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Deus vult: Bedeutung, Herkunft und Wortlaut des Kreuzfahrerrufs

Deus vult heißt „Gott will es“. Wer den Ruf 1095 in Clermont zuerst anstimmte, wie ihn die Chronisten schreiben und was er mit der Bitte „Dein Wille geschehe“ zu tun hat.

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Zwei lateinische Worte, von einer ganzen Versammlung zugleich gerufen: Deus vult, Gott will es. Mit diesem Ruf antwortete im November 1095 die Menge in Clermont auf die Rede Papst Urbans II., und mit ihm gingen die Kreuzfahrer des Ersten Kreuzzugs in den Kampf. Doch die Chronisten schreiben ihn verschieden, mal „Deus vult“, mal „Deus le volt“ oder „Deus hoc vult“. Dieser Ratgeber stellt die Berichte nebeneinander, erklärt die Schreibweisen und fragt, was der Ruf mit der dritten Bitte des Vater unser zu tun hat.

Das Wichtigste in Kürze
  • „Deus vult“ ist lateinisch und heißt „Gott will es“; es war der Ruf der Kreuzfahrer des Ersten Kreuzzugs.
  • Nach Robert dem Mönch rief die Menge in Clermont 1095 zuerst „Deus vult“, und Papst Urban II. bestimmte den Ruf daraufhin zum Feldgeschrei.
  • Die Gesta Francorum schreiben in der Ausgabe von Heinrich Hagenmeyer (1890) „Deus le volt“, die meisten Handschriften „Deus vult“, Tudebod und Fulcher „Deus hoc vult“. Nach Hagenmeyer ist die volkssprachliche Form mit „le“ oder „lo“ wohl die, die man tatsächlich hörte.
  • Der Ruf spricht vom Willen Gottes wie die dritte Bitte des Vater unser, „Dein Wille geschehe“ (Mt 6, 10), die unser Herr selbst am Ölberg gebetet hat.

Was bedeutet Deus vult auf Deutsch?

Deus vult bedeutet auf Deutsch „Gott will es“. Deus heißt Gott, vult ist die dritte Person Einzahl von velle, wollen. Der Ruf ist also keine Bitte und kein Befehl, sondern eine Aussage: Die Rufenden bekannten, dass das, wozu sie aufbrachen, dem Willen Gottes entspricht.

Das Wort „will“ steht schon im ersten Satz einer Chronik des Ersten Kreuzzugs. Die Gesta Francorum, das Tagebuch eines Teilnehmers, das Ekkehard von Aura nach Hagenmeyer schon 1101 in Jerusalem las, beginnen mit dem Wort des Herrn: Si quis vult post me venire, abneget semetipsum et tollat crucem suam et sequatur me. Allioli übersetzt Mt 16, 24: „Wenn mir Jemand nachfolgen will, so verläugne er sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach.“ Der Chronist stellt den Aufbruch der Kreuzfahrer, die das Kreuz auf der Schulter trugen, unter dieses Wort. Wie die Kreuznahme ablief und was das Gelübde bedeutete, erklärt unser Ratgeber über die Kreuzritter.

Wer hat Deus vult zuerst gerufen?

Deus vult rief zuerst die versammelte Menge auf dem Konzil von Clermont im November 1095, als Papst Urban II. seine Rede beendet hatte. So berichtet es Robert der Mönch, der nach Heinrich Hagenmeyer als Augenzeuge beim Konzil war. Urban griff den Ruf auf und machte ihn zum Feldgeschrei.

Das Konzil tagte nach der Catholic Encyclopedia vom 18. bis 28. November 1095; am 27. November sprach der Papst zu den Versammelten. Robert schreibt, Urban habe die Herzen aller so in eins gebracht, dass sie riefen: Deus vult! Deus vult!

Der Papst dankte mit zum Himmel erhobenen Augen und deutete den einstimmigen Ruf mit dem Wort des Herrn aus Mt 18, 20: Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen. Ohne Gott, so Urban bei Robert, hätten nicht alle dasselbe gerufen. Deshalb solle der Ruf im Kampf ihr militare signum sein, ihr Feldzeichen, und bei jedem Angriff sollten ihn alle rufen. Den Hintergrund der Rede schildert unser Ratgeber zu den Kreuzzügen.

„… licet enim vox vestra numerosa prodierit, tamen origo vocis una fuit.“ Denn auch wenn euer Ruf aus vielen Mündern kam, so war doch der Ursprung des Rufes einer.

Urban II. nach Robert dem Mönch, Historia Iherosolimitana I, 2 (Recueil des historiens des croisades, Historiens occidentaux III, S. 729)

Deus vult oder Deus lo vult: Was ist richtig?

Deus vult ist die lateinische Form, Deus lo vult oder Deus le volt die Form, die man im Volk wohl wirklich rief. Die Chronisten schreiben den Ruf verschieden. Heinrich Hagenmeyer hielt 1890 die Fassung mit „le“ oder „lo“ für den gehörten Wortlaut, weil auch der italienische Verfasser der Historia belli sacri sie hat.

Quelle Ort und Jahr Wortlaut
Robert der Mönch, Historia Iherosolimitana I, 2 Clermont 1095 Deus vult! Deus vult!
Gesta Francorum IV, 1, Ausgabe Hagenmeyer 1890 vor Amalfi 1096 Deus le volt, dreimal; die meisten Handschriften Deus vult
Petrus Tudebodus, Historia de Hierosolymitano itinere vor Amalfi 1096 Deus hoc vult, dreimal
Historia belli sacri, Kap. 7, nach Hagenmeyer vor Amalfi 1096 Deus lo vult
Gesta Francorum XX, 7, Ausgabe Hagenmeyer 1890 Antiochia, 3. Juni 1098 Deus le volt; die Handschriften Deus vult

Das kleine Wort „le“ oder „lo“ ist kein klassisches Latein, sondern ein Fürwort der Volkssprache, wie im italienischen Dio lo vuole. Hagenmeyer zitiert dazu den Gelehrten Barth, der den Ruf einen „barbarisch-lateinischen“ Ausruf des Volkes nennt. Die meisten Handschriften der Gesta schreiben dagegen Deus vult, Tudebod und Fulcher Deus hoc vult, „Gott will dies“. Falsch ist also keine der Formen: Deus vult ist das Latein der Bücher, Deus lo vult der Ruf der Straße.

Wie wurde Deus vult zum Schlachtruf der Kreuzfahrer?

Deus vult wurde zum Schlachtruf, weil die Kreuzfahrer ihn nach den Chronisten auf dem Zug, im Gefecht und beim Sturm auf Antiochia 1098 riefen. Die Gesta Francorum nennen ihn ausdrücklich das Zeichen, das die Kreuzfahrer im Gefecht erschallen ließen, und berichten, wie er Bohemund zur Kreuznahme bewog.

1096 belagerte der Normanne Bohemund zusammen mit Graf Roger die Stadt Amalfi. Dort hörte er von den durchziehenden Kreuzfahrern und fragte, welche Waffen sie trügen und welchen Ruf sie im Kampf erschallen ließen. Die Antwort: Sie trügen das Kreuz Christi am rechten Arm oder zwischen den Schulterblättern und riefen wie aus einem Mund „Deus le volt“. Da ließ Bohemund seinen kostbarsten Mantel in Kreuze zerschneiden.

Robert der Mönch erzählt die Szene etwas anders: Bei ihm übten sich die durchziehenden Kreuzfahrer auf den Feldern im Waffengang, warfen zum Spiel ihre Lanzen gegeneinander und riefen alle mit einer Stimme: „Deus vult! Deus vult!“

Fulcher von Chartres schreibt, der Ruf sei ihr Zeichen gewesen, wann immer sie etwas Gutes ins Werk setzen wollten. Als die Kreuzfahrer am 3. Juni 1098 in die Türme Antiochias stiegen, riefen die ersten oben mit froher Stimme „Deus vult“, wie die Handschriften lesen; Hagenmeyer setzt „Deus le volt“. Der Verfasser der Gesta schreibt: „Nos vero idem clamabamus“, wir aber riefen dasselbe. Wie die Ritterorden das Erbe dieses Zuges weitertrugen, zeigt unser Ratgeber über die Tempelritter.

Was hat Deus vult mit dem Vater unser zu tun?

Deus vult hat mit dem Vater unser zu tun, weil beide vom Willen Gottes sprechen. In der dritten Bitte, „Dein Wille geschehe“, bittet der Beter nach dem Römischen Katechismus, dass Gott ihm helfe, seinen eigenen Willen nach dem Willen Gottes zu lenken.

Die dritte Bitte lautet in der Vulgata fiat voluntas tua, sicut in caelo et in terra (Mt 6, 10), bei Allioli: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden!“ Unser Herr hat diese Bitte am Ölberg selbst gebetet: fiat voluntas tua (Mt 26, 42).

Der Römische Katechismus erklärt die Bitte so: Wir bitten den himmlischen Vater, seine Gebote halten zu können, nach dem Beispiel Christi, der gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz (Phil 2, 8), und eher alles zu leiden, als auch nur im Geringsten von seinem Willen abzuweichen. Zugleich bitten wir, nicht dem zu folgen, was Sinnlichkeit und Schwäche eingeben, sondern unseren Willen nach dem seinen zu lenken. Urban sah nach dem Bericht Roberts im einmütigen Ruf von Clermont ein Zeichen, dass Gott unter den Versammelten war. Den vollständigen Wortlaut mit allen sieben Bitten finden Sie in unserem Ratgeber zum Vater unser.

„Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch vor mir vorüber: doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

Mt 26, 39, nach Joseph Franz Allioli, Die Heilige Schrift, Bd. 5, Landshut 1839
Aus der Werkstatt

Den Ruf von Clermont tragen unsere Deus-vult-Rosenkränze auf dem Mittelstück: vorne „Deus Vult“, hinten das Jerusalemer Kreuz. Mittelstück, Kreuz und die Vaterunser-Perlen in Schildform haben wir selbst entworfen und exklusiv fertigen lassen. Wir knüpfen jeden Rosenkranz von Hand aus 550er Paracord, 4 mm stark, etwa 54 cm lang mit Kreuz; die Schlaufe passt über die meisten Köpfe. Das 8 cm große Kreuz zeigt das Jerusalemer Kreuz, Alpha und Omega und das Chi-Rho, auf der Rückseite den Psalmvers Non nobis, Domine (Ps 113, 9 nach der Vulgata).

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Häufige Fragen zu Deus vult

Hat Papst Urban II. selbst „Deus vult“ gerufen?

Papst Urban II. hat „Deus vult“ nach Robert dem Mönch nicht als Erster gerufen. Die Menge rief es am Ende seiner Rede, und erst danach bestimmte der Papst, dass dieser Ruf ihnen allen im Kampf als Feldzeichen dienen solle.

Was heißt „Deus hoc vult“?

„Deus hoc vult“ heißt „Gott will dies“. So schreiben Petrus Tudebodus und Fulcher von Chartres den Ruf. Bei Tudebod hat eine Handschrift an derselben Stelle Deus lo vult.

Wann war das Konzil von Clermont?

Das Konzil von Clermont tagte vom 18. bis 28. November 1095 in der Auvergne. Die Teilnehmerzahlen schwanken: Die Catholic Encyclopedia nennt im Artikel über die Kreuzzüge 14 Erzbischöfe, 250 Bischöfe und 400 Äbte, im Artikel über Urban II. 13 Erzbischöfe, 225 Bischöfe und über 90 Äbte. Die Kreuzzugsrede hielt Urban II. am 27. November.

Warum zerschnitt Bohemund seinen Mantel?

Bohemund ließ seinen kostbarsten Mantel ganz zu Kreuzen zerschneiden. Nach den Gesta Francorum geschah das 1096 vor Amalfi, als er vom Ruf und vom Kreuzzeichen der durchziehenden Kreuzfahrer hörte; daraufhin schloss sich ihm der größte Teil der Ritter des Belagerungsheeres an.

Quellen
  1. Robert der Mönch: Historia Iherosolimitana I, 2 und II, 3. In: Recueil des historiens des croisades, Historiens occidentaux, Bd. 3, Paris 1866, S. 729 und 741. archive.org
  2. Petrus Tudebodus: Historia de Hierosolymitano itinere; Fulcher von Chartres: Historia Hierosolymitana I, 17. Ebenda, Bd. 3, Paris 1866.
  3. Heinrich Hagenmeyer (Hg.): Anonymi Gesta Francorum et aliorum Hierosolymitanorum, Heidelberg 1890, Kap. I, 1; IV, 1 mit Anm. 10; XX, 7. archive.org
  4. Gesta Francorum, lateinischer Text, Bücher I und VIII. thelatinlibrary.com
  5. Louis Bréhier: Crusades. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 4, New York 1908. newadvent.org
  6. Urban II. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 15, New York 1912. newadvent.org
  7. Die Heilige Schrift nach der Vulgata: Mt 6, 10; Mt 16, 24; Mt 18, 20; Mt 26, 39 und 42. drbo.org (Mt 6); deutsch nach Joseph Franz Allioli, Die Heilige Schrift, Bd. 5, Landshut 1839. archive.org; Ps 113, 9 nach der Vulgata. drbo.org
  8. Catechismus Romanus, Teil IV, Kap. 11: Die dritte Bitte; englisch von J. Donovan, Dublin 1908, S. 460 bis 461. archive.org

Zuletzt geprüft am 28. Oktober 2026.

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