Gebet

Angelus-Gebet: der Engel des Herrn in Latein und Deutsch

Dreimal am Tag läutet die Glocke zum Engel des Herrn. Hier steht das Angelus-Gebet im überlieferten Wortlaut, lateinisch und deutsch, mit dem Regina caeli der Osterzeit.

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Am Morgen, am Mittag und am Abend läutet in vielen Orten die Glocke zum Gebet. Wer sie hört, hält für eine Minute inne und betet das Angelus-Gebet, auf Deutsch den Engel des Herrn. In drei kurzen Versen erzählt es, wie der Engel der allerseligsten Jungfrau Maria die Botschaft brachte und das ewige Wort Fleisch wurde. Dieser Ratgeber gibt den vollständigen Text lateinisch und deutsch, erklärt die Gebetszeiten, das Regina caeli der Osterzeit, die Herkunft und den Ablass, den die Kirche damit verbunden hat.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Engel des Herrn, lateinisch Angelus, ist ein kurzes Gebet zu Ehren der Menschwerdung Christi: drei Verse mit je einem Ave Maria, dazu Versikel und Schlussgebet.
  • Gebetet wird er dreimal am Tag, am Morgen, am Mittag und am Abend, nach altem Brauch beim Läuten der Glocke.
  • In der Osterzeit tritt die Antiphon Regina caeli an seine Stelle. Vom Samstagabend bis zum Ende des Sonntags betet man stehend.
  • Die Ablasssammlung Preces et pia opera von 1952 verzeichnet für jedes Beten zehn Jahre Ablass; wer ihn einen Monat lang täglich betet, kann unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass gewinnen.

Was ist das Angelus-Gebet?

Der Engel des Herrn, nach seinem ersten lateinischen Wort auch Angelus-Gebet genannt, ist ein kurzes katholisches Gebet zur Verehrung der Menschwerdung Christi. Es besteht aus drei Versen über die Verkündigung, nach jedem Vers einem Ave Maria, dazu einem Versikel, also einem Wechselvers, und einer Oration, dem Schlussgebet.

Die drei Verse folgen der Heiligen Schrift. Der erste fasst den Bericht des Evangelisten Lukas zusammen: Der Engel Gabriel wird zu Maria gesandt und kündigt ihr an, dass der Heilige Geist über sie kommen wird (Lk 1, 26 bis 35). Der zweite ist ihre Antwort: Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum (Lk 1, 38). Der dritte stammt aus dem Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1, 14). Zwischen die Verse tritt jeweils das Ave Maria, das selbst mit dem Gruß des Engels beginnt. So betrachtet man in einer Minute die Verkündigung, die im Rosenkranz das erste freudenreiche Geheimnis ist.

Wie der ganze Rosenkranz gebetet wird, zeigt unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz.

„Et Verbum caro factum est, et habitavit in nobis.“ Und das Wort ist Fleisch geworden, und hat unter uns gewohnt.

Joh 1, 14 nach der Vulgata; deutsch nach Beringer, Die Ablässe, 1893, Nr. 90

Wie lautet der Text des Engel des Herrn?

Der Text des Engel des Herrn beginnt mit dem Vers „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft“, darauf antworten die Betenden „Und sie empfing vom Heiligen Geiste“ und beten ein Ave Maria. Es folgen zwei weitere Verse mit Ave Maria, zum Schluss Versikel und Oration.

Im Wortlaut steht V. für den Vers und R. für die Antwort darauf. Der lateinische Wortlaut folgt der amtlichen Ablasssammlung von 1952, der deutsche einer von der Ablasskongregation approbierten Ausgabe von 1893.

V. Angelus Domini nuntiavit Mariae, R. Et concepit de Spiritu Sancto. Ave Maria.
V. Ecce ancilla Domini, R. Fiat mihi secundum verbum tuum. Ave Maria.
V. Et Verbum caro factum est, R. Et habitavit in nobis. Ave Maria.
V. Ora pro nobis, sancta Dei Genitrix, R. Ut digni efficiamur promissionibus Christi.
Oremus. Gratiam tuam, quaesumus Domine, mentibus nostris infunde: ut qui, Angelo nuntiante, Christi Filii tui incarnationem cognovimus, per passionem eius et crucem ad resurrectionis gloriam perducamur. Per eumdem Christum Dominum nostrum. Amen.

V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, R. Und sie empfing vom Heiligen Geiste.
Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus, Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
V. Siehe ich bin eine Magd des Herrn, R. Mir geschehe nach deinem Worte. Gegrüßet seist du Maria …
V. Und das Wort ist Fleisch geworden, R. Und hat unter uns gewohnt. Gegrüßet seist du Maria …

V. Bitte für uns, o heilige Gottesgebärerin, R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Lasset uns beten. Wir bitten dich, o Herr, du wollest deine Gnade in unsere Herzen eingießen; damit wir, die wir durch die Botschaft des Engels die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt haben, durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung geführt werden. Durch denselben Christum unsern Herrn. R. Amen.

Latein nach Preces et pia opera, Vatikan 1952, Nr. 331 a. Deutsch nach Franz Beringer: Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch, 10. Auflage, Paderborn 1893, Nr. 90, S. 168 (Abkürzung „hl.“ ausgeschrieben als „Heiligen“). Ave Maria in der Fassung unseres Gebetsbegleiters.

Das Schlussgebet Gratiam tuam kennt auch das römische Brevier. Es betet dieselbe Oration im Advent nach der marianischen Antiphon Alma Redemptoris Mater, mit dem Versikel über die Botschaft des Engels. Es fasst den Weg des Heilands in einem Satz zusammen: von der Menschwerdung über Leiden und Kreuz zur Auferstehung.

Wann betet man den Engel des Herrn?

Den Engel des Herrn betet man dreimal am Tag: am frühen Morgen, am Mittag und am Abend, nach altem Brauch beim Läuten der Glocke. Wer die Glocke nicht hört oder zur Stunde verhindert ist, betet ihn ungefähr zur gewohnten Zeit oder sobald es danach möglich ist.

Papst Benedikt XIII. nennt im Breve Injunctae Nobis vom 14. September 1724 den Morgen, den Mittag und den Abend nach Sonnenuntergang. Die Sammlung von 1952 spricht vom ersten Tagesanbruch, der Mittagszeit und dem Abend. Eine feste Uhrzeit schreibt die Kirche nicht vor; wann geläutet wird, ist Ortsbrauch. Vielerorts geschieht es gegen 6, um 12 und gegen 18 Uhr.

Zeit Gebet und Haltung
Werktags Engel des Herrn mit drei Ave Maria, kniend
Sonntags Engel des Herrn, stehend, schon ab der Vesper am Samstag
Osterzeit Regina caeli mit Versikel und Oration, stehend
Ohne Text fünf Ave Maria

Das Stehen vom Samstagabend bis zum Ende des Sonntags bestimmte Papst Benedikt XIV. in einem Schreiben des Kardinalvikars vom 20. April 1742. Das Messbuch von Anselm Schott vermerkt 1894 dasselbe: kniend, nur am Samstagabend und am Sonntag stehend.

Was betet man in der Osterzeit statt des Angelus?

In der Osterzeit betet man statt des Engel des Herrn die marianische Antiphon Regina caeli, deutsch „O Himmelskönigin, erfreue dich“, mit eigenem Versikel und eigener Oration. Sie besingt die Freude der Muttergottes über die Auferstehung ihres Sohnes und wird stehend gebetet.

Regina caeli laetare, alleluia:
Quia quem meruisti portare, alleluia,
Resurrexit, sicut dixit, alleluia.
Ora pro nobis Deum, alleluia.
V. Gaude et laetare, Virgo Maria, alleluia, R. Quia surrexit Dominus vere, alleluia.
Oremus. Deus, qui per resurrectionem Filii tui Domini nostri Iesu Christi mundum laetificare dignatus es: praesta quaesumus, ut per eius Genitricem Virginem Mariam perpetuae capiamus gaudia vitae. Per eumdem Christum Dominum nostrum. Amen.

O Himmelskönigin, erfreue dich, Alleluja:
Denn der, den du zu tragen gewürdiget wurdest, Alleluja:
Ist auferstanden, wie er es vorhergesagt, Alleluja.
Bitte Gott für uns, Alleluja.
V. Freue dich und frohlocke, o Jungfrau Maria, Alleluja, R. Weil der Herr wahrhaft auferstanden ist, Alleluja.
Lasset uns beten. O Gott, der du durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesu Christi, die Welt zu erfreuen dich gewürdiget hast; wir bitten dich, verleihe, daß wir durch seine Gebärerin, die heilige Jungfrau Maria, zu den Freuden des ewigen Lebens gelangen, durch denselben Christum unsern Herrn. R. Amen.

Latein nach Preces et pia opera, Vatikan 1952, Nr. 331 b. Deutsch nach Beringer, Die Ablässe, 1893, Nr. 90, S. 169.

Die Osterzeit für das Regina caeli beginnt nach Beringer (1893) mit dem Alleluja in der Messe des Karsamstags und schließt mit der Messe am Samstag vor dem Dreifaltigkeitsfest. Wer die Antiphon nicht auswendig kann, darf nach derselben Quelle weiter den Engel des Herrn beten. Im römischen Brevier folgt auf die Komplet jeweils eine marianische Antiphon; in der Osterzeit ist es das Regina caeli.

Woher kommt der Engel des Herrn?

Der Engel des Herrn entstand im Mittelalter aus dem Brauch, beim Abendläuten drei Ave Maria zu beten. Papst Johannes XXII. empfahl ihn 1318 und verband ihn mit einem Ablass. Das Morgen- und das Mittagsläuten kamen später hinzu, die heutigen drei Verse erst im 16. Jahrhundert.

Die Catholic Encyclopedia von 1907 unterscheidet sorgfältig zwischen Sicherem und Vermutetem. Ein Generalkapitel der Franziskaner unter dem heiligen Bonaventura wies in den 1260er Jahren die Prediger an, das Volk beim Läuten zur Komplet zum Ave Maria anzuhalten. Für das Morgenläuten nennt sie die Chronik von Parma aus dem Jahr 1318. Das Mittagsläuten war eng mit der Verehrung des Leidens Christi verbunden und wurde anfangs offenbar nur am Freitag geläutet, so in Prag 1386 und in Mainz 1423.

Die drei Verse erscheinen zuerst in einem Katechismus, der 1560 in Venedig gedruckt wurde; in der vollen heutigen Form sind sie seit 1612 belegt. Dass in der Osterzeit das Regina caeli an die Stelle tritt, empfahlen Angelo Rocca und Quarti zu Beginn des 17. Jahrhunderts; Benedikt XIV. schrieb es 1742 vor.

Welchen Ablass hat die Kirche mit dem Angelus verbunden?

Für den Engel des Herrn gewährt die Sammlung Preces et pia opera von 1952 jedes Mal zehn Jahre Ablass. Wer ihn einen Monat lang täglich betet, kann einmal im Monat einen vollkommenen Ablass gewinnen, unter den üblichen Bedingungen: Beichte, Kommunion, Besuch einer Kirche und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters.

Die Bewilligung der Sammlung von 1952 beruht auf einer Entscheidung der Apostolischen Pönitentiarie vom 20. Februar 1933. Sie gilt für das Gebet am Morgen, am Mittag und am Abend, in der Osterzeit für das Regina caeli, und ebenso für fünf Ave Maria an seiner Stelle. Nach dem ersten Ablass Johannes' XXII. von 1318 gab Benedikt XIII. 1724 die Bewilligung, die bis ins 20. Jahrhundert galt: 100 Tage für jedes Beten und einmal im Monat ein vollkommener Ablass. Leo XIII. erlaubte am 3. April 1884, dass auch gewinnt, wer aus vernünftigem Grund nicht knien oder nicht auf die Glocke achten kann.

Aus der Werkstatt

Unseren Regina-caeli-Rosenkranz haben wir nach der österlichen Antiphon benannt. Die Ave-Perlen sind matte schwarze Steinperlen von 8 mm, die Vater-unser-Perlen Glasschliffperlen von 12 mm in Saphirblau oder Smaragdgrün; das Mittelstück trägt ein Marienmotiv, das an ein gotisches Rosenfenster erinnert. Der Rosenkranz ist 50 cm lang.

Stein und Glas geben dem Rosenkranz ein gewisses Gewicht, so liegt er gut in der Hand, auch wenn man ihn nur für die drei Ave Maria des Engel des Herrn aus der Tasche nimmt.

Regina-caeli-Rosenkranz an schwarzer Kordel mit matten Steinperlen und saphirblauen Glasschliffperlen Im Artikel erwähnt Regina caeli Rosenkranz saphirblau Handgefertigt an schwarzer Kordel, mit Steinperlen, saphirblauen Glasschliffperlen und Marienmittelstück. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zum Angelus-Gebet

Muss man den Engel des Herrn kniend beten?

Den Engel des Herrn betet man nach der Überlieferung an Werktagen kniend, vom Samstagabend bis zum Ende des Sonntags und in der Osterzeit stehend. Seit Leo XIII. (1884) gewinnt den Ablass auch, wer aus vernünftigem Grund nicht knien kann.

Kann man den Angelus ohne Glockenläuten beten?

Den Angelus kann man auch ohne Glocke beten. Pius VI. erlaubte 1781 für Orte ohne Geläut, ihn ungefähr zu den gewohnten Stunden zu beten, und die Sammlung von 1952 nennt ausdrücklich auch das Beten, sobald es danach möglich ist.

Was betet man, wenn man den Text nicht auswendig kann?

Wer den Text des Engel des Herrn nicht auswendig kann oder nicht ablesen kann, betet fünf Ave Maria. So bestimmte es Leo XIII. 1884; die Sammlung von 1952 lässt fünf Ave Maria an Stelle des Angelus allgemein zu. Hilfreich ist ein Rosenkranz aus unserer Werkstatt in der Tasche.

Was hat der Engel des Herrn mit dem Rosenkranz zu tun?

Engel des Herrn und Rosenkranz betrachten dieselbe Begebenheit: Die Verkündigung ist das erste freudenreiche Geheimnis, das am Montag und Donnerstag gebetet wird. Beide Gebete tragen das Ave Maria in der Mitte.

Quellen
  1. Preces et pia opera, Vatikan 1952, Nr. 331 a und b (Angelus Domini, Regina caeli) mit der Bewilligung der Apostolischen Pönitentiarie vom 20. Februar 1933. archive.org
  2. Franz Beringer: Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch, 10. Auflage, Paderborn 1893, Nr. 90, S. 168 bis 170, mit den Bewilligungen Benedikts XIII. (1724), Benedikts XIV. (1742), Pius' VI. (1781) und Leos XIII. (1884). archive.org
  3. Herbert Thurston: Angelus. The Catholic Encyclopedia, Bd. 1, New York 1907. newadvent.org
  4. Anselm Schott: Das Meßbuch der heiligen Kirche, 4. Auflage, Freiburg 1894, Anhang S. [151] f.
  5. Breviarium Romanum, marianische Antiphonen Alma Redemptoris Mater und Regina caeli, nach dem Text von Divinum Officium; Das römische Brevier in deutscher Sprache, herausgegeben von Ferdinand Janner, Winterteil, Regensburg 1890, S. 147 f.
  6. Biblia Sacra Vulgata (Clementina): Lk 1, 26 bis 38 (drbo.org); Joh 1, 14 (drbo.org).

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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