Gebet für Verstorbene: katholische Gebete mit Text und Quelle
Die überlieferten Gebete der Kirche für ihre Toten, lateinisch und deutsch: vom Requiem aeternam über das De profundis bis zum Gebet für einen einzelnen Verstorbenen und für die Eltern.
Wenn ein Mensch stirbt, fehlen den Hinterbliebenen oft die Worte. Die Kirche hat sie über Jahrhunderte bewahrt: Ein Gebet für Verstorbene kann ein einziger Satz sein oder ein ganzer Psalm, gesprochen am Sterbebett, am Grab oder abends zu Hause. Dieser Ratgeber sammelt die überlieferten katholischen Gebete für Verstorbene im lateinischen und deutschen Wortlaut, jedes mit seiner Quelle. Er erklärt, warum die Kirche für ihre Toten betet, wann das Gebet seinen Platz hat und was es den Verstorbenen nützt.
- Das Gebet für Verstorbene ist die Fürbitte der Lebenden für die Seelen der Toten: Man bittet Gott, ihnen die zeitlichen Sündenstrafen zu erlassen und sie in die ewige Ruhe aufzunehmen.
- Die Heilige Schrift nennt es „einen heiligen und heilsamen Gedanken, für die Verstorbenen zu beten“ (2 Makk 12, 46).
- Eines der kürzesten Gebete ist das Requiem aeternam: „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.“ Die Kirche verband es mit einem Ablass von 300 Tagen, der nur den Verstorbenen zugewendet werden kann.
- Das Konzil von Trient lehrte 1563, dass den Seelen im Fegfeuer die Fürbitten der Gläubigen helfen, vor allem aber das heilige Messopfer.
Warum betet die katholische Kirche für Verstorbene?
Die katholische Kirche betet für Verstorbene, weil sie glaubt, dass Seelen, die in der Gnade Gottes sterben, aber noch Sündenstrafen abzubüßen haben, im Fegfeuer gereinigt werden. Die Lebenden können ihnen durch Gebet, gute Werke, Ablässe und vor allem durch das heilige Messopfer helfen.
Die Schrift berichtet, dass Judas der Makkabäer nach einer Schlacht Geld nach Jerusalem sandte, damit für die Gefallenen ein Sündopfer dargebracht werde. Der Abschnitt schließt mit dem Satz, den die Kirche seither als Grundlage nennt: „Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden“ (2 Makk 12, 46, nach Allioli). In der Vulgata: Sancta ergo et salubris est cogitatio pro defunctis exorare, ut a peccatis solvantur.
Das Konzil von Trient bekräftigte am 3. Dezember 1563, dass es ein Fegfeuer gibt und dass die Seelen dort durch die Fürbitten der Gläubigen Hilfe erfahren. Der heilige Augustinus überliefert in seinen Bekenntnissen die letzte Bitte seiner Mutter, der heiligen Monika, an ihn und seinen Bruder.
„Begrabet diesen Leib, wo ihr wollt; machet euch um ihn keine Sorge. Nur darum bitte ich: gedenket meiner am Altare Gottes, wo ihr auch seid.“
Augustinus, Bekenntnisse IX, 11, übersetzt von Alfred Hofmann, Bibliothek der Kirchenväter, 1914
Wie lautet das Requiem aeternam auf Deutsch?
Auf Deutsch lautet das Requiem aeternam: „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Laß sie ruhen im Frieden. Amen.“ Es gehört zu den kürzesten Gebeten für Verstorbene und eröffnet als Introitus, als Eingangsgesang, die Totenmessen der Kirche.
V. Requiem aeternam dona eis, Domine.
R. Et lux perpetua luceat eis.
V. Requiescant in pace. R. Amen.V. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.
Lateinisch nach Preces et pia opera, 1952, Nr. 582; deutsch nach Anselm Schott, Das Messbuch der heiligen Kirche, 1894, S. [119], und der Sammlung von Gebeten, übersetzt von Michael Haringer, Regensburg 1865
R. Und das ewige Licht leuchte ihnen.
V. Laß sie ruhen im Frieden. R. Amen.
Für eine einzelne Person ändert man die Fürwörter: „Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm (ihr). Laß ihn (sie) ruhen im Frieden. Amen.“ So steht es bei Schott in den Versikeln der Absolution nach der Totenmesse (S. [117]).
Das Gebet ist alt: Der Introitus der Totenmesse stammt aus dem vierten Buch Esdras (2, 34 und 35), wie das Missale Romanum von 1962 angibt. Für das Stoßgebet mit dem Requiescant in pace gewährte die Kirche einen Ablass von 300 Tagen, der nur den Verstorbenen zugewendet werden kann (Preces et pia opera, Nr. 582). Sie können es an das Tischgebet, an jedes Gesätz (je zehn Ave Maria) des Rosenkranzes oder an das Abendgebet anfügen.
Welches Gebet spricht man für einen einzelnen Verstorbenen?
Für einen einzelnen Verstorbenen eignet sich das Gebet, das das Messbuch von Schott (1894) für die Absolution an der Bahre nach der Totenmesse überliefert: „Erlöse, o Herr, die Seele deines Dieners N.“ An die Stelle von N. setzt man den Namen des Verstorbenen, bei einer Frau sagt man „deiner Dienerin“.
Oremus. Absolve, quaesumus, Domine, animam famuli tui (famulae tuae) N., ut, defunctus (defuncta) saeculo, tibi vivat; et peccata, quae per fragilitatem carnis humana conversatione commisit, tu venia misericordissimae pietatis absterge. Per Christum Dominum nostrum. Amen.
Laßt uns beten. Erlöse, o Herr, die Seele deines Dieners (deiner Dienerin) N., auf daß sie, der Welt abgestorben, bei dir ewig leben möge; tilge gnädiglich, in barmherzigster Huld verzeihend, die Sünden, welche sie aus menschlicher Schwäche begangen. Durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.
Anselm Schott, Das Messbuch der heiligen Kirche, 1894, Messen für die Abgestorbenen, S. [117]
Danach folgen die Versikel „Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe“ in der Einzahl. Das Gebet lässt sich am Sterbebett, am offenen Grab oder zu Hause vor einem Bild des Verstorbenen sprechen. Wer es täglich betet, etwa in den dreißig Tagen nach dem Tod, nimmt eine Übung auf, die schon das frühe Mittelalter kannte: Die Catholic Encyclopedia von 1908 nennt das Gedächtnis am dritten, siebten und dreißigsten Tag und das ständige Gebet im ersten Monat nach dem Tod.
Was ist das De profundis?
Mit De profundis bezeichnet man den Psalm 129 nach der Zählung der Vulgata, „Aus den Tiefen rufe ich zu dir, o Herr“. Die Kirche betet ihn als Bußpsalm für die Lebenden und die Verstorbenen und schließt ihn beim Gebet für die Toten mit dem Requiem aeternam.
De profundis clamavi ad te, Domine; Domine, exaudi vocem meam. Fiant aures tuae intendentes in vocem deprecationis meae. Si iniquitates observaveris, Domine, Domine, quis sustinebit? Quia apud te propitiatio est; et propter legem tuam sustinui te, Domine. Sustinuit anima mea in verbo ejus; speravit anima mea in Domino. A custodia matutina usque ad noctem, speret Israel in Domino; quia apud Dominum misericordia, et copiosa apud eum redemptio. Et ipse redimet Israel ex omnibus iniquitatibus ejus.
V. Requiem aeternam dona eis, Domine. R. Et lux perpetua luceat eis.Aus den Tiefen rufe ich zu dir, o Herr! Herr, erhöre meine Stimme, laß Acht haben dein Ohr auf die Stimme meines Flehens! Wenn du Acht haben wolltest auf die Missetaten, Herr, wer könnte dann bestehen, o Herr?
Aber bei dir ist Versöhnung: und um deines Gesetzes willen harre ich auf dich, o Herr! Meine Seele harret auf sein Wort. Meine Seele hoffet auf den Herrn. Von der Morgenwache bis in die Nacht hoffe Israel auf den Herrn: denn bei dem Herrn ist Barmherzigkeit, und bei ihm ist überreiche Erlösung. Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.
Ps 129: Vulgata; deutsch nach Joseph Franz Allioli, Die Heilige Schrift, Bd. 3, Landshut 1839, S. 264, Rechtschreibung angeglichen; Schlussvers nach der Raccolta von 1910, Nr. 404
V. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. R. Und das ewige Licht leuchte ihnen.
Allioli erklärt dazu, die Kirche bete diesen Psalm „als Bußgebeth der Lebendigen und jener Abgestorbenen“, die in der heiligen Liebe verschieden, aber noch nicht ganz gereinigt sind. Die Raccolta von 1910 beschreibt den alten Brauch, beim abendlichen Glockenläuten kniend das De profundis zu beten. Nach Preces et pia opera (Nr. 585) kann, wer den Psalm für die Verstorbenen betet, einen Ablass von drei Jahren gewinnen, an jedem Tag im November von fünf Jahren. Gleichwertig steht in beiden Sammlungen ein Vater unser und ein Ave Maria mit dem Requiem aeternam.
Welches Gebet passt für verstorbene Eltern und Angehörige?
Für verstorbene Eltern kennt das Messbuch der Kirche eine eigene Oration, ein Gebet des Priesters in der Messe, das sich auf das vierte Gebot beruft. Für Angehörige, Freunde und Wohltäter betet die Kirche „Deus, veniae largitor“, das Gebet zu Gott, dem Spender der Verzeihung.
Deus, qui nos patrem et matrem honorare praecepisti: miserere clementer animabus patris et matris meae (parentum nostrorum), eorumque peccata dimitte; meque (nosque) eos in aeternae claritatis gaudio fac videre. Per Dominum.
O Gott, der du uns geboten hast, Vater und Mutter zu ehren: erbarme dich gnädig der Seelen meines Vaters und meiner Mutter (unserer Eltern) und vergib ihnen ihre Sünden; und lass mich (uns) sie in der Freude der ewigen Klarheit schauen. Durch unsern Herrn.
Missale Romanum 1962, Orationen für Verstorbene, Nr. 10, Für Vater und Mutter; deutsch wörtlich übertragen
Deus, veniae largitor et humanae salutis amator: quaesumus clementiam tuam, ut nostrae congregationis fratres, propinquos et benefactores, qui ex hoc saeculo transierunt, beata Maria semper Virgine intercedente cum omnibus Sanctis tuis, ad perpetuae beatitudinis consortium pervenire concedas. Per Dominum nostrum Jesum Christum.
O Gott, du Spender der Verzeihung und Liebhaber des menschlichen Heiles, wir bitten zu deiner Milde, daß du die Brüder, Anverwandten und Wohlthäter unserer Gemeinde, welche aus dieser Zeitlichkeit hinübergegangen sind, auf die Fürbitte der seligen, allzeit reinen Jungfrau Maria und aller deiner Heiligen zur Gemeinschaft der ewigen Seligkeit gelangen lassest. Durch Jesum Christum.
Anselm Schott, Das Messbuch der heiligen Kirche, 1894, S. [120], Für verstorbene Mitbrüder, Freunde und Wohltäter
Für alle Verstorbenen zusammen betet die Kirche an Allerseelen die Oration Fidelium Deus omnium conditor: „O Gott, du Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen deiner Diener und Dienerinnen Verzeihung aller Sünden, auf daß sie die Nachlassung, welche sie allezeit ersehnt haben, durch fromme Fürbitte erlangen“ (Schott 1894, S. [120]).
Wann betet man für Verstorbene?
Für Verstorbene betet man an jedem Tag. Besondere Tage sind der Sterbetag und das Begräbnis, der dritte, siebte und dreißigste Tag nach dem Tod, der Jahrestag und der Monat November mit Allerseelen am 2. November, im Jahr 2026 ein Montag.
Für den Jahrestag hat das Messbuch ein eigenes Gebet: „O Gott, du Herr der Erbarmungen, gib den Seelen deiner Diener und Dienerinnen, deren Jahrestag des Begräbnisses wir begehen, den Ort der Erquickung, die Seligkeit der Ruhe und die Klarheit des Lichtes“ (Schott 1894, S. [117]).
Den dritten, siebten und dreißigsten Tag nennen schon das Bußbuch, das Erzbischof Theodor (gestorben 690) zugeschrieben wird, und der heilige Dunstan (gestorben 988). Allerseelen ist im Kalender von 1962 ein Tag I. Klasse und wird am 3. November gefeiert, wenn der 2. auf einen Sonntag fällt.
Wer im November täglich für die Verstorbenen betet, kann einmal am Tag einen Ablass von drei Jahren gewinnen, nach einem ganzen Monat unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass (Preces et pia opera, Nr. 589). Vornehmlich hilft den Verstorbenen nach der Lehre von Trient die heilige Messe; nach dem Kirchenrecht von 1917 darf sie für die Verstorbenen dargebracht werden (can. 809).
Hilft das Gebet, wenn der Verstorbene schon im Himmel ist?
Ob ein Verstorbener das Gebet noch braucht, weiß nur Gott. Ist er schon im Himmel, bedarf er keiner Hilfe mehr. Verloren ist das Gebet trotzdem nicht: Nach dem heiligen Thomas von Aquin nützt die Fürbitte aus Liebe auch dem, der sie verrichtet.
Das Supplement zur Summa theologiae sagt, die Heiligen im Himmel seien „von aller Not frei“ und darum nicht Empfänger der Fürbitte (q. 71, a. 8). Zugleich verdient das Werk der Fürbitte, weil es aus der Liebe kommt, dem Betenden selbst das ewige Leben, und zwar „noch mehr“ als dem, für den es getan wird (q. 71, a. 4).
Die Kirche betete schon früh auch für Menschen, die heiligmäßig gelebt hatten. Die Catholic Encyclopedia von 1908 erinnert daran, dass ein befreundeter Bischof für den heiligen Gallus nach dessen Tod das Messopfer darbrachte. Das Konzil von Trient warnt zugleich vor Neugier und Aberglauben in diesen Fragen. Das Gebet für Verstorbene ist kein Mittel, das von selbst wirkt, sondern eine Bitte an Gottes Barmherzigkeit.
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Häufige Fragen zum Gebet für Verstorbene
Was bedeutet R.I.P.?
R.I.P. steht für Requiescat in pace, „er (sie) ruhe in Frieden“. Die Formel schließt in der Liturgie das Gebet für einen Verstorbenen; für mehrere heißt es Requiescant in pace, „sie mögen ruhen in Frieden“.
Darf man für einen Verstorbenen eine heilige Messe lesen lassen?
Eine heilige Messe darf man für einen Verstorbenen lesen lassen. Das Kirchenrecht von 1917 erlaubt, die Messe für Lebende und für Verstorbene darzubringen (can. 809), und nach dem Konzil von Trient hilft den Seelen im Fegfeuer vornehmlich das Messopfer. Fragen Sie dazu im Pfarrbüro oder beim Priester nach.
Wie lange soll man für einen Verstorbenen beten?
Eine Frist für das Gebet für einen Verstorbenen nennen die überlieferten Bücher nicht. Die Kirche selbst gedenkt der Toten am Jahrestag jedes Jahr aufs Neue, mit einer eigenen Messe und einem eigenen Gebet im Messbuch.
Kann ich einen Ablass für einen Verstorbenen gewinnen?
Einen Ablass können Sie einem Verstorbenen zuwenden, wenn Sie ihn im Stand der Gnade gewinnen (can. 925). Nach dem Kirchenrecht von 1917 lassen sich alle vom Papst verliehenen Ablässe den Seelen im Fegfeuer zuwenden, wenn nichts anderes bestimmt ist (can. 930). Für einen vollkommenen Ablass gelten die üblichen Bedingungen: Beichte, heilige Kommunion, Besuch einer Kirche und Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters.
- Biblia Sacra Vulgatae editionis: Ps 129; 2 Mach 12, 43 bis 46. drbo.org
- Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, 4. Auflage, Landshut 1839, Bd. 3, S. 264 (Ps 129); Bd. 4 (2 Makk 12). archive.org
- Konzil von Trient, 25. Sitzung, 3. Dezember 1563, Dekret über das Fegfeuer, englische Übersetzung. papalencyclicals.net
- Augustinus: Confessiones IX, 11; deutsch: Bekenntnisse, übersetzt von Alfred Hofmann, Bibliothek der Kirchenväter, München 1914. bkv.unifr.ch
- Missale Romanum, Ausgabe 1962: Allerseelen, Totenmessen, Orationen für Verstorbene. archive.org
- Anselm Schott: Das Messbuch der heiligen Kirche, 1894, Messen für die Abgestorbenen, S. [117] bis [120]. archive.org
- Sacra Paenitentiaria Apostolica: Preces et pia opera indulgentiis ditata, zweite Ausgabe, Vatikanische Druckerei 1952, Vorbemerkung Nr. 4, Nr. 582, 583, 585, 589. archive.org
- The Raccolta, or Collection of Indulgenced Prayers and Good Works, Ausgabe 1910, Nr. 404. archive.org
- Sammlung von Gebeten und frommen Werken, für welche die Päpste heilige Ablässe verliehen haben, herausgegeben von Aloysius Prinzivalli, übersetzt von Michael Haringer, 2. Ausgabe, Regensburg 1865. archive.org
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 809, 925 und 930. codex-iuris-canonici.de
- Thomas von Aquin: Summa theologiae, Supplement, q. 71, a. 4 und a. 8. newadvent.org
- Patrick Toner: Prayers for the Dead, Catholic Encyclopedia, Bd. 4, New York 1908. newadvent.org
Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.
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