Kirchenjahr

Maiandacht: Ablauf, Gebete und Ursprung des Marienmonats Mai

Lied, Lesung, Litanei und Weihegebet: wie eine Maiandacht abläuft, wie Sie sie zu Hause halten, mit drei Mariengebeten im Wortlaut und dem Ablass nach den Preces et pia opera.

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Ein Marienlied, eine Lesung, die Lauretanische Litanei und ein Weihegebet: Das ist die Maiandacht, mit der die Gläubigen an jedem Tag im Mai die allerseligste Jungfrau Maria ehren. In der überlieferten Form ist der ganze Monat seit dem späten 18. Jahrhundert der Muttergottes gewidmet. Dieser Ratgeber erklärt, woher der Marienmonat kommt, wie eine Maiandacht abläuft, wie Sie sie zu Hause halten, mit drei Mariengebeten im Wortlaut, und welcher Ablass mit ihr verbunden ist.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Maiandacht ist eine Andacht zu Ehren der Muttergottes, die im Monat Mai täglich in der Kirche oder zu Hause gehalten wird, mit Lied, Lesung oder Predigt, Litanei und Gebet.
  • In seiner überlieferten Form entstand der Marienmonat Ende des 18. Jahrhunderts am Römischen Kolleg der Jesuiten und verbreitete sich von dort in fast alle Kirchen des lateinischen Ritus.
  • Der Mai beginnt im Kalender von 1962 mit dem Fest des heiligen Josef des Arbeiters und endet am 31. Mai mit dem Fest Maria Königin, das Pius XII. 1954 eingeführt hat.
  • Nach der Ablasssammlung Preces et pia opera („Gebete und fromme Werke“) von 1952, Nr. 325, gewinnt einen vollkommenen Ablass, wer an mindestens zehn Tagen an der öffentlichen Maiandacht teilnimmt, beichtet, die heilige Kommunion empfängt und nach Meinung des Heiligen Vaters betet.

Was ist eine Maiandacht?

Eine Maiandacht ist eine Andacht zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria im Monat Mai. Sie besteht meist aus einem Marienlied, einer Lesung oder kurzen Predigt, der Lauretanischen Litanei und Mariengebeten. In der Kirche schließt sie oft mit dem sakramentalen Segen.

Die Maiandacht ist kein Teil der Liturgie wie die heilige Messe oder das Brevier, sondern eine fromme Übung, lateinisch pium exercitium. So nennt sie die amtliche Ablasssammlung Preces et pia opera von 1952. Sie kann öffentlich in der Pfarrkirche gehalten werden oder privat in der Familie.

Die Catholic Encyclopedia von 1911 beschreibt die übliche Form: Gebete wie die Litaneien und die Gebete der Raccolta, danach eine kurze Predigt oder Unterweisung, am Ende der Segen mit dem Allerheiligsten. Das Gebetbuch des Bistums St. Pölten von 1960 nennt als Maiandacht die Marienvesper oder die Lauretanische Litanei mit einer Auswahl von Gebeten. Zu Hause betet man sie gern vor einer Statue der Muttergottes.

Warum ist der Mai der Marienmonat?

Der Mai ist Marienmonat in der überlieferten Form, seit ein Jesuitenpater am Römischen Kolleg Ende des 18. Jahrhunderts gelobte, diesen Monat der Muttergottes zu weihen. Von Rom aus verbreitete sich der Brauch über die Kollegien der Jesuiten in fast alle Kirchen des lateinischen Ritus.

Die Catholic Encyclopedia nennt den Pater Latomia. Er wollte mit dem Gelübde dem Unglauben und der Unsittlichkeit unter den Studenten begegnen. Die Maiandacht ist nach derselben Quelle das älteste Beispiel einer Andacht, die einen ganzen Monat umfasst. Andere Monate folgten: der März für den heiligen Josef, der Juni für das heiligste Herz Jesu, der Oktober für den Rosenkranz. Die Kirche bestätigte den Marienmonat schon früh mit Ablässen, gewährt am 21. März 1815 und am 18. Juni 1822 für immer bestätigt.

Warum gerade die allerseligste Jungfrau so geehrt wird, sagt sie selbst im Magnificat: „Denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter“ (Lk 1, 48, nach Allioli). Die Lauretanische Litanei, die man in der Maiandacht betet, reiht solche Lobpreisungen aneinander.

Wie läuft eine Maiandacht ab?

Eine Maiandacht in der Kirche hat zwei Teile: die Maipredigt oder Mailesung, eingerahmt von Marienlied, Gebet zum Heiligen Geist und Dankgebet, und das Gebet selbst, die Marienvesper oder die Lauretanische Litanei mit weiteren Gebeten. Oft schließt sie mit dem sakramentalen Segen.

So beschreibt es das Gebetbuch „Heiliges Volk“ des Bistums St. Pölten von 1960: „Vor der Maipredigt oder Mailesung ein Marienlied (…), Gebet zum Heiligen Geist (…), nachher das Dankgebet (…).“ Als Maiandacht betet man „die Marienvesper (…) oder die lauretanische Litanei“ mit einer Auswahl von Gebeten. Nach der Catholic Encyclopedia schloss die Andacht im Mai wie im Juni meist mit dem Segen mit dem Allerheiligsten.

Wie hält man eine Maiandacht zu Hause?

Eine Maiandacht zu Hause hält man vor einem Marienbild oder einer Marienstatue: Kreuzzeichen, Marienlied, eine Lesung aus dem Lukasevangelium, ein Gesätz des Rosenkranzes, die Lauretanische Litanei, Mariengebete und zum Schluss das Salve Regina. Eine Viertelstunde genügt.

  1. Kreuzzeichen und ein Marienlied.
  2. Eine Lesung, etwa die Verkündigung (Lk 1, 26 bis 38) oder das Magnificat (Lk 1, 46 bis 55).
  3. Ein Gesätz des Rosenkranzes, also ein Vater unser, zehn Ave Maria und ein Ehre sei dem Vater, nach dem Wochentag aus den freudenreichen, schmerzhaften oder glorreichen Geheimnissen.
  4. Die Lauretanische Litanei.
  5. „Unter deinen Schutz und Schirm“ und das „Gedenke“.
  6. Das Weihegebet an Maria.
  7. Das Salve Regina, in der Osterzeit das Regina caeli, dann das Kreuzzeichen.

Den Rosenkranz mit allen Gebeten finden Sie in unserem Gebetsbegleiter zum Rosenkranz, dort steht auch das Salve Regina. Die drei Mariengebete folgen hier im Wortlaut, lateinisch nach den Preces et pia opera von 1952 und deutsch nach dem Gebetbuch von 1960.

Sub tuum praesidium confugimus, sancta Dei Genitrix; nostras deprecationes ne despicias in necessitatibus nostris, sed a periculis cunctis libera nos semper, Virgo gloriosa et benedicta.

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, sondern erlöse uns jederzeit von allen Gefahren, o du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin. Versöhne uns mit deinem Sohne, empfiehl uns deinem Sohne, stelle uns vor deinem Sohne.

Preces et pia opera, 1952, Nr. 333; deutsch mit dem überlieferten Zusatz nach „Heiliges Volk“, St. Pölten 1960, S. 135

Memorare, o piissima Virgo Maria, non esse auditum a saeculo, quemquam ad tua recurrentem praesidia, tua implorantem auxilia, tua petentem suffragia esse derelictum. Ego tali animatus confidentia ad te, Virgo Virginum, Mater, curro; ad te venio; coram te gemens peccator assisto. Noli, Mater Verbi, verba mea despicere, sed audi propitia et exaudi. Amen.

Gedenke, o mildreichste Jungfrau Maria, es sei unerhört, daß du jemand verlassen hättest, der unter deinen Schutz sich flüchtete, der um deine Hilfe bat, der um deine Fürsprache zu dir flehte. Von solchem Vertrauen beseelt, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und Mutter, ich komme zu dir und stehe vor dir seufzend als Sünder. O Mutter des ewigen Wortes, verachte doch meine Worte nicht, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich. Amen.

Preces et pia opera, 1952, Nr. 339; deutsch nach „Heiliges Volk“, St. Pölten 1960, S. 136 bis 137

O Domina mea, o Mater mea, tibi me totum offero, atque, ut me tibi probem devotum, consecro tibi oculos meos, aures meas, os meum, cor meum, plane me totum. Quoniam itaque tuus sum, o bona Mater, serva me, defende me ut rem ac possessionem tuam.

O meine Gebieterin, o meine Mutter, dir bringe ich mich ganz dar. Um dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich dir heute mein Auge, mein Ohr, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar. Weil ich also dir gehöre, o gute Mutter, bewahre und beschütze mich als dein Gut und Eigentum. Amen.

Preces et pia opera, 1952, Nr. 340; deutsch nach „Heiliges Volk“, St. Pölten 1960, S. 171

Welche Feste fallen in den Marienmonat Mai?

Im Kalender von 1962 beginnt der Mai am 1. Mai mit dem Fest des heiligen Josef des Arbeiters, Bräutigam der allerseligsten Jungfrau, und endet am 31. Mai mit dem Fest der seligsten Jungfrau Maria Königin. Je nach Ostertermin fallen auch Christi Himmelfahrt und oft Pfingsten in diesen Monat.

Das Fest Maria Königin hat Papst Pius XII. mit der Enzyklika Ad caeli Reginam vom 11. Oktober 1954 eingeführt, zum Abschluss des Marianischen Jahres. Er bestimmte, dass es jedes Jahr am 31. Mai in der ganzen Welt gefeiert werde, und ordnete an, am selben Tag die Weihe des Menschengeschlechts an das Unbefleckte Herz Mariens zu erneuern (Nr. 47). Im Messbuch von 1962 steht es als Fest zweiter Klasse.

In derselben Enzyklika sagt Pius XII., die Lauretanische Litanei lade das christliche Volk täglich ein, die Muttergottes als Königin anzurufen (Nr. 31). Solange im Mai die Osterzeit dauert, betet man nach dem Gebetbuch von 1960 statt des Engel des Herrn die Antiphon Regina caeli, deutsch „Himmelskönigin, dich freue, Alleluja“.

„Kraft Unserer Apostolischen Vollmacht bestimmen und setzen Wir das Fest Mariens der Königin ein, das jedes Jahr am 31. Mai auf dem ganzen Erdkreis zu feiern ist.“

Pius XII., Enzyklika Ad caeli Reginam, 11. Oktober 1954, Nr. 47 (aus dem Lateinischen)

Gibt es einen Ablass für die Maiandacht?

Für die Maiandacht gewährt die Kirche Ablässe. Nach den Preces et pia opera von 1952, Nr. 325, erhält, wer im Mai an der öffentlichen Maiandacht teilnimmt, an jedem Tag einen Ablass von sieben Jahren. Wer an mindestens zehn Tagen teilnimmt und die Bedingungen erfüllt, gewinnt einen vollkommenen Ablass.

Die Bedingungen für den vollkommenen Ablass sind hier die heilige Beichte, die heilige Kommunion und ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters.

Wer die Muttergottes im Mai privat mit Gebeten oder anderen frommen Übungen ehrt, erhält einmal täglich einen Ablass von fünf Jahren und bei täglicher Übung den ganzen Monat hindurch unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass; dazu gehört nach den Praenotanda der Sammlung neben Beichte, Kommunion und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters auch der Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums. Wo die Andacht öffentlich gehalten wird, gilt der vollkommene Ablass für die private Übung nur für jene, die aus einem rechtmäßigen Grund nicht teilnehmen können.

Auch das Salve Regina ist in der Sammlung von 1952 an jedem Tag des Mai mit einem Ablass von sieben Jahren verbunden (Nr. 332).

Ist die Maiandacht Pflicht?

Die Maiandacht ist keine Pflicht, sondern eine freiwillige fromme Übung. Pflicht ist für Katholiken nach dem Kirchenrecht von 1917 die heilige Messe an Sonn- und gebotenen Feiertagen (can. 1247 und 1248); die Maiandacht ersetzt sie nicht, sie kommt zu ihr hinzu.

Die Kirche lädt durch die Ablässe zur Treue ein, nicht durch ein Gebot. Darum verlangt der vollkommene Ablass für die öffentliche Andacht zehn Tage, nicht alle 31. Wer nur an einzelnen Tagen beten kann, betet an diesen Tagen; der Teilablass gilt für jeden Tag. Eine Maiandacht passt in den Alltag: eine Viertelstunde am Abend, vor dem Bild der Muttergottes, mit der Familie oder allein.

Aus der Werkstatt

Für die Maiandacht zu Hause braucht es ein Bild oder eine Statue der Muttergottes. Diese drei Muttergottes-Statuen sind aus Kunstharz und von Hand farbig bemalt, zwischen 30 und 32 cm hoch: die gekrönte Muttergottes als Königin mit dem Jesuskind, Maria mit dem Kind auf dem Arm und die Muttergottes von Lourdes.

Zum Rosenkranzgesätz passen unsere Regina-caeli-Rosenkränze. Sie sind 50 cm lang, von Hand an schwarzer Kordel mit 8 mm großen Steinperlen und 12 mm großen Glasschliffperlen gefertigt und nach der österlichen Antiphon benannt, die man in der Osterzeit betet.

Statue der gekrönten Muttergottes mit dem Jesuskind aus farbig handbemaltem Kunstharz Im Artikel erwähnt Muttergottes Königin Statue Gekrönte Muttergottes mit dem Jesuskind, Kunstharz, von Hand farbig bemalt, 30 cm hoch. Zur Statue

Häufige Fragen zur Maiandacht

Wann beginnt und endet der Marienmonat?

Der Marienmonat beginnt am 1. Mai und endet am 31. Mai, dem Fest Maria Königin. Die Ablässe der Preces et pia opera gelten für jeden Tag des Monats Mai.

Was ist der Unterschied zwischen Maimonat und Rosenkranzmonat?

Den Maimonat widmet die Kirche der Muttergottes allgemein, den Oktober dem Rosenkranz. Den Rosenkranzmonat hat Papst Leo XIII. 1883 eingeführt; nach seinen Dekreten sollten im Oktober in den Pfarrkirchen täglich fünf Gesätze und die Lauretanische Litanei gebetet werden.

Kann man eine Maiandacht allein beten?

Eine Maiandacht kann man allein beten. Die Preces et pia opera nennen ausdrücklich auch die private Verehrung der Muttergottes im Mai durch Gebete oder andere fromme Übungen.

Welche Lesung passt zur Maiandacht?

Zur Maiandacht passen Lesungen über die Muttergottes, vor allem das erste Kapitel des Lukasevangeliums mit der Verkündigung, dem Besuch bei der heiligen Elisabeth und dem Magnificat (Lk 1, 26 bis 55).

Quellen
  1. Preces et pia opera, Vatikan 1952, Praenotanda 4 und Nr. 325, 331 bis 333, 339, 340. archive.org
  2. Heiliges Volk. Gebete und Gesänge zum Gottesdienst für das Bistum St. Pölten, 6. Auflage, St. Pölten 1960, S. 24, 132 bis 137, 171 und 253. archive.org
  3. Special Devotions for Months. The Catholic Encyclopedia, Bd. 10, New York 1911. newadvent.org
  4. Pius XII.: Enzyklika Ad caeli Reginam, 11. Oktober 1954, Nr. 31 und 47. vatican.va
  5. Missale Romanum, Ausgabe 1962, Kalender für Mai. archive.org
  6. Codex Iuris Canonici von 1917, can. 1247 und 1248. codex-iuris-canonici.de
  7. Die Heilige Schrift, übersetzt von Joseph Franz Allioli, Bd. 5, Landshut 1839, Lk 1, 48. archive.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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