Allerseelen

Rosenkranz beten für Verstorbene: Ablauf, Gebete und Brauch

Der überlieferte Rosenkranz mit einer Bitte für die Toten: wie Sie ihn für einen Verstorbenen beten, welche Gebete Sie einfügen und woher der Brauch der Totenwache kommt.

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Neben dem Bild des Verstorbenen brennt eine Kerze, und durch die Finger gleiten die Perlen, Gesätz um Gesätz, also je zehn Ave Maria mit einem Vater unser. Den Rosenkranz für Verstorbene zu beten, ist eine der stillsten Weisen, einem Menschen über den Tod hinaus beizustehen. Es ist kein eigenes Gebet, sondern der überlieferte Rosenkranz mit einer bestimmten Meinung und einem kurzen Zusatz nach jedem Gesätz. Dieser Ratgeber zeigt den Ablauf, die Gebetstexte lateinisch und deutsch, die Herkunft des Brauchs und was die Kirche über den Nutzen dieses Gebets für die Verstorbenen lehrt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Rosenkranz für Verstorbene ist der überlieferte Rosenkranz mit 15 Geheimnissen, den man in der Meinung für einen oder für alle Verstorbenen betet. Nach jedem Gesätz fügt man „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“ an.
  • Für fünf andächtig gebetete Gesätze gewährte die Kirche einen Ablass von fünf Jahren. Nach dem Kirchenrecht von 1917 lassen sich die vom Papst verliehenen Ablässe den Seelen im Fegfeuer zuwenden, sofern nichts anderes bestimmt ist (can. 930).
  • Die Wurzel des Brauchs ist alt: Um das Jahr 800 betete in den Klöstern St. Gallen und Reichenau jeder Priester für einen verstorbenen Mitbruder fünfzig Psalmen. Der Rosenkranz heißt Psalter Mariens, weil seine 150 Ave Maria den 150 Psalmen entsprechen.
  • Allerseelen am 2. November ist im Kalender von 1962 ein Tag I. Klasse. Im Jahr 2026 fällt es auf einen Montag.

Wie betet man den Rosenkranz für Verstorbene?

Den Rosenkranz für Verstorbene betet man wie jeden Rosenkranz, nur mit einer festen Meinung: Zu Beginn nennt man den Verstorbenen oder alle armen Seelen, und nach jedem Gesätz fügt man das Gebet „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen“ an.

Der Ablauf folgt der Ordnung, die Sie auch aus unserem Gebetsbegleiter zum Rosenkranz kennen:

  1. Kreuzzeichen und Meinung, etwa: „für meinen verstorbenen Vater N.“ oder „für alle armen Seelen im Fegfeuer“.
  2. Am Kreuz das Glaubensbekenntnis, dann ein Vater unser, drei Ave Maria und das Ehre sei dem Vater.
  3. Fünf Gesätze aus je einem Vater unser, zehn Ave Maria mit dem Geheimnis und einem Ehre sei dem Vater.
  4. Nach jedem Gesätz das „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“ und, wo es üblich ist, das Fatimagebet.
  5. Zum Schluss das Salve Regina. Wer mag, schließt mit dem Psalm De profundis („Aus den Tiefen“, Ps 129), den die Kirche für die Verstorbenen betet.

Die Meinung muss nicht laut gesprochen werden. Es genügt, vor dem ersten Gesätz still an den Menschen zu denken, für den Sie beten. Den Rosenkranz dürfen Sie allein beten oder gemeinsam mit der Familie, zu Hause, in der Kirche oder am Grab.

Welche Gebete fügt man für die Verstorbenen ein?

Für die Verstorbenen fügt man nach jedem Gesätz das Requiem aeternam ein, auf Deutsch „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“. Betet man für eine einzelne Person, sagt man „gib ihm“ oder „gib ihr“. Am Ende des Rosenkranzes kann der Psalm De profundis folgen.

V. Requiem aeternam dona eis, Domine.
R. Et lux perpetua luceat eis.
V. Requiescant in pace. R. Amen.

V. Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.
R. Und das ewige Licht leuchte ihnen.
V. Laß sie ruhen im Frieden. R. Amen.

Für einen Verstorbenen: V. Requiem aeternam dona ei, Domine. R. Et lux perpetua luceat ei. V. Requiescat in pace. R. Amen.

V. Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe. R. Und das ewige Licht leuchte ihm (ihr). V. Laß ihn (sie) ruhen im Frieden. R. Amen.

Lateinisch nach Preces et pia opera, 1952, Nr. 582; deutsch nach der Sammlung von Gebeten, übersetzt von Michael Haringer, Regensburg 1865; Einzahl lateinisch und deutsch nach dem Messbuch von Anselm Schott, 1894, S. [117]

Für dieses Stoßgebet mit dem Requiescant in pace gewährte die Kirche einen Ablass von 300 Tagen, der nur den Verstorbenen zugewendet werden kann (Preces et pia opera, Nr. 582). Wo nach jedem Gesätz das Fatimagebet üblich ist, betet man es wie gewohnt und fügt das Requiem aeternam danach an. Den Psalm De profundis mit allen Versen finden Sie im Ratgeber zu den Gebeten für Verstorbene.

Welche Geheimnisse betet man für einen Verstorbenen?

Eigene Rosenkranzgeheimnisse für Verstorbene kennt die Überlieferung nicht. Man betet die Reihe des Tages: montags und donnerstags die freudenreichen, dienstags und freitags die schmerzhaften, mittwochs, samstags und sonntags die glorreichen Geheimnisse.

Reihe Tage Geheimnisse
Freudenreich Montag, Donnerstag Verkündigung, Besuch bei Elisabeth, Geburt, Aufopferung im Tempel, Wiederfindung im Tempel
Schmerzhaft Dienstag, Freitag Todesangst am Ölberg, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung, Kreuzigung
Glorreich Mittwoch, Samstag, Sonntag Auferstehung, Himmelfahrt, Sendung des Heiligen Geistes, Aufnahme Mariens in den Himmel, Krönung Mariens

Wer an mehreren Abenden für denselben Menschen betet, etwa in den Tagen bis zur Beerdigung, kann die drei Reihen nacheinander beten und so alle 15 Geheimnisse betrachten. Die glorreichen Geheimnisse beginnen mit der Auferstehung des Herrn. Sie passen zur Lesung der ersten Messe an Allerseelen, die von der Auferstehung der Toten spricht (1 Kor 15, 51 bis 57).

Woher kommt der Rosenkranz bei der Totenwache?

Der Rosenkranz bei der Totenwache führt einen sehr alten Brauch fort. In den Klöstern wachte man betend bei den Toten und betete Psalmen für die verstorbenen Brüder. Wer die Psalmen nicht lesen konnte, betete Vater unser an ihrer Stelle. Mit dieser Übung hängt der Psalter Mariens eng zusammen.

Die Belege reichen weit zurück. Um 800 vereinbarten die Klöster St. Gallen und Reichenau, dass für jeden verstorbenen Bruder alle Priester eine Messe lesen und fünfzig Psalmen beten. Die Gewohnheiten von Cluny, die Udalrich 1096 aufschrieb, regeln, was jeder für einen verstorbenen Bruder beten soll:

„Quicunque sacerdos est cantet missam pro eo, et qui non est sacerdos quinquaginta psalmos aut toties orationem dominicam.“ Wer Priester ist, singe für ihn eine Messe; wer nicht Priester ist, bete fünfzig Psalmen oder ebenso oft das Gebet des Herrn.

Consuetudines Cluniacenses (PL 149, 776), angeführt in: The Rosary, Catholic Encyclopedia, Bd. 13, 1912

Die Templerregel von etwa 1128 verlangte von den Rittern, die nicht am Chorgebet teilnehmen konnten, beim Tod eines Bruders hundert Vater unser am Tag, eine Woche lang. Seit dem 12. Jahrhundert beteten die Gläubigen 50 oder 150 Ave Maria, in Anlehnung an die Psalmen. Die Raccolta von 1910 beschreibt den Rosenkranz deshalb als Psalter Mariens: 150 Ave Maria, „so viele, wie es Psalmen gibt“. Auch die Totenwache selbst ist alt. Herbert Thurston vermutet in der Catholic Encyclopedia von 1908, dass das Totenoffizium der Kirche aus dem Psalmengebet neben dem Leichnam entstanden ist.

Wann betet man den Rosenkranz für Verstorbene?

Den Rosenkranz für Verstorbene darf man an jedem Tag beten. Besondere Zeiten sind die Tage zwischen Tod und Begräbnis, der dritte, siebte und dreißigste Tag nach dem Tod, der Jahrestag sowie der November mit Allerseelen am 2. November.

Der dritte, siebte und dreißigste Tag sind alte Gedenktage. Das Messbuch von 1962 erlaubt an ihnen, gezählt vom Tod oder vom Begräbnis an, eine Totenmesse wie am Sterbetag mit eigenen Orationen (Rubriken, Nr. 417), und schon im angelsächsischen England erklärten das Bußbuch, das Erzbischof Theodor (gestorben 690) zugeschrieben wird, und der heilige Dunstan (gestorben 988) das Gedächtnis an diesen Tagen ausführlich. Allerseelen ist im Kalender von 1962 ein Tag I. Klasse. Fällt der 2. November auf einen Sonntag, feiert die Kirche es am 3. November. Im Jahr 2026 ist der 2. November ein Montag.

Für den Monat November gewährte die Kirche jedem, der für die Verstorbenen betet, einmal am Tag einen Ablass von drei Jahren; wer es jeden Tag des Monats tut, kann unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass gewinnen (Preces et pia opera, Nr. 589). Wer in den acht Tagen ab Allerseelen einen Friedhof besucht und dort für die Verstorbenen betet, kann an jedem dieser Tage unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass gewinnen, der nur den Verstorbenen zugewendet werden kann (Nr. 592). Der Rosenkranz am Grab verbindet beides.

Hilft der Rosenkranz den Verstorbenen wirklich?

Der Rosenkranz hilft den Verstorbenen nicht wie ein Mittel, das von selbst wirkt, sondern als Fürbitte. Das Konzil von Trient lehrte 1563, dass den Seelen im Fegfeuer die Fürbitten der Gläubigen helfen, vor allem aber das heilige Messopfer.

Der heilige Thomas von Aquin begründet das mit der Liebe, die die Glieder der Kirche verbindet und mit dem Tod nicht endet. Die Fürbitte ändert den Stand des Verstorbenen nicht, sie kann aber seine Strafe mindern (Supplement zur Summa theologiae, q. 71, a. 2).

Hinzu kommt der Ablass, den man im Stand der Gnade gewinnen kann (CIC 1917, can. 925): Für fünf andächtig gebetete Gesätze gewährte die Kirche fünf Jahre, für das gemeinsame Gebet einmal am Tag zehn Jahre. Wer einen ganzen Monat lang täglich betet, kann unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass gewinnen: Beichte, heilige Kommunion, Besuch einer Kirche und Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters (Preces et pia opera, Nr. 395; die Bedingungen nennt die Vorbemerkung Nr. 4). Diese Ablässe lassen sich nach can. 930 den Seelen im Fegfeuer zuwenden, sofern nichts anderes bestimmt ist.

Weil Trient das Messopfer an die erste Stelle setzt, gehört zum Rosenkranz gut auch eine heilige Messe, die Sie für den Verstorbenen lesen lassen (CIC 1917, can. 809).

Aus der Werkstatt

Bei unserem Memento-Mori-Rosenkranz sind die Vater-unser-Perlen als kleine Schädel gearbeitet, je 10 mm groß. Sie liegen genau dort unter dem Daumen, wo Sie nach dem Ehre sei dem Vater das Gebet für die Verstorbenen anfügen und zum nächsten Gesätz übergehen.

Geknüpft wird aus 550er Paracord mit 4 mm Stärke, die Ave-Perlen sind Metallperlen in Anthrazit. Die Abstände knüpfen wir so, dass der Daumen bequem dazwischenpasst. Mit Kreuz misst der Rosenkranz etwa 55 cm; Mittelstück und Kreuz lassen sich auf Wunsch tauschen. Weitere Stücke finden Sie unter Memento mori und bei allen handgefertigten Rosenkränzen.

Memento-Mori-Rosenkranz aus schwarzem Paracord mit anthrazitfarbenen Perlen, Schädelperlen und Kruzifix Im Artikel erwähnt Memento Mori Paracord-Rosenkranz Handgeknüpft aus 550er Paracord, mit Schädelperlen für das Vater unser, Wundertätiger Medaille und 12-Apostel-Kruzifix. Zum Rosenkranz Grab-Christi-Rosenkranz aus schwarzem Paracord mit braunen Steinperlen und Mittelstück mit dem Antlitz Christi Passend zum Gebet für Verstorbene Grab Christi Paracord-Rosenkranz Handgeknüpft aus 550er Paracord mit 10 mm Steinperlen, Mittelstück mit dem Antlitz Christi und 12-Apostel-Kruzifix. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zum Rosenkranz für Verstorbene

Darf man den Rosenkranz für Verstorbene allein beten?

Den Rosenkranz für Verstorbene dürfen Sie allein beten, still oder halblaut. Der Ablass von fünf Jahren gilt für das private Gebet. Für das gemeinsame Gebet, in der Familie oder in der Kirche, gewährte die Kirche einmal am Tag einen Ablass von zehn Jahren (Preces et pia opera, Nr. 395).

Muss man alle fünf Gesätze am Stück beten?

Die fünf Gesätze dürfen Sie über den Tag verteilen. Für den Ablass genügt es, wenn alle Gesätze am selben Tag gebetet werden; so entschied die Ablasskongregation am 8. Juli 1908 (Preces et pia opera, Nr. 395, Anmerkung 1).

Muss der Rosenkranz geweiht sein?

Für die Ablässe von fünf und zehn Jahren verlangt die Ablasssammlung keinen geweihten Rosenkranz (Preces et pia opera, Nr. 395 a und b). Ist er von einem Dominikaner oder einem bevollmächtigten Priester geweiht, kann man weitere Ablässe gewinnen (Preces et pia opera, Nr. 395, Anmerkung 2).

Darf man einem Verstorbenen den Rosenkranz ins Grab geben?

Einem Verstorbenen einen Rosenkranz mitzugeben, verbietet das Kirchenrecht von 1917 nicht. Es verlangt, geweihte Dinge ehrfürchtig zu behandeln und weder profan noch unpassend zu gebrauchen (can. 1150). Ein Rosenkranz in den gefalteten Händen eines Toten entspricht dieser Ehrfurcht; im Zweifel fragen Sie den Pfarrer.

Quellen
  1. Sacra Paenitentiaria Apostolica: Preces et pia opera indulgentiis ditata, zweite Ausgabe, Vatikanische Druckerei 1952, Vorbemerkung Nr. 4, Nr. 395, 582, 589, 592. archive.org
  2. The Raccolta, or Collection of Indulgenced Prayers and Good Works, Ausgabe 1910, Nr. 261 (Psalter Mariens). archive.org
  3. Codex Iuris Canonici von 1917, can. 809, 925, 930 und 1150. codex-iuris-canonici.de
  4. Konzil von Trient, 25. Sitzung, 3. Dezember 1563, Dekret über das Fegfeuer, englische Übersetzung. papalencyclicals.net
  5. Thomas von Aquin: Summa theologiae, Supplement, q. 71, a. 2. newadvent.org
  6. Missale Romanum, Ausgabe 1962: Allerseelen (2. November), Rubriken Nr. 417. archive.org
  7. Herbert Thurston und Andrew Shipman: The Rosary, Catholic Encyclopedia, Bd. 13, New York 1912; Herbert Thurston: Christian Burial, Bd. 3, 1908. Patrick Toner: Prayers for the Dead, Bd. 4, 1908. newadvent.org
  8. Sammlung von Gebeten und frommen Werken, für welche die Päpste heilige Ablässe verliehen haben, herausgegeben von Aloysius Prinzivalli, übersetzt von Michael Haringer, 2. Ausgabe, Regensburg 1865 (Allerheiligenlitanei). archive.org
  9. Anselm Schott: Das Messbuch der heiligen Kirche, 1894, Messen für die Abgestorbenen, S. [117] und [119]. archive.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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Wir knüpfen Rosenkränze von Hand in unserer Werkstatt in Deutschland und schreiben im Ratgeber über Gebete, Devotionalien und den überlieferten katholischen Glauben.

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