Allerseelen: Bedeutung, Bräuche und Ablass am 2. November
Am 2. November betet die Kirche für alle Verstorbenen. Was Allerseelen bedeutet, woher der Tag kommt und welchen Ablass Sie für die Armen Seelen gewinnen können.
Am Tag nach Allerheiligen wird es in der Kirche still. Allerseelen, der 2. November, gehört den Verstorbenen: Der Priester trägt das Messgewand der Totenmesse, die Gläubigen gehen auf den Friedhof und beten an den Gräbern ihrer Angehörigen. 2026 fällt Allerseelen auf einen Montag. Dieser Ratgeber erklärt, was der Tag bedeutet, woher er kommt, warum jeder Priester an diesem Tag drei heilige Messen lesen darf und welche Ablässe die Kirche den Armen Seelen zuwendet.
- Allerseelen ist der Gedächtnistag aller verstorbenen Gläubigen, lateinisch Commemoratio omnium fidelium defunctorum. Im Messbuch von 1962 ist er ein Tag erster Klasse.
- Allerseelen fällt immer auf den 2. November, 2026 auf einen Montag. Am Tag zuvor feiert die Kirche Allerheiligen.
- Seit der Apostolischen Konstitution Incruentum altaris Papst Benedikts XV. vom 10. August 1915 darf jeder Priester an Allerseelen drei heilige Messen feiern.
- Wer am 2. November eine Kirche besucht oder in der Allerseelenoktav auf dem Friedhof für die Verstorbenen betet, kann unter den vorgeschriebenen Bedingungen einen vollkommenen Ablass für die Armen Seelen gewinnen (Raccolta, Nr. 544 und 546).
Was ist Allerseelen?
Allerseelen ist der Gedächtnistag, an dem die katholische Kirche für alle verstorbenen Gläubigen betet, besonders für die Seelen im Fegfeuer. Sie feiert ihn am 2. November mit der Totenmesse, dem Requiem, und empfiehlt an diesem Tag Gebet, Almosen, Ablässe und vor allem das heilige Messopfer für die Verstorbenen.
Dem Gedächtnistag liegt die Lehre vom Fegfeuer zugrunde. Wer in der Gnade Gottes stirbt, aber noch nicht ganz gereinigt ist, kann Gott noch nicht schauen. Das Konzil von Trient hat gelehrt, dass die Seelen im Fegfeuer durch die Fürbitten der Gläubigen, vorzüglich aber durch das wohlgefällige Opfer des Altares unterstützt werden. Benedikt XV. zitiert diesen Satz gleich im ersten Absatz seiner Konstitution über Allerseelen.
Der Katechismus von Joseph Deharbe fasst es für den Alltag zusammen: Den Seelen im Fegfeuer kommen wir zu Hilfe durch Gebet, Ablässe, gute Werke und besonders durch das heilige Messopfer. Als Schriftbeleg nennt er eine Stelle aus dem zweiten Makkabäerbuch, die er ausdrücklich dem Allerseelentag zuordnet.
„Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden.“
2 Makk 12, 46, nach der Übersetzung von Joseph Franz Allioli
Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?
Allerheiligen am 1. November ehrt alle Heiligen, die schon bei Gott im Himmel sind. Allerseelen am 2. November betet für die Verstorbenen, die im Fegfeuer noch gereinigt werden. Allerheiligen ist ein Fest der Freude, Allerseelen ein Tag der Fürbitte mit der Totenmesse.
Beide Tage gehören zur Gemeinschaft der Heiligen, die im Glaubensbekenntnis steht. Der Katechismus von Deharbe zählt zu ihr drei Gruppen: die Gläubigen auf Erden, die streitende Kirche; die Seelen im Fegfeuer, die leidende Kirche; die Seligen im Himmel, die triumphierende Kirche. An Allerheiligen bitten die Gläubigen auf Erden die Seligen um ihre Fürsprache, an Allerseelen helfen sie den Leidenden mit ihrem Gebet.
| Allerheiligen | Allerseelen | |
|---|---|---|
| Datum | 1. November, 2026 ein Sonntag | 2. November, 2026 ein Montag |
| Für wen | alle Heiligen im Himmel | alle verstorbenen Gläubigen, besonders im Fegfeuer |
| Rang 1962 | Fest erster Klasse | Gedächtnis erster Klasse |
| Feiertag | gebotener Feiertag | kein gebotener Feiertag |
| Messe | Gaudeamus omnes in Domino | Requiem, bis zu drei Messen je Priester |
Wer an Allerheiligen den eigenen Namenspatron ehren möchte, findet ihn vielleicht unter unseren Statuen von Heiligen.
Woher kommt Allerseelen?
Allerseelen geht auf den heiligen Odilo, Abt von Cluny, zurück. Er ordnete im 11. Jahrhundert an, dass die Klöster von Cluny jährlich am 2. November aller verstorbenen Gläubigen gedenken. Andere Benediktiner und die Kartäuser folgten, danach die Bistümer, bis der Tag in der ganzen Kirche galt.
Das Gebet für die Toten selbst ist viel älter. In den ersten Jahrhunderten trug man die Namen der verstorbenen Brüder in die Diptychen ein, die Namenslisten der Messe. Im 6. Jahrhundert hielten benediktinische Klöster um Pfingsten ein Gedächtnis ihrer verstorbenen Mitbrüder, in Spanien gab es zur Zeit des heiligen Isidor (gestorben 636) einen eigenen Tag.
Das Jahr, in dem Odilo seine Anordnung traf, ist nicht sicher überliefert. Die Catholic Encyclopedia hält in ihrem Artikel über Odilo (1911) die Jahreszahl 998 für unwahrscheinlich und denkt an die Zeit nach 1030. Ihr Artikel über Allerseelen (1907) nennt dagegen Lüttich unter Bischof Notger, der 1008 starb, als erstes Bistum, das den Tag übernahm. Beide Angaben passen nicht zusammen; sicher ist nur das 11. Jahrhundert.
Das Römische Martyrologium (Ausgabe Rom 1902) nennt am 2. November an erster Stelle die Commemoratio omnium fidelium defunctorum, das Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen.
Warum feiert der Priester an Allerseelen drei heilige Messen?
An Allerseelen darf jeder Priester drei heilige Messen feiern, weil Papst Benedikt XV. dieses Vorrecht am 10. August 1915 der ganzen Kirche gewährt hat. Eine Messe darf er frei zuwenden, eine feiert er für alle verstorbenen Gläubigen, die dritte nach der Meinung des Papstes.
Der Brauch stammt aus dem Königreich Aragonien. Dort lasen Weltpriester am Allerseelentag zwei, Ordenspriester drei Messen. Benedikt XIV. dehnte das Vorrecht 1748 auf Spanien und Portugal aus. Benedikt XV. nennt als Gründe für die Ausdehnung auf die ganze Welt zuerst die vielen Messstiftungen für Verstorbene, die verloren gegangen seien oder vernachlässigt würden. Besonders bewege ihn der Krieg, der 1915 fast ganz Europa erfasst hatte: Er sehe fast vor seinen Augen eine große Zahl von Menschen in der Blüte ihrer Jahre in der Schlacht einen frühen Tod sterben.
„Liceat omnibus in Ecclesia universa Sacerdotibus, quo die agitur Sollemnis Commemoratio omnium fidelium defunctorum, ter sacrum facere.“ Allen Priestern in der ganzen Kirche sei es erlaubt, am Tag des feierlichen Gedächtnisses aller verstorbenen Gläubigen dreimal das heilige Opfer zu feiern.
Benedikt XV., Incruentum altaris, 10. August 1915, Nr. I; Acta Apostolicae Sedis 7 (1915), S. 403
Das Kirchenrecht von 1917 hat die Regel übernommen: Am Weihnachtstag und an Allerseelen darf jeder Priester dreimal zelebrieren; an anderen Tagen darf er nur mit päpstlichem Indult oder Erlaubnis des Ortsordinarius mehrere Messen feiern (can. 806 § 1). Alle Messen an Allerseelen haben zudem das Vorrecht eines privilegierten Altars (can. 917 § 1). Am Ende seiner Konstitution bittet der Papst alle Gläubigen, an diesem Tag zahlreich und mit großer Andacht der heiligen Messe beizuwohnen.
Welchen Ablass kann man an Allerseelen gewinnen?
An Allerseelen kann man bei jedem Besuch einer Kirche einen vollkommenen Ablass für die Armen Seelen gewinnen. Bedingungen sind Beichte, heilige Kommunion und bei jedem Besuch sechsmal Vater unser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater nach der Meinung des Papstes (Raccolta, Nr. 544).
Die Raccolta ist die Sammlung der Gebete und frommen Werke, die die Kirche mit Ablässen versehen hat. Zitiert wird hier die vom Heiligen Stuhl genehmigte englische Ausgabe von 1943, die der amtlichen römischen Ausgabe Preces et pia opera von 1938 folgt. Für Allerseelen nennt sie neben dem Kirchenbesuch zwei weitere Ablässe:
- Friedhofsbesuch: Wer in der Oktav von Allerseelen, also an den acht Tagen vom 2. November an, andächtig einen Friedhof besucht und für die Verstorbenen betet, auch nur im Herzen, kann an jedem dieser Tage unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass gewinnen, nur den Verstorbenen zuwendbar. An jedem Tag des Jahres gilt für denselben Besuch ein Ablass von sieben Jahren (Nr. 546).
- Seelenmonat: Wer im November täglich für die Verstorbenen betet, kann an jedem Tag einen Ablass von drei Jahren gewinnen und, wenn er es den ganzen Monat hält, unter den üblichen Bedingungen einen vollkommenen Ablass (Nr. 543).
Die üblichen Bedingungen nennt das Vorwort der Raccolta: Beichte, heilige Kommunion, Besuch einer Kirche oder eines öffentlichen Oratoriums und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters. Wer einen Ablass gewinnen will, muss im Stand der Gnade sein und die Absicht haben, ihn zu gewinnen (can. 925). Die Beichte darf nach dem Kirchenrecht von 1917 in den acht Tagen davor abgelegt werden, die Kommunion am Vortag; beides geht auch in den acht Tagen danach (can. 931 § 1).
Wie begeht man Allerseelen nach katholischem Brauch?
Den Allerseelentag begeht man nach katholischem Brauch mit dem Besuch der heiligen Messe, mit dem Gang zum Friedhof und mit dem Gebet für die Verstorbenen. Ein kurzes Totengebet, das sich jeder merken kann, ist das Requiem aeternam, das die Kirche auch in der Totenmesse singt.
Die Messe von Allerseelen beginnt mit dem Eingangsvers aus dem vierten Buch Esdras (2, 34 bis 35), von dessen erstem Wort die Totenmesse ihren Namen hat. Vor dem Evangelium steht die Sequenz Dies irae, die vom Jüngsten Gericht spricht und mit der Bitte endet: Pie Iesu Domine, dona eis requiem, gütiger Herr Jesus, gib ihnen die Ruhe. In der ersten der drei Messen verkündet die Lesung aus dem ersten Korintherbrief (15, 51 bis 57) die Auferstehung der Toten.
Requiem aeternam dona eis, Domine; et lux perpetua luceat eis. Requiescant in pace. Amen.
Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Sie mögen ruhen in Frieden. Amen.
Raccolta (1943), Nr. 536; Ablass von 300 Tagen, nur den Armen Seelen zuwendbar. Deutsch wörtlich nach dem lateinischen Text.
Wer am Grab betet, kann den Psalm 129 De profundis sprechen oder einfach ein Vater unser, ein Ave Maria und das Requiem aeternam. Die Raccolta verbindet beides mit einem Ablass von drei Jahren (Nr. 539). Auch ein Rosenkranz für die Verstorbenen passt zu diesem Tag; jedes Gesätz lässt sich für einen bestimmten Verstorbenen aufopfern.
Für das Totengebet im November knüpfen wir den Memento-Mori-Rosenkranz aus schwarzem 550er Paracord mit 4 mm Stärke. Die Vater-unser-Perlen haben die Form kleiner Schädel, 10 mm groß, die Ave-Perlen sind anthrazitfarbene Metallperlen in derselben Größe. Als Mittelstück dient die Wundertätige Medaille, am Ende hängt ein Zwölf-Apostel-Kruzifix. Mit Kreuz misst der Rosenkranz etwa 55 cm.
Die Abstände zwischen den Perlen knüpfen wir so, dass der Daumen bequem dazwischen passt. Wer sie enger oder weiter möchte, schreibt uns das beim Bestellen.
Im Artikel erwähnt
Memento Mori Paracord-Rosenkranz
Von Hand geknüpft aus 550er Paracord, mit Schädelperlen, Wundertätiger Medaille und Kruzifix.
Zum Rosenkranz
Weitere Gegenstände zur Betrachtung von Tod und Ewigkeit, vom Totenschädel bis zur Sanduhr, finden Sie in unserer Sammlung Memento mori.
Häufige Fragen zu Allerseelen
Ist Allerseelen ein gebotener Feiertag?
Allerseelen ist kein gebotener Feiertag. Das Kirchenrecht von 1917 zählt Allerheiligen zu den gebotenen Festen, Allerseelen nicht (can. 1247 § 1). Benedikt XV. hat die Gläubigen aber dringend eingeladen, an diesem Tag die heilige Messe zu besuchen.
Was passiert, wenn der 2. November auf einen Sonntag fällt?
Fällt der 2. November auf einen Sonntag oder ein hohes Fest, verlegt die Kirche das Gedächtnis aller Verstorbenen auf den 3. November. So beschreibt es die Catholic Encyclopedia von 1907. 2026 stellt sich die Frage nicht, Allerseelen ist ein Montag.
Kann man den Ablass einem bestimmten Verstorbenen zuwenden?
Einen Ablass kann man einem bestimmten Verstorbenen zuwenden wollen. Für die Verstorbenen wirkt er nach dem Kirchenrecht von 1917 auf dem Weg der Fürbitte, per modum suffragii (can. 911). Ob und wie Gott ihn einer Seele zugutekommen lässt, liegt bei ihm.
Was bedeutet das Wort Requiem?
Requiem heißt Ruhe. Die Totenmesse trägt den Namen nach ihrem ersten Wort: Requiem aeternam dona eis, Domine, Herr, gib ihnen die ewige Ruhe.
- Benedikt XV.: Apostolische Konstitution Incruentum altaris, 10. August 1915. Acta Apostolicae Sedis 7 (1915), S. 401 bis 404. vatican.va
- The Raccolta, vom Heiligen Stuhl genehmigte englische Ausgabe nach Preces et pia opera (1938), Benziger, New York 1943, Vorwort und Nr. 536 bis 547. archive.org
- Codex Iuris Canonici von 1917, can. 806, 911, 917, 925, 931 und 1247. codex-iuris-canonici.de
- Missale Romanum 1962, Messe am Gedächtnis aller verstorbenen Gläubigen, nach Divinum Officium (Rubriken 1960). divinumofficium.com
- Die Heilige Schrift, aus der Vulgata übersetzt von Joseph Franz Allioli, Band 4, 4. Auflage, Landshut 1859, S. 762: 2 Makk 12, 46. archive.org
- Joseph Deharbe: Katholischer Katechismus, deutsch-englische Ausgabe, Benziger, New York, § 4 Die Gemeinschaft der Heiligen, Fragen 36 bis 43. archive.org
- Martyrologium Romanum, Ausgabe Rom 1902, 2. November. archive.org
- Catholic Encyclopedia: All Souls' Day (Band 1, 1907) und St. Odilo (Band 11, 1911). newadvent.org
Zuletzt geprüft am 19. Oktober 2026.
Die Werkstatt des MarcellusOnlineShop
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