Erzengel Michael

Gebet zum Erzengel Michael: Wortlaut, Latein und Herkunft

„Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe“: das von Papst Leo XIII. angeordnete Gebet im Wortlaut, deutsch und lateinisch, mit seiner Herkunft und dem Sinn jeder Bitte.

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Am Ende jeder stillen heiligen Messe knien nach der Anordnung Papst Leos XIII. Priester und Volk nieder und beten gemeinsam: „Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe.“ So beginnt das Gebet zum Erzengel Michael. Es ist kurz, es lässt sich auswendig lernen, und fast jede Bitte klingt an die Heilige Schrift oder die Liturgie an. Dieser Ratgeber gibt Ihnen den Wortlaut auf Deutsch und Latein, erklärt seine Herkunft, den Sinn der einzelnen Bitten und den Unterschied zum Exorzismus Leos XIII.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das Gebet zum heiligen Erzengel Michael ist ein kurzes Bittgebet um Beistand im geistlichen Kampf. Lateinisch beginnt es mit Sancte Michael Archangele, defende nos in proelio.
  • Papst Leo XIII. ließ am 6. Januar 1884 Gebete nach jeder stillen Messe vorschreiben. Das Michaelsgebet kam später hinzu; das Messbuch von Anselm Schott führt es 1894 unter den „Gebeten nach der heiligen Messe“.
  • Die Bitte „Gott gebiete ihm“ greift den Judasbrief auf (Jud 9), das Hinabstürzen des Satans die Geheime Offenbarung (Apk 12, 7 bis 9).
  • Das Gebet ist kein Exorzismus. Es bittet Gott, selbst zu gebieten, und den heiligen Michael, in der Kraft Gottes zu handeln.

Wie lautet das Gebet zum Erzengel Michael?

Der Wortlaut des Gebets zum Erzengel Michael beginnt: „Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz.“ Es folgt die Bitte, Gott möge dem Teufel gebieten, und Michael möge den Satan in der Kraft Gottes in die Hölle hinabstürzen.

Hier steht das ganze Gebet, zuerst lateinisch, wie es das Messbuch von Anselm Schott 1894 abdruckt, dann deutsch in der Fassung, die auch unser Gebetsbegleiter zum Rosenkranz verwendet.

Sancte Michael Archangele, defende nos in proelio; contra nequitiam et insidias diaboli esto praesidium. Imperet illi Deus, supplices deprecamur; tuque Princeps militiae coelestis, Satanam aliosque spiritus malignos, qui ad perditionem animarum pervagantur in mundo, divina virtute in infernum detrude. Amen.

Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels sei unser Schutz. Gott gebiete ihm, so bitten wir flehentlich; du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stürze den Satan und die anderen bösen Geister, die zum Verderben der Seelen die Welt durchziehen, in der Kraft Gottes hinab in die Hölle. Amen.

Lateinisch: Anselm Schott, Das Messbuch der heiligen Kirche, 4. Auflage, 1894, Gebete nach der heiligen Messe. Deutsch: Hausfassung des MarcellusOnlineShop

Woher stammt das Gebet zum heiligen Michael?

Papst Leo XIII. ordnete die Gebete an, zu denen das Gebet zum heiligen Michael gehört. Ein Dekret der Ritenkongregation vom 6. Januar 1884 schrieb sie für das Ende jeder stillen heiligen Messe in der ganzen Kirche vor; das Michaelsgebet wurde später angefügt.

Das Dekret von 1884 knüpft an Pius IX. an, der 1859 solche Gebete nach der Messe für die Kirchen des Kirchenstaates angeordnet hatte. Leo XIII. dehnte sie auf alle Kirchen der Welt aus: dreimal Ave Maria, das Salve Regina, Versikel und Oration, kniend gebetet, mit einem Ablass von 300 Tagen (Acta Sanctae Sedis 16, 1884, S. 239 bis 240). Wann genau das Gebet zum Erzengel hinzukam, nennt das Dekret nicht. Spätestens 1894 gehört es dazu: Im Schott dieses Jahres steht es am Schluss, nach einer Oration „um die Bekehrung der Sünder und um die Freiheit und Erhöhung unserer heiligen Mutter, der Kirche“.

„… da die katholische Kirche des besonderen Schutzes Gottes so sehr bedarf.“

Dekret der Ritenkongregation vom 6. Januar 1884 (cum Ecclesia catholica singulari Dei praesidio tantopere indigeat), Acta Sanctae Sedis 16, S. 240

Pius X. versah 1904 die Anrufung „Heiligstes Herz Jesu, erbarme dich unser“, dreimal nach der Messe gebetet, mit einem Ablass von sieben Jahren und sieben Quadragenen (Raccolta 1910, Nr. 109). Pius XI. bestimmte 1930, die Gebete nach der Messe für Russland aufzuopfern, damit den bedrängten Söhnen Russlands Ruhe und die Freiheit, den Glauben zu bekennen, wiedergegeben werde (Acta Apostolicae Sedis 22, 1930, S. 301).

Wann betet man das Gebet zum Erzengel Michael?

Nach der Ordnung Leos XIII. wird das Gebet zum Erzengel Michael am Ende jeder stillen heiligen Messe gebetet, nach dem Salve Regina und der Oration, vom Priester gemeinsam mit dem Volk und kniend. Außerhalb der Messe kann jeder Gläubige es zu jeder Zeit beten.

Der Schott von 1894 überschreibt die Gebete als solche, die auf Anordnung des heiligen Vaters Leo XIII. nach jeder Messe kniend zu verrichten sind, die Ämter ausgenommen. Ausgenommen sind also die gesungenen Messen. Dass Priester und Volk sie gemeinsam beten, zeigt: Das Michaelsgebet ist ein Gebet für alle Gläubigen, kein Vorrecht des Priesters.

Zu Hause lässt sich das Gebet jederzeit sprechen, etwa am Morgen, in einer Versuchung oder in Sorge um die Kirche. Gut passt es an den Schluss des Rosenkranzes, nach dem Salve Regina. So schlägt es auch unser Gebetsbegleiter vor. Am 29. September, dem Fest des heiligen Michael, singt die Kirche im Halleluja-Vers der Messe dieselben Anfangsworte: Sancte Michael Archangele, defende nos in proelio. Sie stehen auch auf unserem Wandbild des heiligen Michael.

Wandbild des heiligen Erzengels Michael in Schwarz und Beige im Holzrahmen, darunter die Worte defende nos in proelio
Der heilige Michael mit Schwert und Schild über dem Drachen, darunter der Gebetsanfang defende nos in proelio. Motiv des Wandbilds aus unserem Sortiment.

Was bedeuten die Worte des Michaelsgebets?

Die Worte des Michaelsgebets klingen an die Heilige Schrift und die Liturgie an. Der Anfang entspricht dem Halleluja-Vers vom Fest des heiligen Michael, die Bitte „Gott gebiete ihm“ dem Judasbrief, der Sturz des Satans der Geheimen Offenbarung.

Vorbild Gebetstext Anklang
Missale defende nos in proelio, verteidige uns im Kampfe Halleluja-Vers am 29. September, Missale Romanum 1962
Jud 9 Imperet illi Deus, Gott gebiete ihm Imperet tibi Dominus, „Der Herr gebiete dir“
Dan 12, 1 Princeps militiae coelestis, Fürst der himmlischen Heerscharen Michaël princeps magnus, „der große Fürst“
Apk 12, 9 Satanam … in infernum detrude, stürze den Satan hinab projectus est draco ille magnus, „es ward hinabgeworfen jener große Drache“

Besonders sprechend ist die zweite Zeile. Im Judasbrief wagt Michael im Streit mit dem Teufel um den Leichnam des Moses kein eigenes Urteil, sondern sagt: „Der Herr gebiete dir!“ Allioli erklärt dazu in seiner Bibelausgabe (4. Auflage 1859), der Erzengel habe den Fluch nicht selbst ausgesprochen, „indem er dieß Gott überließ“. Das Gebet folgt diesem Beispiel. Die Beter befehlen dem Teufel nichts, sie bitten Gott, ihm zu gebieten.

Ist das Gebet zum Erzengel Michael ein Exorzismus?

Ein Exorzismus ist das Gebet zum Erzengel Michael nicht, sondern ein Bittgebet. Davon zu unterscheiden ist der längere Exorzismus, den die Acta Sanctae Sedis 1890 auf Anordnung Leos XIII. abdruckten, und erst recht der feierliche Exorzismus über Besessene, den nur ein vom Ordinarius eigens bevollmächtigter Priester vornehmen darf.

Der längere Text heißt Exorcismus in satanam et angelos apostaticos, Exorzismus gegen den Satan und die abtrünnigen Engel, und steht in den Acta Sanctae Sedis 23 (1890, S. 743 bis 747). Er beginnt mit Versen aus den Psalmen 67 und 34, dann folgt ein ausführliches Gebet an den heiligen Michael (Princeps gloriosissime caelestis militiae, „Glorreichster Fürst der himmlischen Heerschar“) und schließlich die eigentliche Beschwörung des unreinen Geistes (Exorcizamus te, omnis immundus spiritus). Den Ablass dafür gewährte Leo XIII. am 18. Mai 1890 Bischöfen und Priestern, die ihr Ordinarius dazu ermächtigt hat.

Für den feierlichen Exorzismus über Besessene bestimmt der Codex des kanonischen Rechts von 1917: Niemand darf ihn rechtmäßig vornehmen ohne besondere und ausdrückliche Erlaubnis des Ordinarius (can. 1151 § 1). Das kurze Michaelsgebet berührt diese Ordnung nicht.

Schützt das Gebet zum Erzengel Michael?

Als Bitte um Schutz will das Gebet zum Erzengel Michael verstanden sein, nicht als Formel, die aus sich selbst wirkt. Es ruft den heiligen Michael als Fürsprecher an und erwartet die Hilfe ausdrücklich „in der Kraft Gottes“, lateinisch divina virtute.

Diese Haltung prägt schon das Dekret von 1884. Es begründet die Gebete nach der Messe nicht mit einer besonderen Kraft der Worte, sondern damit, dass das christliche Volk Gottes Hilfe „im gemeinsamen Gebet“ erflehen solle. Wer das Michaelsgebet betet, stellt sich also in das Gebet der ganzen Kirche. Vertrauen setzt er auf Gott, der seine Engel sendet.

Ein geweihter Rosenkranz oder eine geweihte Medaille mit dem Bild des heiligen Michael ändert daran nichts. Beide sind Sakramentalien, also geweihte Dinge, deren sich die Kirche bedient. Durch sie erlangt die Kirche nach dem Kirchenrecht von 1917 kraft ihrer Fürbitte Wirkungen vor allem geistlicher Art (can. 1144), nicht der Gegenstand aus sich.

Aus der Werkstatt

Unser Quis-ut-Deus-Rosenkranz trägt den Namen des Erzengels im Titel: Quis ut Deus, „Wer ist wie Gott?“. Sein Mittelstück zeigt den heiligen Michael, auf der Rückseite stehen die Worte „St. Michael Defend us“, der Anfang des Gebets auf Englisch. Wir knüpfen ihn von Hand aus 4 mm starkem 550er Paracord in Grau und Blau, mit 10 mm großen Ave-Perlen aus Edelstahl, 15 mm großen Vaterunser-Perlen und einem 12-Apostel-Kruzifix.

Die Perlenabstände sind so geknüpft, dass der Daumen bequem dazwischenpasst. Das Schlaufenteil passt über die meisten Köpfe.

Quis-ut-Deus-Rosenkranz aus grau-blauem Paracord mit Ave-Perlen aus Edelstahl, Michaelsmittelstück und 12-Apostel-Kruzifix Im Artikel erwähnt Quis ut Deus Rosenkranz Handgeknüpft aus grau-blauem 550er Paracord, mit Ave-Perlen aus Edelstahl, Mittelstück mit dem heiligen Michael und 12-Apostel-Kruzifix. Zum Rosenkranz

Häufige Fragen zum Gebet zum Erzengel Michael

Hat Papst Leo XIII. das Michaelsgebet nach einer Vision verfasst?

Eine Vision Leos XIII. wird oft als Anlass erzählt. In den amtlichen Texten, die diesem Ratgeber zugrunde liegen, ist davon keine Rede. Das Dekret von 1884 begründet die Gebete nach der Messe mit der Not der Kirche und ihrem Bedarf an Gottes Schutz.

Gehört das Gebet zum heiligen Michael zum Rosenkranz?

Zum Rosenkranz selbst gehört das Gebet zum heiligen Michael nicht. Man kann den Rosenkranz aber mit dem Salve Regina und dem Michaelsgebet beschließen. Rosenkränze mit Michaelsmedaille finden Sie unter unseren Paracord-Rosenkränzen.

Was bedeutet Quis ut Deus?

Quis ut Deus ist die lateinische Übersetzung des hebräischen Namens Michael und bedeutet „Wer ist wie Gott?“. Der Name ist eine Frage, auf die es nur eine Antwort gibt. Auf vielen Bildern steht er auf dem Schild des Erzengels.

Darf man das lange Michaelsgebet aus dem Exorzismus privat beten?

Das lange Gebet an den heiligen Michael (Princeps gloriosissime) verzeichnet die Raccolta von 1910 als eigenes Gebet mit einem Ablass von 300 Tagen, einmal am Tag. Den Ablass von 1890 für den ganzen Exorzismus mit der anschließenden Beschwörung erhielten dagegen nur Bischöfe und die von ihrem Ordinarius dazu ermächtigten Priester.

Quellen
  1. Ritenkongregation: Dekret Urbis et Orbis (für die Stadt und den Erdkreis) vom 6. Januar 1884. Acta Sanctae Sedis 16 (1883/84), S. 239 bis 240. vatican.va
  2. Anselm Schott: Das Messbuch der heiligen Kirche, 4. Auflage, Freiburg 1894, Gebete nach der heiligen Messe. archive.org
  3. Exorcismus in satanam et angelos apostaticos und Ablass vom 18. Mai 1890. Acta Sanctae Sedis 23 (1890/91), S. 743 bis 747. vatican.va
  4. Pius XI.: Ansprache im Konsistorium 1930. Acta Apostolicae Sedis 22 (1930), S. 301. vatican.va
  5. The Raccolta, or Collection of Indulgenced Prayers, London 1910, Nr. 109 und 292. archive.org
  6. Biblia Sacra Vulgata: Dan 12, 1; Jud 9; Apk 12, 9. Joseph Franz Allioli: Die Heilige Schrift, Band 6, 4. Auflage, Landshut 1859, Jud 9 mit Anmerkung und Apk 12. archive.org
  7. Missale Romanum, Editio typica 1962: 29. September, Halleluja-Vers. archive.org
  8. Codex Iuris Canonici von 1917, can. 1144 und 1151. codex-iuris-canonici.de

Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.

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