Chi-Rho und In hoc signo vinces: das Zeichen Konstantins
Ein X, durch das ein P geht, und der Satz In hoc signo vinces: was Kaiser Konstantin 312 vor Rom sah, nach Laktanz und Eusebius erzählt, und wofür das Chi-Rho steht.
Im Oktober des Jahres 312 lagert das Heer Konstantins vor Rom, gegenüber der Milvischen Brücke über den Tiber. Auf den Schilden seiner Soldaten steht ein Zeichen aus den Anfangsbuchstaben des Namens Christi. Das Chi-Rho, das Monogramm aus X und P, ist die gewöhnlichste Form des Christusmonogramms, und mit ihm verbunden ist ein lateinischer Satz, den viele von Aufnähern und Kreuzen kennen: In hoc signo vinces. Dieser Ratgeber erzählt nach den beiden ältesten Berichten, was Kaiser Konstantin sah, was das Zeichen bedeutet und wofür es steht.
- Das Chi-Rho ist ein Christusmonogramm aus den griechischen Buchstaben Chi (Χ) und Rho (Ρ), den ersten beiden Buchstaben des Namens Christos.
- Laktanz berichtet, Konstantin sei vor der Schlacht an der Milvischen Brücke im Jahr 312 im Traum ermahnt worden, das himmlische Zeichen Gottes auf die Schilde seiner Soldaten zu setzen.
- Eusebius von Caesarea überliefert ein Kreuz aus Licht am Himmel mit den Worten „Durch dieses siege“, griechisch τούτῳ νίκα. Lateinisch wurde daraus In hoc signo vinces: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“
- Das kaiserliche Feldzeichen mit dem Chi-Rho heißt Labarum.
- Das Chi-Rho ist ein Bekenntnis zu Christus, kein Glücksbringer. Schon die Priester, die Konstantin unterrichteten, deuteten das Kreuzeszeichen seiner Erscheinung als Zeichen des Sieges über den Tod.
Was bedeutet das Chi-Rho?
Chi-Rho nennt man das Monogramm für den Namen Christi. Es verbindet die griechischen Buchstaben Chi (Χ) und Rho (Ρ), mit denen das Wort Christos beginnt, zu einem einzigen Zeichen. Wer es trägt oder anbringt, schreibt also in zwei Buchstaben den Namen des Erlösers.
Die Catholic Encyclopedia von 1911 nennt dieses Zeichen auch Chrismon und beschreibt es als die gewöhnlichste Form des Christusmonogramms. Im Laufe des 4. Jahrhunderts erschien es auf öffentlichen Bauten, Kirchen, Sarkophagen, Lampen, Gewändern und Hausgerät. Auf Grabinschriften steht es häufig, manchmal zusammen mit den Buchstaben Alpha und Omega aus der Geheimen Offenbarung, mit Fisch, Taube oder Palmzweig. Nach dem Jahr 410, als Alarich Rom eingenommen hatte, wurde es in Rom selten, im Osten blieb es lange verbreitet.
Daneben kennt die Überlieferung weitere Christusmonogramme, etwa das IHS, das aus dem Namen Jesus gebildet ist, und das Zeichen aus I und X für Jesus Christus. Von ihnen war das Chi-Rho im 4. Jahrhundert das verbreitetste.
Was heißt „In hoc signo vinces“?
„In hoc signo vinces“ heißt auf Deutsch „In diesem Zeichen wirst du siegen“. Der Satz ist die lateinische Wiedergabe der griechischen Worte τούτῳ νίκα, „Durch dieses siege“, die Kaiser Konstantin nach dem Bericht des Eusebius vor seinem Feldzug gegen Maxentius am Himmel las.
Im griechischen Text steht ein Befehl: νίκα, siege. Die lateinische Form macht daraus eine Verheißung in der Zukunft, vinces, „du wirst siegen“. Gemeint ist in beiden Fassungen dasselbe Zeichen, das Kreuz. Die Catholic Encyclopedia von 1910 schreibt im Artikel über das Labarum, die griechischen Worte würden „gewöhnlich“ mit In hoc signo vinces übersetzt; im Artikel über Konstantin von 1908 steht die kürzere Form Hoc vinces, „hierin wirst du siegen“.
Auf dem Aufnäher aus unserer Kollektion der Patches mit christlichen Zeichen steht er in den vier Ecken um ein rotes Kreuz.
„Um die Stunde der Mittagzeit, da sich der Tag schon neigte, habe er, so sagte der Kaiser, mit eigenen Augen oben am Himmel über der Sonne das Siegeszeichen des Kreuzes, aus Licht gebildet, und dabei die Worte gesehen: ‚Durch dieses siege!‘“
Eusebius von Caesarea, Leben Konstantins I, 28, übersetzt von Johannes Maria Pfättisch und Andreas Bigelmair, Bibliothek der Kirchenväter, München 1913
Was sah Konstantin vor der Schlacht an der Milvischen Brücke?
Über Konstantins Zeichen gibt es zwei Berichte. Laktanz schreibt, Konstantin sei im Traum ermahnt worden, das himmlische Zeichen Gottes auf die Schilde zu setzen. Eusebius schreibt, der Kaiser habe mittags ein Kreuz aus Licht am Himmel gesehen und in der folgenden Nacht Christus im Schlaf.
Laktanz schrieb in seinem Buch Von den Todesarten der Verfolger, Kapitel 44: „Konstantin ward im Traume ermahnt, das himmlische Zeichen Gottes auf den Schildern anbringen zu lassen und so die Schlacht zu beginnen. Er kommt dem Befehle nach, und indem er den Buchstaben X wagerecht legte und die oberste Spitze umbog, zeichnete er Chr(istus) auf die Schilde.“ Im Lateinischen heißt es caeleste signum dei, das himmlische Zeichen Gottes.
Eusebius, Bischof von Caesarea, berichtet ausführlicher und beruft sich auf den Kaiser selbst. Konstantin habe ihm „lange Zeit hernach“ unter Eid erzählt, wie er betete, das Lichtkreuz sah und nachts Christus mit demselben Zeichen erblickte, der ihm auftrug, es nachzubilden (Leben Konstantins I, 28 bis 30). Die Schlacht endete mit dem Tod des Maxentius im Tiber. Im Jahr darauf, 313, gewährten Konstantin und Licinius in Mailand den Christen freie Ausübung ihres Glaubens.
Was ist das Labarum?
Labarum heißt das Feldzeichen, das Konstantin nach seiner Vision anfertigen ließ: ein vergoldeter Lanzenschaft mit Querstange in Kreuzform, oben ein Kranz aus Gold und Edelsteinen mit dem Chi-Rho. Es wurde seinen Heeren vorangetragen und gab dem Christusmonogramm seinen Namen als Zeichen Konstantins.
Eusebius beschreibt es genau: Im Kranz sei „das Zeichen für den Namen des Erlösers angebracht“ gewesen, „zwei Buchstaben, die als Anfangsbuchstaben den Namen Christi bezeichneten, indem das P in der Mitte durch das X gekreuzt wurde“. Diese Buchstaben habe der Kaiser später auch auf seinem Helm getragen. An der Querstange hing ein quadratisches, mit Edelsteinen und Gold besetztes Tuch, darüber die goldenen Brustbilder des Kaisers und seiner Söhne (Leben Konstantins I, 31). Eusebius versichert, er habe das Feldzeichen selbst gesehen (I, 30).
Nach der Catholic Encyclopedia von 1910 war das Labarum eine Umgestaltung der älteren römischen Reiterstandarte; die heidnischen Zeichen wurden durch christliche ersetzt. Fünfzig Soldaten der Leibwache bewachten es, und alle Legionen erhielten ähnliche Feldzeichen. Woher das Wort labarum stammt, ist nicht geklärt.
Gab es das Chi-Rho schon vor Konstantin?
Nach der Catholic Encyclopedia von 1911 gab es das Chi-Rho schon vor Konstantin, aber selten. Auf frühen christlichen Denkmälern erscheint es meist als Abkürzung, etwa in einer Inschrift des 3. Jahrhunderts in der Priscilla-Katakombe. Zum allgemeinen Sinnbild der Christen wurde es erst durch Konstantins Feldzeichen.
Die Gelehrten waren sich darin nicht einig. Der Artikel über Konstantin in der Catholic Encyclopedia von 1908 schreibt, ein früherer christlicher Gebrauch lasse sich nicht beweisen. Der Artikel über das Christusmonogramm von 1911 hält dagegen die Ansicht für gut begründet, das Zeichen sei den Christen schon bekannt gewesen, denn wie sonst hätte der Kaiser es als christliches Zeichen erkennen können? Ebenso merkt der Übersetzer des Eusebius 1913 mit Franz Joseph Dölger an, Eusebius wisse nichts davon, dass das Monogramm vorher unbekannt gewesen sei.
Dieselbe Enzyklopädie weist darauf hin, dass die verbundenen Buchstaben Χ und Ρ schon auf vorchristlichen Münzen vorkommen, dort ohne christliche Bedeutung. Christlich wird das Zeichen durch den Namen, für den es steht. Wie Laktanz den Buchstaben auf den Schilden genau meinte, ist umstritten; die Enzyklopädie nennt seinen Ausdruck „etwas dunkel“.
Bringt das Zeichen Christi den Sieg?
Aus eigener Kraft bringt das Chi-Rho keinen Sieg. Es ist ein Bekenntnis zu Christus. Die Priester, die Konstantin nach der Erscheinung unterrichteten, erklärten ihm das geschaute Kreuzeszeichen als Sinnbild der Unsterblichkeit und als Zeichen des Sieges, den Christus über den Tod errungen hat.
So überliefert es Eusebius im Leben Konstantins I, 32: Das Zeichen sei „das Sinnbild der Unsterblichkeit und das Zeichen des Sieges, den jener einst über den Tod errungen“. Der Sieg, den das Zeichen meint, ist der Sieg des Kreuzes. Die Kirche feiert ihn am Fest der Kreuzerhöhung, im Kalender von 1962 am 14. September. Der Introitus der heiligen Messe beginnt nach Galater 6, 14 mit den Worten Nos autem gloriari oportet in Cruce Domini nostri Iesu Christi, „Wir aber müssen uns rühmen im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus“.
Der heilige Thomas von Aquin zieht die Grenze zum Aberglauben genau (Summa theologiae II-II, q. 96, a. 4). Heilige Worte und das Zeichen des Kreuzes bei sich zu tragen, ist erlaubt, wenn man dabei auf Gott schaut. Abergläubisch wird es, wenn man die Hoffnung auf die Art des Schreibens oder Umbindens setzt. Ein Aufnäher oder ein Kreuz mit dem Chi-Rho ist deshalb ein sichtbares Bekenntnis, kein Mittel, das den Ausgang eines Kampfes bestimmt. Wer ein Kreuz am Rosenkranz weihen lässt, macht es zum Sakramentale; durch Sakramentalien erlangt die Kirche Wirkungen vor allem geistlicher Art kraft ihrer Fürbitte (CIC 1917, can. 1144).
Das Chi-Rho sitzt bei uns am unteren Ende des Kreuzes, das wir für die DEUS-VULT-Rosenkränze selbst entworfen haben. Das Metallkreuz ist 8 cm lang und trägt außerdem INRI, Alpha und Omega, das Jerusalemer Kreuz und einen Schriftzug der Templer.
Der Aufnäher „In Hoc Signo Vinces“ misst 5 × 8 cm und zeigt die Inschrift in den vier Ecken um ein rotes Kreuz auf dunkelgrünem Grund. Er hat eine Klettrückseite und passt auf die Klettfläche unserer Taschen für Paracord-Rosenkränze.
Im Artikel erwähnt
In Hoc Signo Vinces Patch
Aufnäher aus Stoff, 5 × 8 cm, mit Klettrückseite für Rosenkranztaschen.
Zum Patch
Im Artikel erwähnt
DEUS VULT Gladius-Rosenkranz
Aus silbergrauem 550er Paracord, Kreuz mit Chi-Rho, Alpha und Omega.
Zum Rosenkranz
Häufige Fragen zum Chi-Rho und zu In hoc signo vinces
Ist das Chi-Rho dasselbe wie das Christusmonogramm?
Das Chi-Rho ist nach der Catholic Encyclopedia die gewöhnlichste Form des Christusmonogramms. Es gibt daneben andere, etwa das IHS aus dem Namen Jesus und die Verbindung von I und X für Jesus Christus. Wenn von „dem“ Christusmonogramm die Rede ist, ist meist das Chi-Rho gemeint.
Hat IHS etwas mit In hoc signo vinces zu tun?
IHS hat mit In hoc signo vinces nichts zu tun. IHS kürzt den Namen Jesus ab: nach dem Artikel IHS der Catholic Encyclopedia von 1910 aus der griechischen Schreibweise, nach dem Artikel über den Namen Jesu aus dem mittelalterlichen IHESUS. Die Deutung als „In Hoc Signo“ nennt die Enzyklopädie eine spätere Erfindung.
Wann war die Schlacht an der Milvischen Brücke?
Die Schlacht an der Milvischen Brücke fand Ende Oktober 312 vor Rom statt. Laktanz verbindet sie mit dem Jahrestag, an dem Maxentius die Herrschaft angetreten hatte. Maxentius ertrank auf der Flucht im Tiber.
Darf man das Chi-Rho tragen?
Das Chi-Rho darf jeder Christ tragen, als Anhänger, am Rosenkranz oder auf einem Aufnäher. Es ist der Name Christi in zwei Buchstaben. Wer es trägt, sollte es so ehrfürchtig behandeln wie jedes Zeichen des Glaubens. Mit dem Rosenkranz beten Sie am besten nach unserem Gebetsbegleiter mit allen Gebeten.
- Laktanz: De mortibus persecutorum, Kap. 44. Lateinischer Text: thelatinlibrary.com. Deutsch: Von den Todesarten der Verfolger, übersetzt von Aloys Hartl, Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 36, München 1919. bkv.unifr.ch
- Eusebius von Caesarea: Vita Constantini I, 27 bis 32. Deutsch: Vier Bücher über das Leben des Kaisers Konstantin, übersetzt von Johannes Maria Pfättisch und Andreas Bigelmair, Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 9, München 1913. bkv.unifr.ch
- Hassett, Maurice: Labarum (Chi-Rho). The Catholic Encyclopedia, Band 8, New York 1910. newadvent.org
- Hassett, Maurice: Monogram of Christ. The Catholic Encyclopedia, Band 10, New York 1911. newadvent.org
- Herbermann, Charles, und Grupp, Georg: Constantine the Great. The Catholic Encyclopedia, Band 4, New York 1908. newadvent.org
- Maere, René: IHS. The Catholic Encyclopedia, Band 7, New York 1910. newadvent.org
- Holweck, Frederick: Holy Name of Jesus. The Catholic Encyclopedia, Band 7, New York 1910. newadvent.org
- Missale Romanum 1962: In Exaltatione S. Crucis, 14. September, Introitus (Gal 6, 14). Deutsche Übertragung von uns.
- Thomas von Aquin: Summa theologiae II-II, q. 96, a. 4. corpusthomisticum.org
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 1144. codex-iuris-canonici.de
Zuletzt geprüft am 26. Oktober 2026.
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