Glaubenswissen

Kreuzritter: wer sie waren und wofür sie kämpften

Was ein Kreuzritter gelobte, warum er das Kreuz auf dem Mantel trug und wofür er kämpfte, erzählt aus den Chroniken des ersten Kreuzzugs, mit den deutschen Kreuzrittern.

10 Min. LesezeitMarcellusOnlineShop

Als Bohemund 1096 vor Amalfi lag und hörte, dass ein unzählbares Heer der Franken herankam, ließ er seinen kostbarsten Mantel bringen und ihn ganz zu Kreuzen zerschneiden. So berichtet es der Chronist Petrus Tudebodus. Aus dem normannischen Fürsten wurde ein Kreuzritter: ein Ritter, der das Kreuz genommen hatte. Dieser Ratgeber erklärt nach den Quellen, wer die Kreuzritter waren, was sie gelobten, warum sie das Kreuz auf dem Gewand trugen und wofür sie kämpften, mit einem eigenen Abschnitt über die deutschen Kreuzritter.

Das Wichtigste in Kürze
  • Ein Kreuzritter ist ein Ritter, der durch ein feierliches Gelübde das Kreuz genommen hatte und als Kreuzfahrer in das Heilige Land zog.
  • Das Stoffkreuz nähten die Kreuzfahrer nach Fulcher von Chartres auf die Schultern von Mantel und Rock. Für den Heimweg verlangte Urban II. nach Robert dem Mönch das Kreuz zwischen den Schultern.
  • Die Kirche nahm den Kreuzfahrer unter ihren Schutz, Papst Eugen III. ausdrücklich auch seine Frau, seine Kinder und seine Güter.
  • Nicht jeder Kreuzritter war Ordensritter. Die meisten kehrten nach erfülltem Gelübde heim, auf Dauer gebunden waren die Ritterorden der Templer, Johanniter und des Deutschen Ordens.

Was ist ein Kreuzritter?

Ein Kreuzritter ist ein Ritter, der im Mittelalter das Kreuz genommen hatte: Er gelobte Gott feierlich, in das Heilige Land zu ziehen, empfing ein Kreuz für sein Gewand und galt von da an als Kreuzfahrer, der unter dem besonderen Schutz der Kirche stand.

Die Catholic Encyclopedia beschreibt den Ablauf so: Nach dem feierlichen Gelübde empfing jeder Krieger ein Kreuz aus der Hand des Papstes oder seiner Legaten und galt fortan als Soldat der Kirche. Ritter war, wer zu Pferd und in schwerer Rüstung kämpfte. Zur Zeit der Kreuzzüge trug er ein Kettenhemd, und kein Ritter galt als richtig ausgerüstet ohne mindestens drei Pferde: das Streitross für den Angriff, ein Reitpferd für den Weg und ein Packpferd.

Das Wort Kreuzfahrer ist weiter. Mit den Kreuzrittern zogen nach Fulcher von Chartres Fußvolk und Menschen aller Berufe. Kreuzritter waren die Ritter unter ihnen.

Wer zog als Kreuzritter ins Heilige Land?

Als Kreuzritter zogen Fürsten und Ritter aus Frankreich, Lothringen und Deutschland, aus Flandern, der Normandie, England und Süditalien. Neben ihnen nahmen Menschen aller Stände das Kreuz, denn der selige Papst Urban II. rief Reiche wie Arme, Reiter wie Fußvolk zur Fahrt auf.

Fulcher von Chartres, der selbst mitzog, nennt die Fürsten des ersten Kreuzzugs: Hugo den Großen, den Bruder des französischen Königs, Herzog Robert von der Normandie, Graf Stephan von Blois, Graf Robert von Flandern, Gottfried von Bouillon, Graf Raimund von Toulouse mit Bischof Adhémar von Le Puy und Bohemund, den Sohn Robert Guiscards. Aufgebrochen wurde ab März 1096, jeder, wie es seine Mittel erlaubten.

Nicht jeder durfte gehen. Nach Robert dem Mönch wollte Urban Alte, Schwache und Waffenunfähige nicht dabeihaben. Priester brauchten die Erlaubnis ihres Bischofs, Laien den Segen ihres Priesters, und die Reichen sollten Ärmeren helfen. Fulcher schildert auch den Abschied: Der Mann nannte seiner Frau die Frist seiner Rückkehr, sie sank klagend und wie leblos zu Boden.

Was gelobte ein Kreuzritter bei der Kreuznahme?

Bei der Kreuznahme gelobte der Kreuzritter Gott feierlich, die Fahrt zum Heiligen Grab anzutreten und zu vollenden. Er empfing ein geweihtes Kreuz, und die Kirche nahm ihn, seine Familie und seinen Besitz für die Dauer der Fahrt unter ihren Schutz.

Robert der Mönch gibt das Wort Urbans wieder: Wer sich zu dieser heiligen Pilgerfahrt entschließe, Gott das Versprechen gebe und sich ihm als lebendiges Opfer weihe, solle das Kreuz tragen. Papst Eugen III. bestätigte in seiner Kreuzzugsbulle die Rechte der Kreuzfahrer: Frau, Kinder und Güter stehen unter dem Schutz der Kirche, über ihren Besitz darf nicht prozessiert werden, bis sichere Nachricht von ihrer Rückkehr oder ihrem Tod vorliegt, für alte Schulden zahlen sie keine Zinsen. Wer das Gelübde brach, galt nach Guibert von Nogent als geächtet, bis er bereute und nachholte, was er versprochen hatte.

Das Pontificale Romanum, das Buch der bischöflichen Handlungen, enthält etwa in der Ausgabe von 1859 eine eigene Weihe des Kreuzes für alle, die zur Verteidigung des Glaubens oder zur Wiedergewinnung des Heiligen Landes aufbrechen. Der Bischof segnet das Kreuz, besprengt es mit Weihwasser und legt es dem Knienden mit diesen Worten auf:

Accipe signum crucis. In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti, in figuram crucis, passionis, et mortis Christi, ad tui corporis et animae defensionem; ut divinae bonitatis gratia post iter expletum, salvus et emendatus ad tuos valeas remeare. Per Christum Dominum nostrum. Amen.

Empfange das Zeichen des Kreuzes, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, als Bild des Kreuzes, des Leidens und des Todes Christi, zum Schutz deines Leibes und deiner Seele, damit du durch die Gnade der göttlichen Güte nach vollendeter Fahrt heil und gebessert zu den Deinen zurückkehren kannst. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Pontificale Romanum, De benedictione et impositione crucis proficiscentibus in subsidium et defensionem fidei christianae, seu recuperationem Terrae sanctae (Ausgabe 1859, S. 365), deutsch von uns übertragen

Warum trugen Kreuzritter ein Kreuz auf dem Gewand?

Kreuzritter trugen ein Kreuz auf dem Gewand, um das Wort des Herrn zu erfüllen: „Wer sein Kreuz nicht trägt, und mir nachfolget, der kann mein Jünger nicht sein“ (Lk 14, 27, vgl. Mt 10, 38). Nach Fulcher von Chartres nähten sie es auf Geheiß Papst Urbans II. auf die Schultern ihrer Mäntel.

Fulcher beschreibt die Kreuze als Augenzeuge: aus Seide, mit Gold durchwirkt oder aus irgendeinem schönen Tuch, aufgenäht auf Mantel, Umhang oder Rock. Robert der Mönch überliefert eine zweite Regel. Auf dem Hinweg trage man das Kreuz auf Stirn oder Brust, auf der Heimkehr zwischen den Schultern. So erfülle der Kreuzfahrer das Gebot des Herrn auf doppelte Weise. Die Berichte weichen hier also voneinander ab. Als der heilige Bernhard von Clairvaux 1146 in Vézelay predigte, reichten die Kreuze nicht, und er musste Teile seines Habits dafür hergeben.

Wer Kreuz
Kreuzfahrer 1096 Stoffkreuz auf der rechten Schulter oder zwischen den Schultern
Franzosen 1188 rotes Kreuz
Engländer 1188 weißes Kreuz
Flamen 1188 grünes Kreuz
Templer rotes Kreuz auf weißem Mantel
Johanniter weißes Kreuz auf schwarzem Mantel
Deutscher Orden schwarzes Kreuz auf weißem Mantel, seit 1205

Die Angaben stammen von Petrus Tudebodus für 1096, von Roger von Hoveden für 1188, von Wilhelm von Tyrus für die Templer und aus der Catholic Encyclopedia für Johanniter und Deutschen Orden. Die Farben von 1188 legten die Könige von Frankreich und England fest, als sie am 21. Januar 1188 bei Gisors aus der Hand des Erzbischofs von Tyrus das Kreuz nahmen, damit jedes Volk die Seinen erkennen konnte. Das Jerusalemer Kreuz, ein großes Kreuz mit vier kleinen in den Winkeln, tragen heute unsere Aufnäher mit dem Jerusalemer Kreuz.

Kruzifix mit INRI, Alpha und Omega, Jerusalemer Kreuz und Christusmonogramm an einem Rosenkranz aus grauem Paracord
Das 8 cm große Kruzifix der Rosenkränze unserer Deus-vult-Serie, benannt nach dem Ruf „Gott will es“ von Clermont 1095, mit Jerusalemer Kreuz, Alpha und Omega und Christusmonogramm. Foto aus unserer Werkstatt.

Wofür kämpften die Kreuzritter?

Die Kreuzritter kämpften nach dem Aufruf Papst Urbans II. für die Befreiung Jerusalems und des Heiligen Grabes, für die bedrängten Christen des Ostens und für die Sicherheit der Pilger. Zugleich war die Fahrt eine Buße: Wer sie allein aus Frömmigkeit antrat, dem galt sie anstelle jeder Buße.

Urban wandte sich in Clermont ausdrücklich an Ritter, die bisher gegen ihre eigenen Brüder Fehde geführt hatten. Wer bisher für ein paar Münzen als Söldner gedient habe, solle nun den ewigen Lohn erlangen. Eugen III. mahnte in derselben Bulle, die Kreuzfahrer sollten keine kostbaren Kleider, Hunde und Falken mitnehmen, sondern ihre Sorge auf Waffen und Pferde richten.

„Nunc fiant Christi milites, qui dudum exstiterunt raptores.“ Nun sollen Streiter Christi werden, die bisher Räuber waren.

Urban II. in Clermont nach Fulcher von Chartres, Historia Hierosolymitana I, 3

Nicht alle lebten danach. 1096 ermordeten ungeordnete Haufen in deutschen Städten Juden, bei der Einnahme Jerusalems 1099 töteten Kreuzfahrer die Bewohner ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht, und die Plünderung Konstantinopels 1204 tadelte Papst Innozenz III. scharf. Andere wurden zum Vorbild: König Ludwig IX. von Frankreich führte zwei Kreuzzüge und starb am 25. August 1270 vor Tunis. Die Kirche verehrt ihn als Heiligen, der Kalender von 1962 feiert ihn an seinem Todestag. Die Oration des Festes bittet Gott, der den heiligen Ludwig „vom irdischen Reich zur Herrlichkeit des himmlischen Reiches“ geführt hat.

Wer waren die deutschen Kreuzritter?

Zu den bekanntesten deutschen Kreuzrittern gehören Gottfried von Bouillon, Herzog von Niederlothringen und Vasall des deutschen Kaisers, König Konrad III., Kaiser Friedrich Barbarossa und Kaiser Friedrich II. Aus einem Feldspital deutscher Pilger vor Akkon ging 1190 zudem der Deutsche Orden hervor.

Robert der Mönch nennt Gottfried einen Herzog der Deutschen und schildert ihn als schön von Angesicht, hochgewachsen, sanft in der Rede und gegen seine Leute so mild, dass er eher einem Mönch als einem Ritter glich. Um die Fahrt zu bezahlen, verkaufte oder verpfändete er viele seiner Güter. Seine Geschichte erzählt für junge Leser das Buch Gottfried von Bouillon, der erste Kreuzritter.

König Konrad III. und sein Neffe Friedrich, der spätere Kaiser Barbarossa, nahmen 1146 das Kreuz aus der Hand des heiligen Bernhard von Clairvaux. Barbarossa nahm es als Kaiser ein zweites Mal, auf dem Hoftag zu Mainz am 27. März 1188. Am 11. Mai 1189 brach er von Regensburg auf und ertrank am 10. Juni 1190 im Fluss Saleph in Kleinasien. Pilger aus Bremen und Lübeck errichteten 1190 vor Akkon aus Schiffssegeln ein Zelt für ihre kranken Landsleute. Daraus wuchs der Deutsche Orden, dessen vierter Hochmeister Hermann von Salza war.

Aus der Werkstatt

Unser Kreuzritter-Wandbild zeigt einen Tempelritter vor dem Jerusalemer Kreuz, darüber den Psalmvers Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam. Gedruckt wird es im Format DIN A4, 21 × 29,7 cm, auf matten Premium-Fotokarton mit beschichteter Oberfläche und 216 bis 270 g/m².

Wir rollen das Bild nicht, sondern legen es von Hand in einen schützenden Umschlag. Ein Rahmen gehört nicht dazu. Weitere Motive finden Sie unter unseren katholischen Wandbildern.

Kreuzritter-Wandbild mit Tempelritter, Jerusalemer Kreuz und dem Schriftzug Non nobis Domine, an eine helle Wand gelehnt Im Artikel erwähnt Kreuzritter-Wandbild Tempelritter vor dem Jerusalemer Kreuz mit dem Psalmvers Non nobis, Domine, matter Druck in DIN A4, ohne Rahmen. Zum Wandbild Deus-vult-Templer-Rosenkranz aus rotem Paracord mit Edelstahlperlen, Schildperlen und Kruzifix Passend dazu Deus Vult Templer-Rosenkranz Handgeknüpft aus rotem 550er Paracord, mit 10-mm-Edelstahlperlen und Vaterunser-Perlen in Schildform mit Jerusalemer Kreuz. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zu den Kreuzrittern

Was ist der Unterschied zwischen Kreuzrittern und Tempelrittern?

Kreuzritter war jeder Ritter, der das Kreuz nahm und nach erfülltem Gelübde heimkehren durfte. Tempelritter gehörten dem Templerorden an, legten die drei Ordensgelübde ab und blieben auf Dauer im Dienst. Nach der Einnahme Jerusalems 1099 kehrten die meisten Kreuzfahrer heim, weil sie ihr Gelübde für erfüllt hielten.

Durften auch Frauen das Kreuz nehmen?

Frauen durften nach dem Bericht Roberts des Mönchs nicht allein aufbrechen, sondern nur mit Ehemann, Bruder oder rechtmäßigem Vormund. Königin Eleonore von Aquitanien nahm 1146 in Vézelay zusammen mit König Ludwig VII. das Kreuz.

Was geschah, wenn ein Kreuzritter sein Gelübde nicht erfüllte?

Ein Kreuzritter, der sein Gelübde nicht erfüllte, galt nach Guibert von Nogent als geächtet, bis er bereute und die Fahrt nachholte. Selbst Kaiser Friedrich II. wurde 1227 von Papst Gregor IX. gebannt, weil er die versprochene Fahrt immer wieder aufschob.

Was bedeutet „Non nobis, Domine“?

„Non nobis, Domine“ ist der Anfang des 9. Verses von Psalm 113 nach der Vulgata: „Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib die Ehre.“ Der Vers gibt den Ruhm einer Tat Gott und nicht dem, der sie vollbracht hat.

Quellen
  1. Fulcher von Chartres: Historia Hierosolymitana, Buch I, Kap. 3 bis 8. Robert der Mönch: Historia Iherosolimitana, Buch I, Kap. 2 bis 5. Petrus Tudebodus: Historia de Hierosolymitano itinere, Buch I. In: Recueil des historiens des croisades, Historiens occidentaux, Bd. 3, Paris 1866. archive.org
  2. Guibert von Nogent und Robert der Mönch zur Rede Urbans II., übersetzt von D. C. Munro (1895) und A. C. Krey (1921). Internet Medieval Sourcebook
  3. Eugen III.: Kreuzzugsbulle Quantum praedecessores, gegeben zu Vetralla an den Kalenden des Dezember, übersetzt von E. F. Henderson (1910). Konzil von Clermont, Kanon 2, übersetzt von D. C. Munro (1895). Innozenz III.: Brief an seinen Legaten nach der Plünderung Konstantinopels (Patrologia Latina 215). Internet Medieval Sourcebook
  4. Pontificale Romanum, Ausgabe 1859, Pars II: De benedictione et impositione crucis, S. 363 bis 365. archive.org
  5. Roger von Hoveden: Chronica, hg. von W. Stubbs, Bd. 2, London 1869, S. 335 (Gisors 1188). Wilhelm von Tyrus: Historia rerum in partibus transmarinis gestarum XII, 7.
  6. Heilige Schrift nach Allioli, Bd. 5, Landshut 1839: Lk 14, 27. Vulgata Clementina: Lk 14, 27 und Ps 113, 9. drbo.org
  7. Missale Romanum 1962: Fest des heiligen Ludwig am 25. August, Oratio.
  8. The Catholic Encyclopedia, New York 1907 bis 1912: Artikel Crusades, Chivalry, Godfrey of Bouillon, Frederick I, St. Bernard, Templars, Hospitallers, Teutonic Order. newadvent.org

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

Die Werkstatt des MarcellusOnlineShop

Wir knüpfen Rosenkränze von Hand in unserer Werkstatt in Deutschland und schreiben im Ratgeber über Gebete, Devotionalien und den überlieferten katholischen Glauben.

← Zurück zum Blog