Dornenkrone Christi: Geschichte, Reliquie und Bedeutung
Drei Evangelien, ein Strauch vom Wegrand Jerusalems und eine Reliquie in Paris: was wir über die Dornenkrone unseres Herrn wissen und wie die Kirche sie verehrt.
Ein Kranz aus Dornenzweigen, wie ihn Soldaten in einem Hof in Jerusalem flochten, um einen Gefangenen als König zu verspotten. Die Dornenkrone unseres Herrn Jesus Christus steht in drei Evangelien, sie ist das dritte Geheimnis des schmerzhaften Rosenkranzes, und ihre Reliquie liegt seit dem 13. Jahrhundert in Paris. Dieser Ratgeber sammelt, was die Heilige Schrift berichtet, aus welcher Pflanze die Dornen nach der Überlieferung stammen, wie die Krone zum heiligen König Ludwig kam und wie die Kirche sie verehrt, besonders in der Fastenzeit.
- Die Dornenkrone ist die Krone aus Dornen, die römische Soldaten unserem Herrn vor der Kreuzigung aufsetzten, um ihn als „König der Juden“ zu verhöhnen (Mt 27, 29; Mk 15, 17; Joh 19, 2).
- Überlieferung und erhaltene Dornen deuten auf den Christusdorn, botanisch Ziziphus spina-christi, der um Jerusalem am Wegrand wächst.
- 1238 bot Kaiser Balduin II. von Konstantinopel die Krone dem heiligen Ludwig IX. an. Für sie ließ der König die Sainte-Chapelle in Paris bauen, vollendet 1248. 1806 kam die Reliquie in die Kathedrale Notre-Dame.
- Eine deutsche Ausgabe des römischen Breviers von 1890 führt für einzelne Bistümer ein Fest der heiligen Dornenkrone am Freitag nach dem Aschermittwoch.
Was berichten die Evangelien über die Dornenkrone Jesu Christi?
Die Dornenkrone Jesu Christi erwähnen drei Evangelisten: Matthäus, Markus und Johannes. Nach der Geißelung flochten die Soldaten des Pilatus eine Krone aus Dornen, setzten sie dem Herrn auf das Haupt, legten ihm einen Purpurmantel um und grüßten ihn zum Spott als König der Juden.
| Stelle | Vulgata und Allioli |
|---|---|
| Mt 27, 29 |
et plectentes coronam de spinis, posuerunt super caput ejus … „und flochten eine Krone von Dörnern, setzten sie auf sein Haupt …“ |
| Mk 15, 17 |
… et imponunt ei plectentes spineam coronam „… und flochten eine Dornenkrone, und setzten sie ihm auf“ |
| Joh 19, 2 |
Et milites plectentes coronam de spinis, imposuerunt capiti ejus … „Und die Soldaten flochten eine Krone von Dornen, und setzten sie auf sein Haupt …“ |
| Joh 19, 5 |
Exivit ergo Jesus portans coronam spineam, et purpureum vestimentum „Jesus also ging hinaus, und trug die dörnerne Krone und den Purpurmantel“ |
Matthäus erzählt, die Soldaten hätten dem Herrn dazu ein Rohr in die rechte Hand gegeben und das Knie vor ihm gebeugt. Bei Johannes führt Pilatus ihn mit der Krone hinaus zu den Hohenpriestern und ihren Dienern und sagt: „Welch ein Mensch!“ Lukas berichtet, wie Herodes den Herrn zum Spott in ein weißes Kleid steckte (Lk 23, 11); die Dornenkrone nennt er nicht.
Warum setzten die Soldaten unserem Herrn eine Dornenkrone auf?
Die Soldaten setzten unserem Herrn eine Dornenkrone auf, um seinen Anspruch, König zu sein, zu verhöhnen. Krone, Purpurmantel und Rohr als Zepter waren die Abzeichen eines Königs in Spott und Schmerz. Das Offizium vom Fest der Dornenkrone preist ihn darum als den König der ewigen Herrlichkeit, „der für uns gekrönet ist“.
Der heilige Thomas von Aquin zählt die Dornenkrone zu den Leiden, die Christus an den Gliedern seines Leibes erduldete: Passus est enim Christus in capite pungentium spinarum coronam, am Haupt litt er die Krone stechender Dornen, an Händen und Füßen die Annagelung, im Gesicht Backenstreiche und Anspeien und am ganzen Leib die Geißelhiebe (Summa theologiae III, q. 46, a. 5). Am Karfreitag lässt die Kirche den Herrn in den Klagen der Kreuzverehrung, den Improperia, selbst sprechen:
„Ego dedi tibi sceptrum regale: et tu dedisti capiti meo spineam coronam.“ Ich gab dir das königliche Zepter, und du gabst meinem Haupt die Dornenkrone.
Improperia am Karfreitag, Missale Romanum 1962
Im Rosenkranz ist die Dornenkrönung das dritte schmerzhafte Geheimnis. Nach „Jesus“ fügt man in jedes Ave Maria ein: „der für uns mit Dornen gekrönt worden ist“. Wie die Gesätze aufgebaut sind, zeigt unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz.
Aus welcher Pflanze war die Dornenkrone?
Die Dornenkrone stammte nach Überlieferung und erhaltenen Dornen wohl aus den Zweigen des Christusdorns, botanisch Ziziphus spina-christi. Der Strauch wächst um Jerusalem in großer Zahl am Wegrand und trägt seine Dornen paarweise, einen geraden und einen gebogenen.
So beschreibt es Herbert Thurston 1908 in der Catholic Encyclopedia. Die Dornen in Pisa, in der Kapelle della Spina, und in Trier gehören zu den größten und zeigen diese Eigenart deutlich, auch wenn ihre frühe Geschichte nach Thurston zweifelhaft und dunkel ist. Die Reliquie in Paris ist dagegen nur ein Reif aus Binsen, ohne einen einzigen Dorn. Nach Thurston sind sich die Fachleute einig, dass die Soldaten eine Art Helm aus Dornen geflochten haben müssen, den der Binsenreif zusammenhielt. Die sechzig oder siebzig Dornen waren nach de Mély wohl schon bei der Ankunft in Paris vom Reif getrennt und wurden anscheinend vom heiligen Ludwig und seinen Nachfolgern verschenkt.
Wo ist die Dornenkrone Christi heute?
Die Dornenkrone Christi wird in Paris verehrt. Kaiser Balduin II. von Konstantinopel bot sie 1238 dem heiligen König Ludwig IX. an, der für sie die Sainte-Chapelle bauen ließ. Nach der Französischen Revolution kam die Reliquie 1806 in die Kathedrale Notre-Dame; dort nennt sie die Catholic Encyclopedia von 1908.
Der Weg dorthin ist lang. Im 6. Jahrhundert zeigte man die Krone in Jerusalem in der Kirche auf dem Berg Sion, noch 870 sah sie dort der Mönch Bernhard. Nach dem französischen Forscher de Mély kam die ganze Krone erst um 1063 nach Konstantinopel. 1238 bot der lateinische Kaiser Balduin II., der Hilfe für sein wankendes Reich suchte, sie dem heiligen Ludwig an. Sie war damals bei den Venezianern für ein hohes Darlehen verpfändet, wurde ausgelöst und nach Paris gebracht. Die Sainte-Chapelle wurde 1248 vollendet.
In der Revolution verwahrte man die Krone eine Zeit lang in der Nationalbibliothek, bis sie der Kirche zurückgegeben wurde. 1896 erhielt sie ein neues Reliquiar aus Bergkristall. Der heilige Ludwig, der die Krone nach Paris holte, starb 1270 vor Tunis; der Kalender von 1962 feiert ihn am 25. August.
Gibt es ein Fest der Dornenkrone?
Ein Fest der heiligen Dornenkrone gab es für einzelne Bistümer am Freitag nach dem Aschermittwoch. Die deutsche Brevierausgabe von Ferdinand Janner, Regensburg 1890, führt es im Anhang der Feste für einzelne Diözesen mit eigenem Offizium.
Nach dem Hymnus der ersten Vesper folgt der Versikel „V. Sie flochten eine Krone von Dornen. R. Und setzten sie ihm auf das Haupt.“ Das Invitatorium der Matutin lädt ein: „Christus, den König, mit Dornen gekrönt, kommt, laßt uns anbeten!“ Der Hymnus der ersten Vesper deutet die blutigen Dornen als Siegeszeichen: „Der Dorn, vom Blute Christi rot, trägt statt der Stacheln Rosen jetzt.“ Im allgemeinen Messbuch von 1962 ist die Dornenkrone vor allem in der Leidensgeschichte und den Improperia des Karfreitags gegenwärtig. Wer das alte Fest nachempfinden will, betrachtet sie am ersten Freitag der Fastenzeit, etwa mit unseren Betrachtungsgegenständen für die Fastenzeit.
Wir bitten dich, allmächtiger Gott! verleihe uns, die wir zum Andenken an das Leiden unsers Herrn Jesus Christus seine Dornenkrone verehren auf Erden, daß wir von ihm mit Ehre und Herrlichkeit im Himmel gekrönt zu werden verdienen. Der mit dir lebt und regiert.
Oration vom Fest der heiligen Dornenkrone, Janner, Das römische Brevier in deutscher Sprache, Winterteil, Regensburg 1890, S. [255]
Ist eine Dornenkrone für zu Hause eine Reliquie?
Eine Dornenkrone für zu Hause ist keine Reliquie, sondern eine Nachbildung zur Betrachtung des Leidens Christi. Echte Reliquien darf man nach dem Kirchenrecht von 1917 nicht verkaufen. Eine nachgebildete Dornenkrone ist ein Andachtsgegenstand, den ein Priester nach dem Rituale Romanum segnen kann.
Der Codex von 1917 ist hier deutlich: Sacras reliquias vendere nefas est, heilige Reliquien zu verkaufen ist ein Frevel (can. 1289 § 1). Schon die Catholic Encyclopedia warnt, dass nicht alle über 700 überlieferten „heiligen Dornen“ echt sein können; viele waren wohl Dornen, die die wahre Krone nur berührt hatten. Ehrlich ist deshalb nur die Nachbildung, die sich als solche zu erkennen gibt. Eine geweihte Dornenkrone behandelt man ehrfürchtig und gebraucht sie nicht zu profanen Zwecken (can. 1150). Am Hausaltar, neben dem Kruzifix oder vor einem Bild des dornengekrönten Heilands, erinnert sie in der Fastenzeit an den Preis der Erlösung.
Unsere Dornenkrone fertigen wir nicht selbst: Sie wird im Heiligen Land hergestellt, aus dem Holz des Ziziphus spina-christi, also aus der Pflanze, die die Überlieferung mit der Krone des Herrn verbindet. Sie misst etwa 19 mal 19 cm bei 2 cm Höhe und wiegt 196 g. Da jede Krone von Hand gefertigt ist, sind Dicke und Größe der Dornen bei jedem Stück verschieden. Die Dornen sind spitz, und das Holz kann zerbrechlich sein; fassen Sie die Krone am besten am Reif an.
Dazu gehört ein handgeschmiedeter Nagel aus Schmiedeeisen, 16 cm lang, mit einem Kopf von 19 mal 19 mm. Seine Länge ist den Nägeln nachempfunden, die in Santa Croce in Gerusalemme in Rom und im Bamberger Dom verehrt werden. Wir versenden die Dornenkrone ungesegnet; auf Wunsch wird sie sonntags gesegnet und am Montag darauf verschickt. Alle Ausführungen finden Sie unter unseren Dornenkronen.
Im Artikel erwähnt
Dornenkrone aus dem Heiligen Land
Geflochten aus Ziziphus spina-christi, etwa 19 mal 19 cm, mit handgeschmiedetem Nagel von 16 cm.
Zur Dornenkrone
Häufige Fragen zur Dornenkrone
Gibt es Dornen der Krone auch außerhalb von Paris?
Dornen, die als Dornen der Krone verehrt werden, gibt es an vielen Orten, wenn auch nicht alle echt sein können. Kaiserin Irene sandte Karl dem Großen um 800 mehrere Dornen, die er in Aachen niederlegte; Karl der Kahle gab 877 vier davon nach Compiègne, und 1200 kam ein Dorn nach Andechs. Weitere werden in Pisa und Trier verehrt, und Gent und Stonyhurst in England beanspruchen beide den Dorn, den Maria Stuart verschenkte.
Seit wann trägt Christus auf Kreuzigungsbildern die Dornenkrone?
Die Dornenkrone auf dem Haupt des Gekreuzigten erscheint in der Kunst nach der Catholic Encyclopedia erst nach der Zeit des heiligen Ludwig und dem Bau der Sainte-Chapelle. Ältere Darstellungen zeigen Christus am Kreuz meist ohne sie.
Was bedeutet das Herz mit der Dornenkrone?
Das Herz mit der Dornenkrone ist das heiligste Herz Jesu. So zeigt es die Rückseite der Wundertätigen Medaille nach dem Bild, das die heilige Katharina Labouré 1830 in Paris schaute und dessen Fest Leo XIII. 1894 nach Prüfung durch die Ritenkongregation einsetzte: das Herz Jesu von einer Dornenkrone umgeben, daneben das unbefleckte Herz Mariä, von einem Schwert durchbohrt (Catholic Encyclopedia, 1911).
- Die Heilige Schrift nach der Vulgata: Mt 27, 29; Mk 15, 17; Joh 19, 2 und 5; Lk 23, 11. drbo.org (Mk 15); deutsch nach Joseph Franz Allioli, Die Heilige Schrift, Bd. 5, Landshut 1839.
- Herbert Thurston: Crown of Thorns. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 4, New York 1908. newadvent.org
- Ferdinand Janner: Das römische Brevier in deutscher Sprache, Winterteil, Regensburg 1890, Anhang, Fest der heiligen Dornenkrone, S. [250] bis [255]. archive.org
- Missale Romanum 1962: Feria VI in Passione et Morte Domini (Improperia); 25. August, S. Ludovici Regis.
- Thomas von Aquin: Summa theologiae III, q. 46, a. 5. corpusthomisticum.org
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 1150 und 1289. codex-iuris-canonici.de
- Georges Goyau: Louis IX. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 9, New York 1910. newadvent.org
- Joseph Glass: Miraculous Medal. In: The Catholic Encyclopedia, Bd. 10, New York 1911. newadvent.org
- Rituale Romanum, Regensburg 1937, Appendix Nr. 71: Benedictio ad omnia, S. 453.
Zuletzt geprüft am 26. Oktober 2026.
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