Schutzengelgebet: Text, Herkunft und das Fest der heiligen Schutzengel
Engel Gottes, der du mein Beschützer bist: das Schutzengelgebet lateinisch und deutsch, die Kinderverse aus Deharbes Gebetbüchlein, die Lehre des heiligen Thomas und das Fest am 2. Oktober.
Am Kinderbett, kurz bevor das Licht ausgeht, sprechen viele Familien noch heute einen kleinen Vers: „O heiliger Schutzengel mein“. Schutzengelgebete gehören zu den ersten Gebeten, die ein katholisches Kind lernt, und viele Erwachsene beten sie ein Leben lang weiter. Dieser Ratgeber gibt Ihnen das lateinische Angele Dei mit seiner alten deutschen Übersetzung, die Kinderverse aus einem Gebetbuch von 1905, die Lehre des heiligen Thomas von Aquin über die Schutzengel und das Fest am 2. Oktober.
- Das Schutzengelgebet ist die Anrufung des Engels, den Gott jedem Menschen zur Hut beigegeben hat. Lateinisch beginnt es Angele Dei, qui custos es mei, deutsch „Engel Gottes, der du mein Beschützer bist“.
- Nach dem heiligen Thomas von Aquin hat jeder Mensch von seiner Geburt an einen eigenen Schutzengel (Summa theologiae I, q. 113, a. 2 und a. 5).
- Das Fest der heiligen Schutzengel feiert die Kirche am 2. Oktober, im Kalender von 1962 als Fest III. Klasse.
- Papst Pius VI. hat das Angele Dei 1795 mit Ablässen versehen; die Sammlung Preces et pia opera von 1952 führt es unter Nr. 452.
Wie lautet das Schutzengelgebet?
Als klassisches Schutzengelgebet betet die Kirche: „Engel Gottes, der du mein Beschützer bist, erleuchte mich, bewahre mich, leite und regiere mich, der ich dir von der göttlichen Liebe anvertraut bin. Amen.“ Lateinisch heißt es Angele Dei, qui custos es mei und wird morgens und abends gebetet.
Angele Dei, qui custos es mei, me tibi commissum pietate superna hodie (vel hac nocte) illumina, custodi, rege et guberna. Amen.
Engel Gottes, der du mein Beschützer bist, erleuchte mich, bewahre mich, leite und regiere mich, der ich dir von der göttlichen Liebe anvertraut bin. Amen.
Latein: Preces et pia opera, Rom 1952, Nr. 452. Deutsch: Sammlung von Gebeten und frommen Werken, für welche die Päpste heilige Ablässe verliehen haben, übersetzt von Michael Haringer, 2. Ausgabe, Regensburg 1865, Zweiter Anhang, Morgengebet S. 62.
Das lateinische Gebet hat vier Bitten: illumina, „erleuchte“, custodi, „behüte“, rege, „lenke“, und guberna, „regiere“. Am Morgen sagt man hodie, „heute“, am Abend hac nocte, „in dieser Nacht“. Die deutsche Fassung stammt aus der Übersetzung der römischen Ablasssammlung durch den Redemptoristen Michael Haringer, die 1865 als einzige von der Ablasskongregation approbierte deutsche Ausgabe erschien. Sie steht dort im Morgengebet und noch einmal im Abendgebet.
Welche Schutzengelgebete gibt es für Kinder?
Für Kinder gibt es gereimte Schutzengelgebete, die sich leicht merken lassen. Das bekannteste beginnt „O heiliger Schutzengel mein, laß mich dir anbefohlen sein“. Das Gebetbüchlein „Manna“ des Jesuiten Joseph Deharbe überliefert es 1905 für den Morgen und für den Abend.
O heiliger Schutzengel mein!
Joseph Deharbe SJ: Manna oder Gebetbüchlein für die katholische Schuljugend, Regensburg: Pustet 1905, Abendgebet S. 16
Laß mich dir anbefohlen sein!
In allen Nöten steh mir bei
Und halte mich von Sünden frei.
In dieser Nacht, ich bitte dich,
Beschütze und bewahre mich. Amen.
Am Morgen heißt die fünfte Zeile „An diesem Tag, ich bitte dich“ (S. 5). Den längeren Vers setzt Deharbe ans Ende des Morgen- und des Abendgebets, vor Vater unser, „Gegrüßet seist du“ und „Ich glaube“. Unter den Stoßgebetlein führt er auf S. 13 einen noch kürzeren Vers „Zum heiligen Schutzengel“:
Heiliger Schutzengel mein!
Deharbe, Manna, Regensburg 1905, S. 13
Laß mich dir befohlen sein:
Daß mein Herz von Sünden frei,
Allzeit gottgefällig sei.
Beide Verse eignen sich für Kinder, die das Angele Dei noch nicht auswendig können. Diese Grundgebete finden Sie im Wortlaut in unserer Anleitung zum Rosenkranz mit allen Gebeten.
Was ist ein Schutzengel?
Ein Schutzengel ist ein Engel, den Gott einem einzelnen Menschen zur Hut beigegeben hat. Er soll ihn nach dem heiligen Thomas von Aquin zum Guten lenken, ihn erleuchten und vor den Nachstellungen der bösen Geister bewahren. Die Lehre stützt sich auf Matthäus 18, 10.
Der Herr selbst sagt von den Kindern: „Sehet zu, daß ihr Keines aus diesen Kleinen verachtet; denn ich sage euch, ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist“ (Mt 18, 10 nach Allioli). Allioli bemerkt dazu, auf dieser und anderen Stellen und auf der Überlieferung der Väter beruhe die Lehre, „daß jeder Mensch einen eigenen, von Gott bestimmten Schutzengel habe, der von der Geburt bis zum Tode ihm beisteht“. Psalm 90 sagt: Quoniam angelis suis mandavit de te, ut custodiant te in omnibus viis tuis, „Denn seinen Engeln hat er deinethalben befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen“ (Ps 90, 11).
Thomas von Aquin begründet, warum der Mensch diese Hut braucht. Der freie Wille könne das Böse zwar „einigermaßen“ meiden, aber nicht hinreichend, weil der Mensch durch viele Leidenschaften geschwächt sei (S. th. I, q. 113, a. 1). Deshalb sei dem Menschen die Hut der Engel notwendig. Dass jeder Einzelne einen eigenen Engel hat, begründet Thomas mit der Vorsehung Gottes für jede einzelne, unvergängliche Seele (a. 2). Die Hut über ganze Völker gehört nach Thomas höheren Engeln; den Erzengel Michael nennt die Schrift „einen der ersten Fürsten“ (Dan 10, 13; a. 3).
Ab wann hat ein Mensch einen Schutzengel?
Ein Mensch hat seinen Schutzengel nach der Lehre des heiligen Thomas von Aquin von der Geburt an, nicht erst von der Taufe an. Er beruft sich auf den heiligen Hieronymus: Jede Seele habe von der Geburt an einen Engel zu ihrer Hut. Diese Hut dauert, solange der Mensch auf Erden pilgert.
Thomas kennt zwei Meinungen. Die einen sagten, der Engel werde dem Menschen bei der Taufe zugewiesen, die anderen, bei der Geburt. Hieronymus billige die zweite, „und zwar mit Recht“: Was der Mensch als Christ empfängt, beginne mit der Taufe, etwa der Empfang des Altarsakraments. Was ihm aber als vernünftigem Geschöpf zukommt, empfange er, sobald er diese Natur durch die Geburt erhält, und dazu gehöre die Hut der Engel (S. th. I, q. 113, a. 5).
Darum haben auch Ungetaufte einen Schutzengel (a. 4). Nach dem Tod endet die Hut. Wer ans Ziel gelangt ist, hat im Himmel einen Engel, der mit ihm herrscht; wer verloren geht, in der Hölle einen Dämon, der ihn straft (a. 4).
„Magna est dignitas animarum, ut unaquaeque habeat, ab ortu nativitatis, in custodiam sui Angelum delegatum.“ In eigener Übersetzung: Groß ist die Würde der Seelen, dass jede von ihrer Geburt an einen eigens zu ihrer Hut bestellten Engel hat.
Hieronymus zu Mt 18, angeführt bei Thomas von Aquin, Summa theologiae I, q. 113, a. 2
Verlässt der Schutzengel einen Menschen, wenn er sündigt?
Der Schutzengel verlässt einen Menschen nach Thomas von Aquin nie ganz, auch nicht in der Sünde. Er lässt aber nach Gottes Ratschluss zu, dass der Mensch eine Prüfung erleidet oder in Sünde fällt. Wer verloren geht, geht nicht an der Nachlässigkeit des Engels zugrunde, sondern an eigener Bosheit.
Thomas schreibt: Angelus custos nunquam totaliter dimittit hominem, sed ad aliquid interdum eum dimittit, in eigener Übersetzung: „Der Schutzengel lässt den Menschen niemals ganz los, wohl aber zuweilen in einer Hinsicht“ (S. th. I, q. 113, a. 6). Schon in Artikel 1 heißt es, dass Menschen den Eingebungen der guten Engel ebenso den Rücken kehren können wie der natürlichen Neigung zum Guten. Der Engel wirkt nicht wie ein Schutzschild, sondern er erleuchtet und lenkt. Ob der Mensch folgt, liegt an seinem freien Willen. Das Schutzengelgebet bittet darum genau um das, was der Engel tut: erleuchten, behüten, lenken, regieren.
Wann ist das Fest der heiligen Schutzengel?
Am 2. Oktober feiert die Kirche das Fest der heiligen Schutzengel. Das Römische Messbuch von 1962 führt es als Fest III. Klasse mit eigener Messe. Papst Paul V. nahm das Fest 1608 als frei wählbares Fest in den allgemeinen Kalender auf, Papst Clemens X. schrieb es für die ganze Kirche am 2. Oktober vor.
Die Messe vom 2. Oktober vereint die Schriftstellen über die Schutzengel. Die Lesung ist Exodus 23, 20 bis 23: Ecce ego mittam Angelum meum, qui praecedat te, et custodiat in via, in eigener Übersetzung: „Siehe, ich sende meinen Engel, der vor dir hergehe und dich behüte auf dem Weg“. Das Graduale singt Psalm 90, 11 f., das Evangelium ist Matthäus 18, 1 bis 10. Die Oration lautet:
Deus, qui ineffabili providentia sanctos Angelos tuos ad nostram custodiam mittere dignaris: largire supplicibus tuis; et eorum semper protectione defendi, et aeterna societate gaudere.
O Gott, der du in unaussprechlicher Vorsehung deine heiligen Engel zu unserer Hut zu senden dich würdigst: gewähre deinen Flehenden, dass sie durch ihren Schutz allezeit verteidigt werden und sich ihrer ewigen Gemeinschaft erfreuen.
Missale Romanum 1962, 2. Oktober, Oratio. Deutsch: eigene Übersetzung.
Die Angaben zu Paul V. und Clemens X. folgen der Catholic Encyclopedia von 1910. Nach ihr erhob Leo XIII. das Fest am 5. April 1883 zu einem Fest höheren Ranges (duplex maius). Dieselbe Quelle berichtet, dass es in Deutschland und an vielen anderen Orten damals durch päpstliches Privileg am ersten Sonntag im September gefeiert wurde.
Ist mit dem Schutzengelgebet ein Ablass verbunden?
Mit dem Schutzengelgebet Angele Dei ist nach der amtlichen Sammlung Preces et pia opera („Gebete und fromme Werke“) von 1952 ein Ablass von dreihundert Tagen verbunden. Wer es einen Monat lang täglich betet, kann unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass gewinnen.
Die Sammlung nennt unter Nr. 452 außerdem einen vollkommenen Ablass am Fest der heiligen Schutzengel für alle, die das Gebet im Lauf des Jahres oft morgens und abends gebetet haben, und einen vollkommenen Ablass in der Todesstunde. Diesen gewinnt, wer das Gebet im Leben oft gebetet hat, gebeichtet und kommuniziert hat oder wenigstens reuig ist, den Namen Jesu mit dem Mund oder im Herzen anruft und den Tod geduldig aus Gottes Hand annimmt.
Nach dem Kirchenrecht von 1917 gilt ein Ablass für ein vorgeschriebenes Gebet in jeder Sprache, wenn die Übersetzung kirchlich als treu bestätigt ist (CIC 1917, can. 934 § 2). Haringers Übersetzung trägt auf dem Titelblatt den Vermerk, sie sei die „einzige von der hl. Congregation der Abläße in Rom approbirte und für authentisch erklärte Uebersetzung“.
Die üblichen Bedingungen der anderen vollkommenen Ablässe sind nach den Vorbemerkungen der Sammlung die heilige Beichte, die heilige Kommunion, der Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums und ein Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters. Als Ursprung nennt die Sammlung das Breve Pius' VI. vom 2. Oktober 1795, ergänzt durch Dekrete von 1796, 1821 und 1935.
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Im Artikel erwähnt
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Häufige Fragen zum Schutzengelgebet
Hat jeder Mensch einen eigenen Schutzengel?
Jeder Mensch hat nach Thomas von Aquin einen eigenen Schutzengel, auch wer nicht getauft ist (S. th. I, q. 113, a. 2 und a. 4). Die Catholic Encyclopedia von 1910 nennt dies keinen definierten Glaubenssatz, aber mit Hieronymus die Auffassung der Kirche.
Kennt man den Namen seines Schutzengels?
Den Namen ihres Schutzengels kennen die Gläubigen nicht. Die Heilige Schrift nennt nur drei Engel beim Namen: Michael, Gabriel und Raphael. Das Angele Dei spricht den Engel deshalb schlicht als „Engel Gottes“ an.
Was schenkt man zur Taufe oder Erstkommunion mit Bezug zum Schutzengel?
Zur Taufe oder Erstkommunion passt ein Andachtsgegenstand, zu dem man das Schutzengelgebet aufschreibt und dazulegt, etwa ein heller Rosenkranz oder ein Heiligenbild. Statuen und Bilder finden Sie in unserer Kollektion Statuen von Heiligen.
- Preces et pia opera indulgentiis ditata, Rom: Typis Polyglottis Vaticanis 1952, Nr. 452 (Ad Angelum proprium custodem). archive.org
- Sammlung von Gebeten und frommen Werken, für welche die Päpste heilige Ablässe verliehen haben, hg. von Aloysius Prinzivalli, übersetzt von Michael Haringer, 2. Ausgabe, Regensburg: Manz 1865, Zweiter Anhang, Morgengebet S. 62 und Abendgebet S. 67. archive.org
- Joseph Deharbe SJ: Manna oder Gebetbüchlein für die katholische Schuljugend, Regensburg: Pustet 1905, S. 5, 13 und 16. archive.org
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 934 § 2. codex-iuris-canonici.de
- Thomas von Aquin: Summa theologiae I, q. 113, a. 1 bis 6. corpusthomisticum.org
- Missale Romanum, Ausgabe 1962, 2. Oktober, Ss. Angelorum Custodum. archive.org
- Biblia Sacra Vulgatae Editionis (Clementina), Ex 23, 20; Ps 90, 11; Dan 10, 13; Mt 18, 10. drbo.org
- Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes, Bd. 5, 4. Auflage, Landshut 1839, Mt 18, 10 mit Anm. 11 (S. 88); Bd. 3, Ps 90, 11. archive.org
- Hugh Pope: Guardian Angel; Thomas Gilmartin: Feast of the Guardian Angels. The Catholic Encyclopedia, Bd. 7, New York 1910. newadvent.org (Guardian Angel), newadvent.org (Feast)
Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.
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