Weihwasser: Bedeutung, Weihe und Gebrauch zu Hause
Wasser, Salz und das Gebet der Kirche: woraus Weihwasser besteht, was die Kirche bei der Weihe erbittet und wie Sie es zu Hause würdig gebrauchen, vom Kreuzzeichen bis zum Weihwasserbecken.
Am Eingang katholischer Kirchen steht ein Becken, und wer eintritt, taucht die Finger hinein und macht das Kreuzzeichen. Seit alters dürfen die Gläubigen dieses geweihte Wasser auch mit nach Hause nehmen. Was ist es eigentlich, woraus besteht es, was erbittet die Kirche, wenn sie es weiht, und wie gebraucht man es zu Hause richtig? Dieser Ratgeber antwortet mit dem Rituale Romanum, dem Ritualbuch der Kirche, und mit dem heiligen Thomas von Aquin.
- Weihwasser ist Wasser, dem der Priester geweihtes Salz beimischt und über das er die Gebete des Rituale Romanum spricht. Es ist ein Sakramentale, kein Sakrament.
- Die Weihe besteht aus einem Exorzismus über das Salz, einem über das Wasser, der dreimaligen Mischung in Kreuzesform und drei Gebeten (Rituale Romanum, Tit. VIII, cap. 2).
- Man holt es in der Pfarrkirche. Das Rituale erlaubt den Gläubigen ausdrücklich, es in eigenen Gefäßen mit nach Hause zu nehmen; beim Verkauf geweihter Dinge darf die Weihe den Preis nicht erhöhen (CIC 1917, can. 1539 § 1).
- Wer sich im Stand der Gnade andächtig mit Weihwasser bekreuzigt und dabei die heiligste Dreifaltigkeit anruft, gewinnt nach Preces et pia opera (Nr. 678) einen Ablass von sieben Jahren.
Was ist Weihwasser?
Weihwasser ist Wasser, das ein Priester nach dem Rituale Romanum mit geweihtem Salz vermischt und unter Gebeten gesegnet hat. Die Kirche zählt es zu den Sakramentalien, also zu den geweihten Dingen, durch die sie kraft ihrer Fürbitte Wirkungen vor allem geistlicher Art erlangt.
Der Codex des kanonischen Rechts von 1917 bestimmt die Sakramentalien als Dinge oder Handlungen, deren sich die Kirche in einer gewissen Nachahmung der Sakramente bedient, „um durch ihre Fürbitte Wirkungen vor allem geistlicher Art zu erlangen“ (can. 1144). Es ist also kein achtes Sakrament. Der heilige Thomas von Aquin erklärt, geweihtes Wasser heiße nicht Sakrament, weil es nicht zur Gnade selbst führe; es sei aber eine Vorbereitung auf die Sakramente, denn es sei „gegen die Nachstellungen der Dämonen und gegen die lässlichen Sünden“ bestimmt (Summa theologiae III, q. 65, a. 1 ad 6).
Im Leben der Gläubigen begegnet das geweihte Wasser überall: im Becken am Kircheneingang, beim Asperges vor dem sonntäglichen Hochamt, bei fast jeder Segnung, am Krankenbett und am Grab.
Woraus besteht Weihwasser?
Weihwasser besteht aus reinem Wasser und Salz. Beides weiht der Priester nach dem Rituale Romanum zuerst getrennt mit einem Exorzismus und einem Gebet, dann streut er das Salz dreimal in Kreuzesform in das Wasser und spricht ein Schlussgebet. Andere Zutaten kennt die gewöhnliche Weihe nicht.
| Schritt | Was geschieht | Lateinischer Beginn |
|---|---|---|
| 1 | Exorzismus über das Salz | Exorcizo te, creatura salis |
| 2 | Gebet über das Salz | Immensam clementiam tuam |
| 3 | Exorzismus über das Wasser | Exorcizo te, creatura aquae |
| 4 | Gebet über das Wasser | Deus, qui ad salutem humani generis |
| 5 | Salz dreimal in Kreuzesform ins Wasser | Commixtio salis et aquae pariter fiat |
| 6 | Schlussgebet | Deus, invictae virtutis auctor |
Das Salz erinnert an den Propheten Elisäus. Als die Männer von Jericho über ihr schlechtes Wasser klagten, warf er Salz in die Quelle und sprach: „So spricht der Herr: Ich habe diese Wasser gesund gemacht“ (4 Kön 2, 21, nach der Vulgata).
Genau darauf beruft sich der Exorzismus über das Salz: Gott habe das Salz durch Elisäus ins Wasser werfen lassen, „damit die Unfruchtbarkeit des Wassers geheilt würde“. Dieser Exorzismus ist eine Beschwörung im Namen Gottes, mit der die Kirche gebietet, dass alles Böse von dem Geschöpf weiche. Er ist kein Exorzismus über Besessene; für einen solchen verlangt can. 1151 eine besondere und ausdrückliche Erlaubnis des Ordinarius.
Was bewirkt Weihwasser?
Weihwasser ist kein Zaubermittel. Was die Kirche bei der Weihe erbittet, dass böse Geister weichen und Krankheiten fern bleiben, erlangt sie durch ihr Gebet und die fromme Gesinnung dessen, der es gebraucht. Thomas von Aquin lehrt, dass sein frommer Gebrauch zur Tilgung lässlicher Sünden mitwirkt.
Das Gebet über das Wasser sagt genau, worum die Kirche bittet: Gott möge dem Wasser die Kraft seines Segens eingießen, „damit alles, was dieses Wasser in den Häusern oder an den Orten der Gläubigen besprengt, von aller Unreinheit frei sei und vor Schaden bewahrt werde“. Die Bitte richtet sich an Gott, nicht an das Wasser.
Thomas von Aquin erklärt, warum der fromme Gebrauch des Weihwassers zur Tilgung lässlicher Sünden mitwirkt: weil er mit einer „Regung der Ehrfurcht gegen Gott und die göttlichen Dinge“ verbunden ist (Summa theologiae III, q. 87, a. 3) und die Seele zur Reue hinneigt (ad 1). Wer an einer lässlichen Sünde noch innerlich hängt, bei dem kann die Vergebung dieser Sünde gehindert sein (ad 2). Es kommt also auf die Andacht an, mit der man es gebraucht.
„Auf eine dritte Weise, insofern sie mit einer Regung der Ehrfurcht gegen Gott und die göttlichen Dinge verbunden sind; und so wirken der bischöfliche Segen, die Besprengung mit Weihwasser, jede sakramentale Salbung und das Gebet in einer geweihten Kirche und was es sonst dergleichen gibt zur Vergebung der Sünden mit.“
Thomas von Aquin, Summa theologiae III, q. 87, a. 3; eigene Übersetzung aus dem Lateinischen
Woher bekommt man Weihwasser?
Weihwasser bekommt man in der eigenen Pfarrkirche. Nach dem Rituale Romanum dürfen die Gläubigen es in eigenen Gefäßen mit nach Hause nehmen. In der Regel gibt die Pfarrkirche es unentgeltlich ab; selbst beim Verkauf geweihter Dinge darf die Weihe nach dem Kirchenrecht nicht in den Preis eingerechnet werden.
Das Rituale Romanum sagt es ausdrücklich: Die Gläubigen dürfen von diesem Weihwasser „in ihren Gefäßen nehmen und mit sich tragen, um Kranke, Häuser, Felder, Weinberge und anderes zu besprengen und es in ihren Zimmern zu haben, damit sie sich täglich und öfter damit besprengen können“ (Tit. VIII, cap. 2, Nr. 5). Beim Verkauf geweihter Dinge darf die Weihe nach dem Kirchenrecht von 1917 bei der Bemessung des Preises nicht mitgerechnet werden (can. 1539 § 1).
Zwei geweihte Wasser haben ihren eigenen Tag. Das sogenannte Osterwasser wird in der Osternacht für den Taufbrunnen geweiht; was man davon vor dem Eingießen der heiligen Öle abschöpft, dient zur Besprengung des Volkes nach der Erneuerung der Taufgelübde, am Ostersonntag und in den Häusern. Das Dreikönigswasser wird am Vorabend von Epiphanie mit einer eigenen, längeren Segnung geweiht, die dem Ordinarius oder seinem Beauftragten vorbehalten ist; es wird an die Gläubigen verteilt, damit sie es „in ihren Zimmern und auch für die Kranken“ fromm gebrauchen.
Wie benutzt man Weihwasser zu Hause?
Zu Hause benutzt man Weihwasser vor allem für das tägliche Kreuzzeichen, etwa beim Abendgebet, und zum Besprengen von Kranken und Zimmern. Man taucht die Fingerspitzen ein und bekreuzigt sich mit den Worten „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen“.
Für dieses Kreuzzeichen gewährt die Kirche einen Ablass von sieben Jahren, ohne Weihwasser von drei Jahren (Preces et pia opera, Nr. 678; zuletzt bestätigt von der Sacra Paenitentiaria am 14. Juni 1949). Weitere Werke sind dafür nicht vorgeschrieben; wie für jeden Ablass muss man aber im Stand der Gnade sein (CIC 1917, can. 925 § 1). Darüber hinaus besprengen Familien nach dem Rituale die Kranken, die Zimmer, die Felder und die Weinberge. Ein schöner Ort für das Gefäß ist der Hausaltar neben Kreuz und Statue, oder die Wohnungstür.
Die Sammlung der Ablassgebete in der Übersetzung von Michael Haringer (Regensburg 1865) sieht im Abendgebet vor, sich hier mit dem Kreuzzeichen zu bezeichnen und mit Weihwasser zu besprengen, „wenn man welches zur Hand hat“, und dann zu beten:
Visita, quaesumus Domine, habitationem istam, et omnes insidias inimici ab ea longe repelle; Angeli tui sancti habitent in ea, qui nos in pace custodiant; et benedictio tua sit super nos semper. Per Christum Dominum nostrum. Amen.
Wir bitten dich, o Herr, du wollest diese Wohnung heimsuchen und alle Nachstellungen des bösen Feindes ferne halten; laß deine heiligen Engel darin wohnen, um uns zu bewachen und im Frieden zu erhalten, und dein Segen sei über uns allezeit, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, der mit dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Latein: Preces et pia opera 1952, Nr. 62 (aus dem Römischen Brevier, mit kurzem Schluss); deutsch mit längerem Schluss: Sammlung von Gebeten und frommen Werken, übersetzt von Michael Haringer, 2. Ausgabe, Regensburg 1865, Abendgebet, S. 65 f.
Das Gebet stammt aus dem Römischen Brevier. Wer es am Abend andächtig betet, gewinnt einen Ablass von fünf Jahren, und wer es einen Monat lang täglich betet, einen vollkommenen Ablass unter den üblichen Bedingungen: Beichte, heilige Kommunion, Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters (Preces et pia opera, Nr. 62).
Was ist ein Weihwasserbecken?
Ein Weihwasserbecken ist das Gefäß, in dem Weihwasser zum Bekreuzigen bereitsteht. In der Kirche steht es am Eingang, zu Hause hängt meist ein kleines Becken neben der Tür. Das häusliche Becken ist oft aus Porzellan oder Metall und mit einem Kreuz oder Engel geschmückt.
Meyers Großes Konversations-Lexikon beschreibt 1909 genau diese Form: kleinere Behälter „in den Wohnzimmern der Katholiken aus verschiedenem Material (z. B. Silber, Porzellan) und in verschiedener Form (z. B. Kreuz oder Engel als Träger) meist neben Türen hängend“. Die Catholic Encyclopedia von 1910 nennt die Becken für Privathäuser kleiner als die tragbaren Becken der Kirchen; in späterer Zeit habe man ihnen meist die Form eines kleinen runden Beckens an einer Wandplatte gegeben.
Ein solches Becken braucht Pflege. Weil das Wasser offen steht, leeren Sie es regelmäßig, reinigen das Becken und füllen es frisch nach. Reste geben Sie, so empfehlen wir, nicht in den Ausguss, sondern in die Erde des Gartens oder eines Blumentopfes.
Weihwasser und Weihwasserbecken führen wir nicht; das geweihte Wasser holen Sie in Ihrer Pfarrkirche. Was daneben auf einem Hausaltar steht, finden Sie bei uns: das Stehkreuz Siena, in Italien von Hand aus Lindenholz geschnitzt und 47 Zentimeter hoch, und unsere Stehkreuze sowie Statuen, die aus Kunstharz gefertigt und von Hand farbig bemalt sind, meist etwa 30 Zentimeter hoch.
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Seit wann gibt es Weihwasser?
Weihwasser ist in der Kirche seit dem 4. Jahrhundert bezeugt. Die sonntägliche Weihe des Wassers vor der Messe ordnete im 9. Jahrhundert Papst Leo IV. an. Das Asperges, die Besprengung des Volkes vor dem Hochamt, ist mindestens seit dem 10. Jahrhundert in Gebrauch.
Leo IV. ordnete an: „An jedem Sonntag macht vor der Messe Weihwasser, mit dem das Volk und die Orte der Gläubigen besprengt werden.“ So berichtet es die Catholic Encyclopedia von 1910. Einen Brief, der unter dem Namen Papst Alexanders I. (2. Jahrhundert) überliefert ist, hält sie für unecht. Das Asperges selbst beginnt mit dem Vers aus Psalm 50, den Allioli so übersetzt: „Besprenge mich mit Hyssop, so werde ich gereiniget: wasche mich, so werde ich weißer als der Schnee“ (Ps 50, 9).
Nach dem Missale von 1962 besprengt der Priester vor dem Hochamt des Sonntags zuerst den Altar, dann sich selbst, die Diener, den Klerus und das Volk. In der Osterzeit tritt an die Stelle des Asperges me die Antiphon Vidi aquam: „Ich sah Wasser hervorquellen aus dem Tempel, von der rechten Seite.“
Häufige Fragen zum Weihwasser
Darf jeder Wasser weihen?
Wasser weihen darf nur ein Kleriker mit der nötigen Vollmacht, in der Regel der Priester (CIC 1917, can. 1146 und 1147 § 2). Die Weihe ist nur gültig, wenn die von der Kirche vorgeschriebene Formel gebraucht wird (can. 1148 § 2). Ein Laie kann Wasser also nicht selbst weihen.
Ist Weihwasser dasselbe wie Taufwasser?
Weihwasser und Taufwasser sind verschieden. Das Taufwasser wird in der Osternacht für den Taufbrunnen geweiht und mit den heiligen Ölen vermischt. Das gewöhnliche geweihte Wasser wird an Sonntagen und bei Bedarf eigens geweiht und dient zur Besprengung.
Was macht man mit übrig gebliebenem Weihwasser?
Übrig gebliebenes Weihwasser gießt man nicht in den Ausguss, denn geweihte Dinge sind ehrfürchtig zu behandeln (CIC 1917, can. 1150). Das Rituale nennt Felder und Weinberge unter den Orten, die man damit besprengt. Wir empfehlen, Reste in die Erde des Gartens oder eines Blumentopfes zu geben.
Wie bewahrt man Weihwasser auf?
Zu Hause bewahrt man es in einem sauberen, verschließbaren Gefäß auf, zum Beispiel neben dem Kreuz am Hausaltar. Ein offenes Becken an der Tür füllt man nur mit einer kleinen Menge und erneuert sie oft, damit das Wasser klar bleibt.
- Rituale Romanum, Regensburg 1937 (nach der Editio typica 1925), Tit. VIII, cap. 2 (Ordo ad faciendam aquam benedictam), cap. 4; Appendix: Benedictio aquae in Vigilia Epiphaniae Domini (approbiert 6. Dezember 1890).
- Missale Romanum, Editio typica 1962: Ordo ad faciendam et aspergendam aquam benedictam, Nr. 5918 bis 5928.
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 925, 1144, 1146, 1147, 1148, 1150, 1151 und 1539. codex-iuris-canonici.de
- Thomas von Aquin: Summa theologiae III, q. 65, a. 1 ad 6 und q. 87, a. 3 mit ad 1 und ad 2. corpusthomisticum.org (q. 65), (q. 87)
- Preces et pia opera indulgentiis ditata, editio altera, Typis Polyglottis Vaticanis 1952, Nr. 62 und 678.
- Sammlung von Gebeten und frommen Werken, übersetzt von Michael Haringer, 2. Ausgabe, Regensburg 1865, S. 65 f.
- Biblia Sacra Vulgata (Clementina), 4 Reg 2, 19 bis 22; J. F. Allioli, Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes, 4. Auflage, Bd. 3, Landshut 1839, Psalm 50, 9.
- Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Bd. 20 (1909), Artikel „Weihwasser“.
- The Catholic Encyclopedia: H. Leclercq, Holy Water und Holy Water Fonts, Bd. 7 (1910); J. Wynne, Asperges, Bd. 1 (1907). newadvent.org
Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.
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