domini nuntiavit Mariae, R. Et concepit de Spiritu Sancto. Ave Maria.
V. Ecce, ancilla Domini; R. Fiat mihi secundum verbum tuum. Ave Maria.
V. Et Verbum caro factum est, R. Et habitavit in nobis. Ave Maria.

V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, R. Und sie empfing vom Heiligen Geiste. Gegrüßet seist du, Maria …
V. (Maria sprach:) Sieh, ich bin eine Magd des Herrn; R. Mir geschehe nach deinem Worte. Gegrüßet seist du, Maria …
V. Und das Wort ist Fleisch geworden, R. Und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seist du, Maria …

V. Ora pro nobis, sancta Dei Genitrix. R. Ut digni efficiamur promissionibus Christi.
Oremus. Gratiam tuam, quaesumus, Domine, mentibus nostris infunde: ut, qui, Angelo nuntiante, Christi Filii tui Incarnationem cognovimus, per Passionem ejus et Crucem ad resurrectionis gloriam perducamur: per eundem Christum Dominum nostrum. R. Amen.

V. Bitt für uns, o heilige Gottesgebärerin. R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Laßt uns beten. Wir bitten dich, o Herr, du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen, damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels Christi, deines Sohnes, Menschwerdung erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden, durch denselben Christum, unsern Herrn. R. Amen.

Lateinisch und deutsch nach Anselm Schott: Das Meßbuch der heiligen Kirche, 4. Auflage, Freiburg 1894, Anhang S. [151] f.

Am Samstagabend und am Sonntag betet man den Engel des Herrn stehend, sonst kniend. So verzeichnen es Schott und die Raccolta, die amtliche Sammlung der mit Ablässen versehenen Gebete (englische Ausgabe 1910, Nr. 182). Papst Benedikt XIII. verlieh dafür am 14. September 1724 einen Ablass. Die Raccolta nennt 100 Tage für jedes Gebet und einmal im Monat einen vollkommenen Ablass für den, der ihn täglich betet, unter den üblichen Bedingungen: Beichte, heilige Kommunion und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters.

Was ist das Gebet zum heiligen Erzengel Michael?

Im Gebet zum heiligen Erzengel Michael bittet man den Fürsten der himmlischen Heerscharen um Beistand im Kampf gegen die Bosheit des Teufels. Papst Leo XIII. ließ es mit drei Ave Maria und dem Salve Regina nach jeder stillen heiligen Messe beten, kniend und von Priester und Volk gemeinsam.

Sancte Michael Archangele, defende nos in proelio; contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium. Imperet illi Deus, supplices deprecamur; tuque Princeps militiae coelestis, Satanam aliosque spiritus malignos, qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo, divina virtute in infernum detrude. Amen.

Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchziehen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen.

Latein nach Schott, Meßbuch 1894, Anhang S. [130]. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.
Wandbild des heiligen Erzengels Michael in Schwarz und Gold mit der Inschrift defende nos in proelio, auf einem Holzbord
Der heilige Michael mit erhobenem Schwert über dem gestürzten Widersacher, darunter die ersten Worte seines Gebets: defende nos in proelio, verteidige uns im Kampfe. Motiv des Michael-Wandbilds aus unserem Sortiment.

Die Anordnung Leos XIII. für die Gebete nach der stillen Messe datiert die Catholic Encyclopedia auf den 6. Januar 1884. Das Messbuch von Anselm Schott druckt in der 4. Auflage von 1894 die Reihenfolge ab, wie sie zu dieser Zeit galt: dreimal „Gegrüßet seist du, Maria“, das Salve Regina mit Versikel, ein Gebet für die Bekehrung der Sünder und die Freiheit der Kirche, zuletzt das Gebet zum heiligen Michael. Ausgenommen waren nur die gesungenen Ämter.

Welche kurzen Gebete passen in jeden Tag?

Kurze katholische Gebete für jeden Augenblick sind das Kreuzzeichen, das Ehre sei dem Vater und Rufe aus der Heiligen Schrift wie die Bitte des Zöllners im Tempel um Gottes Gnade. Solche Stoßgebete spricht man in wenigen Sekunden, beim Aufstehen, vor dem Essen, unterwegs oder in einer schweren Stunde.

Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto. Sicut erat in principio, et nunc, et semper, et in saecula saeculorum. Amen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit, und in Ewigkeit. Amen.

Latein nach dem Breviarium Romanum. Deutsch in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Das Ehre sei dem Vater beschließt im Brevier die Psalmen und im Rosenkranz jedes Gesätz. Den Zusatz „wie es war im Anfang“ schrieb die Synode von Vaison im Jahr 529 auch für Gallien vor, weil er in Rom und anderswo schon gebetet wurde.

Zwei Rufe aus dem Lukasevangelium eignen sich als Stoßgebet: der des Zöllners im Tempel, „Gott sey mir Sünder gnädig“ (Lk 18, 13), und der des Blinden bei Jericho, „Jesu, Sohn Davids erbarme dich meiner“ (Lk 18, 38, beide wörtlich nach Allioli 1839). Den zweiten führt die Raccolta von 1910 als Stoßgebet auf (Nr. 64). Wer dazu etwas in der Hand halten möchte, findet in unseren Fingerrosenkränzen einen Begleiter für die Hosentasche.

Zählt ein Gebet, wenn die Gedanken abschweifen?

Ein Gebet verliert nach dem heiligen Thomas von Aquin seinen Wert nicht, wenn die Gedanken ungewollt abschweifen, solange man es in der Absicht begonnen hat, zu Gott zu beten. Diese erste Absicht trägt das ganze Gebet. Die innere Erquickung empfängt aber nur, wer aufmerksam betet.

Thomas unterscheidet drei Früchte des Gebets: das Verdienst, die Erhörung und eine geistliche Erquickung der Seele. Für die ersten beiden genügt die Absicht, mit der man zu beten beginnt. Für die dritte braucht es Aufmerksamkeit. Auch die Aufmerksamkeit kennt drei Stufen: auf die Worte, auf ihren Sinn und auf Gott selbst und das, worum man bittet. Die letzte ist die notwendigste, und sie steht nach Thomas auch dem einfachsten Beter offen. Wer dagegen absichtlich abschweift, sündigt nach Thomas und verliert die Frucht des Gebets (a. 13 ad 3).

„Im Geist und in der Wahrheit betet, wer auf Antrieb des Geistes zum Gebet kommt, auch wenn die Gedanken danach aus irgendeiner Schwäche abschweifen.“

Thomas von Aquin: Summa theologiae II-II, q. 83, a. 13 ad 1. Aus dem Lateinischen übersetzt.
Aus der Werkstatt

Die meisten Gebete aus diesem Ratgeber gehen beim Rosenkranz durch die Finger. In unseren Rosenkränzen, etwa dem St.-Benediktus- und dem Ebenholzrosenkranz, sind die Perlenabstände so geknüpft, dass der Daumen bequem dazwischenpasst. Wer es enger oder weiter mag, schreibt uns das ins Bemerkungsfeld.

Bei vielen Modellen sind die Vaterunserperlen größer als die Ave-Maria-Perlen: Beim St.-Benediktus-Rosenkranz aus 550er Paracord sind es 12 mm mit Kreuzmuster gegen 10 mm. Für unterwegs gibt es den Fingerrosenkranz mit Edelstahlperlen, einer einzelnen Vaterunserperle und Pardonkruzifix. Er passt in die Hosentasche. Alle Modelle finden Sie unter Rosenkränze aus unserer Werkstatt.

Fingerrosenkranz aus schwarzem 550er Paracord mit silbernen Edelstahlperlen und Pardonkruzifix Im Artikel erwähnt Fingerrosenkranz Paracord silber/schwarz Handgefertigt aus 550er Paracord, mit Edelstahlperlen, Benediktusmedaille und Pardonkruzifix, klein genug für die Hosentasche. Zum Fingerrosenkranz

Häufige Fragen zu katholischen Gebeten

Welches ist das wichtigste katholische Gebet?

Das wichtigste katholische Gebet ist das Vater unser, weil der Herr es selbst gelehrt hat. Der heilige Thomas von Aquin nennt es das vollkommenste Gebet, oratio dominica perfectissima est (S. th. II-II, q. 83, a. 9), denn es bittet um alles, was man recht erbitten kann, und in der rechten Ordnung.

Was betet man in der Osterzeit statt des Engels des Herrn?

In der Osterzeit betet man statt des Engels des Herrn das Regina caeli, stehend und mit eigenem Versikel und Gebet. Nach der Raccolta gilt das vom Mittag des Karsamstags bis zum Mittag des Samstags vor dem Dreifaltigkeitssonntag. Unser Rosenkranz Regina caeli trägt den Namen dieser Antiphon.

Darf man die Grundgebete auf Deutsch beten?

Die Grundgebete darf man in der Muttersprache beten. Die Raccolta hält fest, dass auch die mit Ablässen versehenen Gebete in jeder Sprache gesprochen werden können, sofern die Übersetzung getreu und kirchlich bestätigt ist (Entscheidung vom 20. Dezember 1884). In der heiligen Messe betet der Priester sie lateinisch.

Was ist ein Stoßgebet?

Ein Stoßgebet ist ein Gebet aus wenigen Worten, das man mitten im Alltag zu Gott schickt, etwa „Jesu, Sohn Davids erbarme dich meiner“ (Lk 18, 38). Die Raccolta von 1910 verzeichnet Dutzende solcher Rufe, einige davon aus der Heiligen Schrift.

Quellen
  1. Missale Romanum, Ausgabe 1962: Ordo Missae und Ritus der Firmung aus dem Pontificale Romanum. archive.org
  2. Breviarium Romanum, Rom 1568, Psalterium mit Pater noster, Ave Maria und Symbolum Apostolorum. archive.org; lateinische Gebetstexte nach der Textausgabe Divinum Officium. github.com
  3. Anselm Schott: Das Meßbuch der heiligen Kirche, 4. Auflage, Freiburg 1894, Anhang S. [129] f. und [151] f. archive.org
  4. Römischer Katechismus nach dem Beschlusse des Conciliums von Trient, deutsch, Passau 1853. archive.org; englisch: Catechism of the Council of Trent, 1908. archive.org
  5. Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, Bd. 5, 4. Auflage, Landshut 1839, Mt 6 und Lk 18. archive.org; Vulgata Clementina, Mt 6 und Lk 1. drbo.org
  6. Thomas von Aquin: Summa theologiae II-II, q. 83, a. 9 und a. 13. corpusthomisticum.org
  7. Tertullian: De corona militis, Kap. 3. thelatinlibrary.com
  8. The Raccolta, or Collection of Indulgenced Prayers, London 1910, Nr. 64 und 182. archive.org
  9. The Catholic Encyclopedia, New York 1907 bis 1912: Angelus, Apostles' Creed, Doxology, Hail Mary, Hermann Contractus, Salve Regina, Sign of the Cross. newadvent.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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