Devotionalien

Kruzifix: Bedeutung, Unterschied zum Kreuz und Platz im Haus

Ein Kreuz zeigt das Zeichen der Erlösung, ein Kruzifix den Erlöser selbst. Was das Kruzifix bedeutet, warum es auf jedem Altar steht und wie Sie es im eigenen Haus würdig aufhängen.

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Über der Tür, am Rosenkranz, auf jedem Altar der überlieferten Messe: Das Kruzifix begegnet Katholiken überall, und doch fragen viele, worin es sich eigentlich von einem Kreuz unterscheidet. Die Antwort ist einfach und hat Folgen. Ein Kruzifix zeigt nicht nur das Zeichen, sondern den Gekreuzigten selbst. Dieser Ratgeber erklärt die Bedeutung des Kruzifixes, die Inschrift INRI, die Vorschrift des Missale von 1962 für den Altar und wie Sie ein Kruzifix im eigenen Haus würdig aufhängen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Kruzifix ist ein Kreuz mit dem Bild des gekreuzigten Heilands, dem sogenannten Korpus. Ein Kreuz ohne Korpus ist ein schlichtes Kreuz.
  • Der Name kommt vom lateinischen crucifixus, „der Gekreuzigte“, so wie Paulus schreibt: praedicamus Christum crucifixum (1 Kor 1, 23).
  • Das Missale Romanum von 1962 verlangt für jede heilige Messe in der Mitte des Altars „ein hinreichend großes Kreuz mit dem Gekreuzigten“ (Rubricae generales, Nr. 527).
  • Die Verehrung gilt nicht dem Holz oder dem Metall, sondern Christus, den das Bild darstellt (Thomas von Aquin, S. th. III, q. 25, a. 3).

Was ist ein Kruzifix?

Ein Kruzifix ist ein Kreuz, an dem die Gestalt des gekreuzigten Jesus Christus dargestellt ist. Diese Figur heißt Korpus, vom lateinischen Wort für Leib. Das Kruzifix zeigt also nicht nur das Werkzeug der Erlösung, sondern den Erlöser selbst in seinem Leiden am Karfreitag.

Das Wort kommt aus dem Lateinischen: crucifixus heißt „der Gekreuzigte“. In der Vulgata steht es an der Stelle, die man als Leitwort über jedes Kruzifix schreiben könnte: nos autem praedicamus Christum crucifixum. Allioli übersetzt (4. Auflage, Landshut 1859): „wir hingegen predigen Christum, den Gekreuzigten, der den Juden zwar ein Ärgerniß und den Heiden eine Thorheit ist“ (1 Kor 1, 23; Schreibung angeglichen).

Ein Kruzifix kann an der Wand hängen, auf einem Fuß stehen, auf dem Altar stehen oder als kleines Kreuz am Ende eines Rosenkranzes liegen. Dort beginnt auch das Gebet: Am Kreuz macht man das Kreuzzeichen und betet das Glaubensbekenntnis, wie es unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz Schritt für Schritt zeigt.

Was ist der Unterschied zwischen Kreuz und Kruzifix?

Der Unterschied zwischen Kreuz und Kruzifix liegt im Korpus. Ein Kreuz besteht nur aus den gekreuzten Balken und ist das Zeichen der Erlösung. Ein Kruzifix trägt zusätzlich die Figur des gekreuzigten Heilands. Jedes Kruzifix ist also ein Kreuz, aber nicht jedes Kreuz ist ein Kruzifix.

Kreuz Kruzifix
Gestalt zwei gekreuzte Balken, ohne Figur Kreuz mit dem Korpus des Gekreuzigten
Was es zeigt das Zeichen der Erlösung den Erlöser in seinem Leiden
In der Kunst offen auf Denkmälern seit dem 5. Jahrhundert Figur rund ein Jahrhundert später, verbreitet seit dem 6. Jahrhundert
Auf dem Altar reicht nach dem Missale 1962 nicht vorgeschrieben: Crux cum Crucifixo
Beispiele Jerusalemer Kreuz, schlichtes Holzkreuz Wandkruzifix, Altarkreuz, Rosenkranzkreuz mit Korpus

Die Catholic Encyclopedia beschreibt den Weg so: Die ersten Christen zeigten das Kreuz kaum offen und gebrauchten verhüllte Zeichen wie den Anker. Im 5. Jahrhundert erschien das Kreuz auf öffentlichen Denkmälern, die Gestalt des Gekreuzigten erst ein Jahrhundert später. Eine frühe Darstellung steht im Rabula-Evangeliar von 586, wo Christus noch bekleidet am Kreuz hängt. Das Bild des leidenden, dornengekrönten Heilands verbreitete sich im 13. Jahrhundert, nach der Catholic Encyclopedia wohl unter dem Einfluss der Franziskaner.

Was bedeutet das Kruzifix für Katholiken?

Für Katholiken bedeutet das Kruzifix das Opfer, durch das Jesus Christus die Welt erlöst hat. Es erinnert an seinen Tod am Karfreitag und an die Liebe, mit der er ihn auf sich nahm. Wer vor einem Kruzifix betet, richtet seine Ehrfurcht an Christus selbst, nicht an das Holz.

Am Fest der Kreuzerhöhung, das der Kalender von 1962 am 14. September feiert, beginnt die heilige Messe mit dem Introitus: Nos autem gloriari oportet in Cruce Domini nostri Iesu Christi: in quo est salus, vita et resurrectio nostra …, „Wir aber müssen uns rühmen im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus: in ihm ist unser Heil, Leben und Auferstehung …“. Der heilige Thomas von Aquin erklärt, warum dabei kein Götzendienst geschieht. Dem Bild Christi als bloßem Ding, „etwa geschnitztem oder bemaltem Holz“, gebühre keine Ehrfurcht. Man verehre es nur, insofern es Bild ist, und dann mit derselben Ehrfurcht wie Christus selbst (S. th. III, q. 25, a. 3).

„Von mir aber sei fern, mich zu rühmen, außer in dem Kreuze unsers Herrn Jesu Christi.“

Gal 6, 14, nach Allioli (Ausgabe 1859), Schreibung angeglichen

Was bedeutet INRI über dem Kruzifix?

INRI steht für Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Diese Inschrift ließ Pontius Pilatus nach dem Johannesevangelium über dem Kreuz anbringen. Auf vielen Kruzifixen steht sie als Tafel über dem Haupt des Heilands.

Die Stelle lautet in der Vulgata: Scripsit autem et titulum Pilatus, et posuit super crucem. Erat autem scriptum: Jesus Nazarenus, Rex Judaeorum (Joh 19, 19). Pilatus schrieb die Tafel nach demselben Kapitel in drei Sprachen, hebräisch, griechisch und lateinisch. Die vier Buchstaben sind die lateinische Fassung in Kurzform. Für die Gläubigen sagt die Tafel die Wahrheit: Der Gekreuzigte ist König. Auf unseren Deus-Vult-Rosenkränzen steht INRI oben auf dem Kreuz, links und rechts Alpha und Omega.

Warum steht auf jedem Altar ein Kruzifix?

Auf jedem Altar steht ein Kruzifix, weil das heilige Messopfer dasselbe Opfer ist wie das am Kreuz. Das Missale Romanum von 1962 schreibt deshalb vor, dass bei jeder Messe in der Mitte des Altars ein hinreichend großes Kreuz mit dem Gekreuzigten steht, zwischen den Leuchtern.

Der Wortlaut der Rubrik: Super altare adsit in medio Crux satis magna cum Crucifixo, et candelabra (Rubricae generales Missalis Romani, Nr. 527). Die Catholic Encyclopedia von 1907 nennt den Grund: Das Kruzifix soll Priester und Volk daran erinnern, dass das Opfer auf dem Altar dasselbe ist wie am Kreuz. Benedikt XIV. schärfte am 16. Juli 1746 ein, dass es bei jeder Messe auf dem Altar stehen muss. Tritt der Priester an den Altar, verneigt er sich tief „vor dem Altar oder dem Bild des Gekreuzigten darüber“ (Ritus servandus II, 2).

In der Passionszeit werden nach dem Missale die Kreuze am Samstag vor dem ersten Passionssonntag verhüllt. Sie bleiben verhüllt bis zur Kreuzverehrung am Karfreitag, wenn der Priester das Kreuz in drei Schritten enthüllt und singt: Ecce lignum Crucis, „Seht das Holz des Kreuzes“.

Wo hängt man ein Kruzifix im Haus auf?

Ein Kruzifix hängt man im Haus an einem Platz auf, an dem man es täglich sieht und davor beten kann: im Wohnraum, über dem Bett, im Flur oder über dem Hausaltar. Eine kirchliche Vorschrift für den Ort gibt es nicht. Wichtig ist ein würdiger Platz, nicht zwischen Alltagsdingen.

Ein Kreuz an der Wand ist kein Schmuck. Es zeigt, wessen Haus man betritt. Kleinere Kruzifixe um 35 cm passen gut in Schlafzimmer, Flur und Kinderzimmer, größere mit 45 bis 55 cm in den Wohnraum, den Herrgottswinkel oder über den Hausaltar. Wer lieber ein Kreuz zum Aufstellen möchte, etwa für den Schreibtisch oder einen kleinen Gebetsplatz, findet es unter den Stehkreuzen.

Vor einem Kruzifix beten viele Gläubige das folgende Gebet. Das Missale von 1962 verzeichnet dafür einen Ablass von zehn Jahren. Einen vollkommenen Ablass nennt es für alle, die das Gebet nach der heiligen Messe vor einem Bild des Gekreuzigten verrichten und nach der Meinung des Heiligen Vaters beten (Pius XI., 2. Februar 1934). Wer einen Ablass gewinnen will, muss nach dem Kirchenrecht von 1917 getauft und nicht exkommuniziert sein, wenigstens am Ende der vorgeschriebenen Werke im Stand der Gnade stehen, die Absicht haben, ihn zu gewinnen, und die Werke so verrichten, wie die Verleihung es verlangt (can. 925).

En ego, o bone et dulcissime Iesu, ante conspectum tuum genibus me provolvo, ac maximo animi ardore te oro atque obtestor, ut meum in cor vividos fidei, spei et caritatis sensus, atque veram peccatorum meorum paenitentiam, eaque emendandi firmissimam voluntatem velis imprimere; dum magno animi affectu et dolore tua quinque vulnera mecum ipse considero ac mente contemplor, illud prae oculis habens, quod iam in ore ponebat tuo David propheta de te, o bone Iesu: Foderunt manus meas et pedes meos: dinumeraverunt omnia ossa mea.

Siehe, o gütiger und süßester Jesus, vor Deinem Angesicht werfe ich mich auf die Knie und bitte und beschwöre Dich mit der größten Glut meiner Seele: Präge meinem Herzen lebendige Gesinnungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe ein, wahre Reue über meine Sünden und den festesten Willen, sie zu bessern, während ich mit großer Liebe und mit Schmerz der Seele Deine fünf Wunden bei mir selbst betrachte und im Geist beschaue und dabei vor Augen habe, was schon David, der Prophet, von Dir, o gütiger Jesus, Dir in den Mund legte: Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt, sie haben alle meine Gebeine gezählt.

Oratio ad D. N. I. C. Crucifixum, Missale Romanum 1962, Gratiarum actio post Missam; Ps 21, 17. Deutsch: eigene Übersetzung

Muss ein Kruzifix geweiht sein?

Ein Kruzifix muss nicht geweiht sein, um ein würdiges Andachtsbild zu sein. Selbst das Altarkreuz braucht nach der überlieferten Praxis keine Segnung. Geweiht wird es zum Sakramentale, durch das die Kirche kraft ihrer Fürbitte geistliche Wirkungen erlangt, nicht durch den Gegenstand selbst.

Die Catholic Encyclopedia von 1907 hält fest, dass das Altarkreuz nicht gesegnet sein muss, aber von jedem Priester mit der Segensformel für Bilder gesegnet werden kann. Das deckt sich mit dem Kirchenrecht von 1917: Segnungen darf jeder Priester spenden, ausgenommen die vorbehaltenen (can. 1147 § 2), und gültig sind sie nur mit der von der Kirche vorgeschriebenen Formel (can. 1148 § 2).

Sakramentalien bestimmt der Codex als Dinge oder Handlungen, durch die die Kirche „kraft ihrer Fürbitte“ vor allem geistliche Wirkungen erlangt (can. 1144). Geweihte oder durch eine weihende Segnung bestimmte Dinge sind ehrfürchtig zu behandeln und nicht zu profanem Gebrauch zu verwenden, auch wenn sie Privatbesitz sind (can. 1150). Fragen Sie nach der heiligen Messe den Priester, ob er Ihr Kreuz weiht.

Aus welchem Material sollte ein Kruzifix sein?

Ein Kruzifix kann aus jedem würdigen Material sein: Holz, Stein, Metall oder bemaltes Kunstharz. Für die Verehrung ist der Stoff gleichgültig, denn sie gilt dem Bild Christi. Für den Alltag zählen Haltbarkeit, Größe und eine sorgfältig gearbeitete Figur, an der das Auge beim Gebet ruhen kann.

Thomas von Aquin nennt ausdrücklich das Bild des Kreuzes „aus irgendeinem anderen Stoff, etwa aus Stein oder Holz, aus Silber oder Gold“ und sagt, man verehre es als Bild Christi (S. th. III, q. 25, a. 4). An der Wand wirkt geschnitztes Holz warm und ruhig, und die Maserung macht jedes Stück verschieden. Bei einem Korpus aus Kunstharz kann die Ausarbeitung bis in die Gesichtszüge reichen. Am Rosenkranz ist das Kreuz meist aus Metall, weil es täglich durch die Finger geht. Unsere Wandkreuze zeigen beide Linien nebeneinander.

Bronzefarbenes Kruzifix an einem handgeknüpften Rosenkranz mit olivgrüner Paracord-Kordel und Metallperlen
Ein Kruzifix aus Metall am Ende eines Paracord-Rosenkranzes aus unserem Sortiment.
Aus der Werkstatt

Unsere Wand- und Stehkreuze schnitzen wir nicht selbst, und das sagen wir offen. Die Kreuze der Linie Siena werden in Italien von Hand aus Lindenholz geschnitzt und im Siena-Stil farbig bemalt. Die Maserung des Lindenholzes macht jedes Stück zum Unikat. Das Wandkreuz Siena Barock misst 45 mal 20 cm, das Stehkreuz Siena 47 mal 20 cm und steht auf einem stabilen Fuß.

Daneben führen wir Wandkruzifixe mit Holzkreuz und einem farbig handbemalten Korpus aus Kunstharz, 35 und 55 cm hoch, mit Aufhänger an der Rückseite. Selbst entworfen haben wir dagegen das 8 cm große Metallkreuz unserer Deus-Vult-Rosenkränze.

Handgeschnitztes Wandkreuz Siena Barock aus Lindenholz mit farbig bemaltem Korpus Im Artikel erwähnt Wandkreuz Siena Barock, 45 cm In Italien von Hand aus Lindenholz geschnitzt und im Siena-Stil farbig bemalt, 45 mal 20 cm. Zum Wandkreuz Handgeschnitztes Stehkreuz Siena aus Lindenholz mit bemaltem Korpus auf einem Standfuß Im Artikel erwähnt Stehkreuz Siena, 47 cm Handgeschnitzt aus Lindenholz, farbig bemalt, mit stabilem Standfuß für Schreibtisch oder Hausaltar. Zum Stehkreuz

Häufige Fragen zum Kruzifix

Ist ein Kruzifix nicht ein verbotenes Bildnis?

Ein Kruzifix ist kein verbotenes Bildnis. Thomas von Aquin erklärt, das Gebot verbiete nicht jedes Bild, sondern Bilder, die man anbetet wie die Heiden ihre Götter. Das Kruzifix wird nicht als Ding verehrt, sondern um Christi willen, den es zeigt (S. th. III, q. 25, a. 3 ad 1 und ad 2).

Warum wird das Kruzifix in der Passionszeit verhüllt?

Das Kruzifix wird in der Passionszeit verhüllt, weil das Missale es so vorschreibt: vom Samstag vor dem ersten Passionssonntag bis zur Kreuzverehrung am Karfreitag. Umso stärker wirkt dann die feierliche Enthüllung mit dem Ruf Ecce lignum Crucis.

Was macht man mit einem zerbrochenen Kruzifix?

Ein zerbrochenes geweihtes Kruzifix behandeln Sie weiter mit Ehrfurcht, denn geweihte Dinge dürfen nach dem Kirchenrecht von 1917 nicht zu profanem Gebrauch verwendet werden (can. 1150). Wir raten, es nicht in den Hausmüll zu geben, sondern den Pfarrer zu fragen, was mit ihm geschehen soll.

Ist ein Kruzifix ein passendes Geschenk?

Ein Kruzifix ist ein übliches Geschenk zur Hochzeit und zum Einzug in ein neues Haus. Eine Auswahl an Wand- und Stehkreuzen finden Sie in unserer Kollektion Kreuze.

Quellen
  1. Missale Romanum, Editio typica 1962: Rubricae generales, Nr. 527; Ritus servandus II, 2; Rubrik vor dem ersten Passionssonntag; Feria VI in Passione et Morte Domini; In Exaltatione S. Crucis (14. September); Oratio ad D. N. I. C. Crucifixum. archive.org
  2. Codex Iuris Canonici von 1917, can. 925, 1144, 1147, 1148, 1150. codex-iuris-canonici.de
  3. Thomas von Aquin: Summa theologiae III, q. 25, a. 3 und 4. corpusthomisticum.org
  4. Die Heilige Schrift, übersetzt von Joseph Franz Allioli, Bd. 6, 4. Auflage (Landshut 1859): 1 Kor 1, 23; Gal 6, 14. archive.org
  5. Biblia Sacra Vulgata: Joh 19, 19; Ps 21, 17; 1 Kor 1, 23. drbo.org
  6. Catholic Encyclopedia: Altar Crucifix (1907); Archaeology of the Cross and Crucifix und The Cross and Crucifix in Liturgy (1908). newadvent.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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