Lourdes 1858: die Erscheinungen der Unbefleckten Empfängnis
Achtzehn Erscheinungen in einer Grotte der Pyrenäen, ein Name, den ein Hirtenmädchen nicht verstand, und ein Fest am 11. Februar: die Geschichte von Lourdes nach Quellen aus der Zeit vor dem Konzil.
Am 11. Februar 1858 ging ein vierzehnjähriges Mädchen mit ihrer Schwester Marie und der Nachbarstochter Jeanne Abadie Holz sammeln. An der Grotte von Massabielle, am Ufer des Flusses Gave, sah Bernadette Soubirous zum ersten Mal eine weiß gekleidete Frau. Bis zum 16. Juli erschien sie ihr achtzehnmal, und am Fest Mariä Verkündigung nannte sie ihren Namen: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ Dieser Ratgeber erzählt die Erscheinungen von Lourdes nach Quellen aus der Zeit vor dem Konzil, erklärt ihre Botschaft, die kirchliche Anerkennung und das Fest am 11. Februar.
- Lourdes ist ein Wallfahrtsort in den französischen Pyrenäen, an dem die allerseligste Jungfrau Maria 1858 der heiligen Bernadette Soubirous erschien.
- Die achtzehn Erscheinungen fanden vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 in der Grotte von Massabielle statt.
- Der Bischof von Tarbes erkannte sie am 18. Januar 1862 an: Die Gläubigen seien „berechtigt, daran zu glauben“.
- Die Kirche feiert die Erscheinung der Unbefleckten Jungfrau am 11. Februar. Bernadette wurde am 8. Dezember 1933 heiliggesprochen.
Was geschah 1858 in Lourdes?
In Lourdes erschien die allerseligste Jungfrau Maria vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 achtzehnmal dem Mädchen Bernadette Soubirous. Die Erscheinungen fanden in der Grotte von Massabielle statt. Nur Bernadette sah und hörte die Erscheinung, auch wenn viele Menschen bei ihr standen.
Henri Lasserre hat die Erscheinung nach Bernadettes Schilderung beschrieben. In der deutschen Ausgabe von 1872 heißt es, die Kleider der Frau seien „weiß, wie der fleckenlose Schnee der Berge“ gewesen. Um die Hüften lag „ein himmelblauer Gürtel“, vom Haupt fiel ein weißer Schleier, und auf jedem ihrer Füße blühte eine goldfarbene Rose. In den gefalteten Händen hielt sie einen Rosenkranz mit milchweißen Perlen an einer goldenen Kette. Die Perlen glitten durch ihre Finger, doch ihre Lippen bewegten sich nicht.
So zeigen Lourdes-Statuen die Muttergottes: weiß gekleidet, mit blauem Gürtel, gefalteten Händen und dem Rosenkranz.
Wer war die heilige Bernadette Soubirous?
Bernadette Soubirous war die älteste Tochter des verarmten Müllers François Soubirous und seiner Frau Louise. Zur Zeit der Erscheinungen war sie vierzehn Jahre alt, schwächlich und konnte weder lesen noch schreiben. Später trat sie in Nevers in ein Kloster ein und lebte dort als Schwester Marie-Bernard.
Lasserre schildert die Familie als so arm, dass sie am 11. Februar 1858 kein Holz zum Kochen hatte. Bernadette litt an Asthma und sah jünger aus, als sie war. Im Juli 1866 trat sie in Nevers in das Kloster Saint-Gildard der Schwestern der Liebe und der christlichen Unterweisung ein und erhielt am 29. Juli das Ordenskleid. Sie starb 1879 in der Osterwoche.
Papst Pius XI. sprach sie am 8. Dezember 1933, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, im Petersdom heilig. Ihr Andenken legte er auf ihren Todestag, den 16. April. Nevers bewahrt ihren Reliquienschrein, und viele Pilger kommen seither auch dorthin.
Was bedeutet „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“?
Mit den Worten „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“ nannte die Erscheinung in der Grotte am 25. März 1858, dem Fest Mariä Verkündigung, ihren Namen. Sie bezeichnete sich damit als die Jungfrau, die ohne Erbsünde empfangen wurde. Papst Pius IX. hatte diese Lehre vier Jahre zuvor als Dogma verkündet.
Bernadette hatte die Frau mehrmals nach ihrem Namen gefragt. An jenem Morgen öffnete die Erscheinung, so Lasserre, ihre gefalteten Hände, ließ den Rosenkranz auf den rechten Arm gleiten, breitete die Arme aus, erhob sie zum Himmel und sprach die Worte, die Lasserres deutsche Ausgabe als „Ich bin die unbefleckte Empfängniß“ wiedergibt. Bernadette kannte das Wort nicht und wiederholte es auf dem Weg zum Pfarrer, um es nicht zu vergessen.
Papst Pius XII. schrieb 1957 zum hundertsten Jahrestag, die unfehlbare Lehre des Papstes habe keine himmlische Bestätigung gebraucht. Mit welcher Dankbarkeit aber hätten die Gläubigen diese Antwort „vom Himmel“ aus Bernadettes Mund aufgenommen. Was das Dogma lehrt, erklärt unser Ratgeber zur Unbefleckten Empfängnis.
Was ist die Botschaft von Lourdes?
Die Botschaft von Lourdes ist ein Ruf zur Buße und zum Gebet für die Sünder. Die Muttergottes rief dreimal „Buße“, bat um eine Kapelle und Prozessionen zur Grotte und ließ Bernadette eine Quelle freilegen. Bernadette selbst betete vor der Grotte den Rosenkranz.
Lasserre berichtet, wie Bernadette auf den Knien etwa fünfzehn Meter weit bis ins Innere der Grotte rutschte und die Umstehenden sie dabei dreimal deutlich das Wort „Buße“ rufen hörten. Bei einer späteren Erscheinung sagte die Frau: „und nun trinke und wasche Dich an der Quelle“. An der Stelle war kein Wasser zu sehen. Bernadette grub mit den Händen im Boden, und aus dem Schlamm wurde in den folgenden Tagen die Quelle von Lourdes.
Pius XII. fasste 1957 zusammen: Die Unbefleckte habe dreimal zur Buße gerufen und gebeten, für die Sünder zu beten. Dass an der Grotte Kranke Heilung fanden, führt die Catholic Encyclopedia von 1910 nicht auf das Wasser zurück, das nach chemischer Prüfung keine natürlichen Heilkräfte hat, sondern auf das Eingreifen Gottes. Wer den Rosenkranz wie Bernadette beten möchte, findet alle Gebete in unserem Gebetsbegleiter zum Rosenkranz.
Hat die Kirche die Erscheinungen von Lourdes anerkannt?
Die Kirche hat die Erscheinungen von Lourdes anerkannt. Bischof Bertrand-Sévère Laurence von Tarbes erklärte am 18. Januar 1862 nach mehr als dreijähriger Prüfung durch eine bischöfliche Kommission, die Muttergottes sei Bernadette wirklich erschienen. Die Päpste haben das Heiligtum seither vielfach ausgezeichnet.
„Die unbefleckt empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria ist wirklich am 11. Februar 1858 und an den folgenden Tagen zu achtzehn verschiedenen Malen dem Kinde Bernadette Soubirous in der bei der Stadt Lourdes gelegenen Grotte von Massabielle erschienen; diese Erscheinung trägt jedes Merkmal der Wahrheit an sich, und die Gläubigen sind berechtigt, daran zu glauben.“
Hirtenbrief des Bischofs von Tarbes vom 18. Januar 1862, Art. 1, nach H. Lasserre: Unsere liebe Frau von Lourdes, deutsche Ausgabe 1872
Der Bischof unterwarf sein Urteil zugleich dem Urteil des Papstes. Pius IX. ließ die Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes krönen. Leo XIII. gewährte 1892 ein eigenes Offizium und eine eigene Messe für das Fest der Erscheinung, und Pius X. dehnte das Fest 1907 auf die ganze Kirche aus. Pius XI. ließ das Jubiläum der Erlösung an der Grotte von Massabielle feierlich abschließen.
Wann feiert die Kirche Unsere Liebe Frau von Lourdes?
Die Kirche feiert Unsere Liebe Frau von Lourdes am 11. Februar, dem Tag der ersten Erscheinung. Im Kalender von 1962 heißt das Fest In Apparitione Beatae Mariae Virginis Immaculatae, Erscheinung der seligen Jungfrau Maria, der Unbefleckten, und hat den Rang eines Festes dritter Klasse. Die Messe verbindet die Unbefleckte Empfängnis mit der Erscheinung an der Grotte.
Als Lesung nimmt die Messe vom 11. Februar die Vision der Offenbarung: „ein großes Zeichen erschien am Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen“ (Apk 12, 1, aus der Vulgata übersetzt). Im Graduale, dem Zwischengesang nach der Epistel, ruft der Bräutigam des Hohenliedes: „Meine Taube in den Felsenklüften“, ein Bild für die Grotte.
Deus, qui per immaculatam Virginis Conceptionem dignum Filio tuo habitaculum praeparasti: supplices a te quaesumus; ut, eiusdem Virginis Apparitionem celebrantes, salutem mentis et corporis consequamur. Per eundem Dominum.
O Gott, du hast durch die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau deinem Sohn eine würdige Wohnung bereitet. Wir bitten dich flehentlich: Lass uns, die wir die Erscheinung derselben Jungfrau feiern, das Heil der Seele und des Leibes erlangen. Durch denselben Herrn.
Oratio vom 11. Februar, Missale Romanum 1962; eigene Übersetzung
Wie entstand die Wallfahrt nach Lourdes?
Die Wallfahrt nach Lourdes begann schon 1858, als die Menschen in Scharen zur Grotte kamen. Nach der Anerkennung 1862 entstand über dem Felsen eine Basilika. Seit 1873 kamen die großen französischen Nationalwallfahrten, und Pilger aus vielen Ländern folgten.
Die Catholic Encyclopedia von 1910 zählt bis Ende 1908 insgesamt 5.297 angemeldete Pilgerzüge mit 4.919.000 Pilgern. 1883 wurde der Grundstein einer zweiten Kirche unterhalb der Basilika gelegt, die 1901 als Rosenkranzkirche geweiht wurde. Am Heiligtum prüft das Ärztebüro, das Bureau des Constatations Médicales, berichtete Heilungen; es steht nach derselben Quelle allen Ärzten offen, gleich welcher Herkunft und welchen Glaubens.
Wer nicht selbst nach Lourdes pilgern kann, betet daheim vor einer Statue der Muttergottes und vereint sich im Gebet mit den Pilgern an der Grotte von Massabielle.
Unsere Lourdes-Madonna ist 32 Zentimeter hoch, aus Kunstharz und farbig von Hand bemalt. Sie trägt das weiße Kleid und den blauen Gürtel, hält die Hände gefaltet wie in Lasserres Beschreibung der Erscheinung, und der Rosenkranz hängt am Arm, wie Lasserre es für den 25. März schildert. Auf dem Sockel steht ihr Name in der französischen Abkürzung: N. D. Lourdes, für Notre-Dame de Lourdes, Unsere Liebe Frau von Lourdes.
Im Artikel erwähnt
Muttergottes Statue Lourdes
Die Muttergottes von Lourdes, 32 cm hoch, aus Kunstharz und farbig handbemalt.
Zur Statue
Häufige Fragen zu Lourdes
Wie oft erschien die Muttergottes in Lourdes?
Die Muttergottes erschien achtzehnmal, zwischen dem 11. Februar und dem 16. Juli 1858. Die Zahl achtzehn nennt auch der Hirtenbrief des Bischofs von Tarbes von 1862.
Wo liegt Lourdes?
Lourdes liegt im Département Hautes-Pyrénées in Südfrankreich, am Fuß der Pyrenäen. Die Grotte von Massabielle befindet sich am Ufer des Gave, eines Gebirgsflusses, der an der Stadt vorbeifließt.
Wo ist die heilige Bernadette begraben?
Die heilige Bernadette ruht in Nevers, wo sie 1879 im Mutterhaus ihrer Kongregation starb. Papst Pius XII. erwähnt 1957 den kostbaren Schrein, den Nevers bewahrt, und die vielen Pilger, die dorthin kommen.
Hat Lourdeswasser Heilkräfte?
Lourdeswasser ist Quellwasser aus der Grotte. Nach der Catholic Encyclopedia von 1910 hat es keine natürlichen Heilkräfte; Heilungen kommen von Gott. Wer es gebraucht, verbindet es mit Gebet und dem Vertrauen auf die Fürsprache der Muttergottes.
- Henri Lasserre: Unsere liebe Frau von Lourdes, deutsche Ausgabe 1872, mit dem Hirtenbrief des Bischofs von Tarbes vom 18. Januar 1862. archive.org
- Henri Lasserre: Our Lady of Lourdes, englische Ausgabe 1870. archive.org
- Henri Lasserre: Bernadette (Sister Marie-Bernard), the sequel to Our Lady of Lourdes, englische Ausgabe 1882 (Eintritt in Saint-Gildard, Einkleidung, Tod). archive.org
- Pius XII.: Rundschreiben Le pèlerinage de Lourdes vom 2. Juli 1957. vatican.va
- Acta Apostolicae Sedis 26 (1934), S. 5 bis 7: Heiligsprechung der seligen Maria Bernarda Soubirous am 8. Dezember 1933. vatican.va
- G. Bertrin: Notre-Dame de Lourdes. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 9, New York 1910. newadvent.org
- Missale Romanum 1962: Kalendarium und Messe vom 11. Februar, In Apparitione B. Mariae Virg. Immaculatae.
Zuletzt geprüft am 26. Oktober 2026.
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